Die Colorado Avalanche haben am Samstagabend in der Ball Arena auch Spiel 2 des Stanley Cup Finals 2022 gegen die Tampa Bay Lightning gewonnen und dabei sogar einen 7:0-Kantersieg gefeiert. Avalanche-Torwart Darcy Kuemper (16 Saves) feierte seinen zweiten Karriere-Playoff-Shutout (erster in den Stanley Cup Playoffs 2022).

"Ich finde, das war außergewöhnlich", freute sich Colorados Trainer Jared Bednar. "Unsere Jungs haben heute von Anfang an hart gespielt. Wir waren sehr engagiert in der Defense und gefährlich in der Offensiv. Jeder in der Aufstellung war hartnäckig im Kampf um den Puck und hat diesen unerbitterlich gejagt. Es war nahe dran an einem perfekten Spiel."
Cogliano-Comeback in einer Reihe mit Sturm
Die Avalanche nahmen eine Änderung in ihrer Aufstellung vor: Die wiedergenesene Andrew Cogliano (nach Hand-OP, letztes Spiel am 6. Juni) für Nicolas Aube-Kubel und bildete die vierte Reihe mit Alex Newhook und dem deutschen Center Nico Sturm (10:02 Minuten Eiszeit, davon 1:41 Minuten in Unterzahl , vier Checks, ein Block, +1).
Bei den Lightning gab es dagegen keine personellen Veränderungen. Starter zwischen den Pfosten war einmal mehr Andrei Vasilevskiy (23 Saves, 76,7 Prozent Fangquote).
Keine Zweifel: Avalanche starten erneut enorm stark
Tampa kam offensiv-eingestellt aus der Kabine und setzte sich direkt in der gegnerischen Zone fest. Colorado wurde deshalb aber nicht unruhig, sondern erarbeitete sich den Weg nach vorne und zog direkt eine Strafe. Im Powerplay knipsten die Avalanche gleich die Torlampe an: Nach einem scharfen Pass von Andre Burakovsky von rechts musste der vor dem Tor postierte Hüne Valeri Nichushkin nur noch die Kelle entsprechend aufs Eis stellen und traf per Tip-in zum 1:0 (3.).

Die Lightning hatten, wie schon in Spiel 1, Probleme mit dem aggressiven Zwei-Mann-Forechecking des Gegners und taten sich entsprechend schwer beim Spielaufbau. Colorado präsentierte sich giftiger, laufstärker und schneller. Bezeichnend: Erst nach 6:11 Minuten kam Tampa Bay zum ersten Torschuss.
Mit Sturm auf dem Eis erhöhten die Avalanche wenig später auf 2:0: Verteidiger Josh Manson drang unbedrängt in die Offensivzone ein, sah sich nach einer Anspielstation um, fand keine und überraschte Vasilevskiy mit einem Schuss über die Beinschiene ins lange Eck (8.).
Tampa fand weiterhin nur schwer in diese Partie. Colorado positionierte sich gekonnt in den Pass- und Schusswegen und effektiv im Forechecking, was viele Turnovers produzierte. Jeder Scheibengewinn wurde von den 18.000 Fans lautstark gefeiert.
Weit mehr Grund zur Freude sollte es in Minute 14 geben: Nach einem Schuss von Mikko Rantanen von rechts gab Vasilevskiy den Rebound vor die Kelle von Burakovsky, der aus der Nahdistanz zum 3:0 einschob.
Kurz vor der ersten Pause hatte Burakovsky mit einem Alleingang sogar noch das 4:0 auf dem Schläger, doch zog er gegen Vasilevskiy den Kürzeren (20.). Die 3:0-Führung war aber auch angesichts von 11:5 Schüssen im ersten Drittel verdient.
"Die Geschwindigkeit ist das, was uns ausmacht", sagte Manson. "So können wir sie schlagen. Sie sind ein geduldiges Team mit einer guten Struktur, also müssen wir nur so weiterspielen."
Colorado gibt weiter Vollgas - Nichushkin und Helm erhöhen
Auch im zweiten Drittel drückte Colorado das Gaspedal weiter voll durch: Manson scheiterte in gleich zwei Großchancen erst mit einem Schuss an Vasilveskiy (22.), und dann mit einem noch abgefälschten Versuch am linken Pfosten (23.).

Ohne dass Tampa Bay in diesem Abschnitt aufs Tor geschossen hatte, schraubten die Avalanche den Spielstand sogleich auf 4:0: Rantanen eroberte den Puck hinter dem gegnerischen Tor und spielte ihn in den Slot auf Nichushkin, der per Direktabnahme traf (25.). "Er ist unser Zugpferd", sagte Verteidiger Cale Makar über Nichushkin.
Erst im eigenen Powerplay wurden die Lightning erstmals gefährlich und feuerte die ersten drei Schüsse in diesem Durchgang ab. Kuemper aber parierte. Damit blieb Tampas zum zehnten Mal in Folge in Überzahl ohne Torerfolg.
Stattdessen verzückte Colorado seine Fans weiterhin mit seiner Spielstärke. Nichushkin versuchte im 1-gegen-1 mit Vasilevskiy einen Vorhand-Rückhand-Trick, doch Tampas Torwart entschärfte die brenzlige Szene mit einer gekonnten Parade (35.).
Bezeichnend für das tödliche Umschaltspiel der Avalanche dann diese Szene: Nach einem Puckverlust der Lightning in der gegnerischen Zone, schaltete Darren Helm den Turbo ein, sprintete über drei Linien und traf dann gegen die Rutschrichtung von Vasilevskiy zum 5:0 aus halblinker Position ins rechte Eck (37.).
Hochkaräter erarbeiteten sich auch weiterhin nur Colorado - einzig Vasilevskiy war es zu verdanken, dass Tampa Bay zur zweiten Pause nicht noch höher zurücklag (12:23 Schüsse bis hierhin). "Wir haben ihn da draußen im Stich gelassen", sagte Kapitän Steven Stamkos. "Ich schulde es ihm, dass ich ein besseres nächstes Spiel habe."
Makars Shorthander setzt die Kirsche auf die Sahnetorte
Für die Lightning hätte ein frühes Powerplay im dritten Drittel zumindest wieder einen Fuß in die Tür bringen können, doch es kam alles anders: Avalanche-Verteidiger Makar kratzte die Scheibe erst von der eigenen Torlinie und startete kurz darauf einen Sololauf über die komplette Eisfläche, um in Unterzahl zum 6:0 zu vollenden (43.).

Die Würfel waren damit längst gefallen - satt aber war Colorado noch nicht. Im Powerplay drückten die Avalanche die Lightning hinten rein und ließen den Puck wie am Schnürchen gezogen von Tape zu Tape laufen. Am Ende dieser Kombinationskette stand Makar, der den Abzug drückte und in den rechten Winkel traf - 7:0 (50.)!
Vasilevskiy blieb bis zum bitteren Ende im Tor. "Ich habe nicht darüber nachgedacht, ihn zu ziehen", sagte Tampas Trainer Jon Cooper. "Er ist der beste Torwart der Welt. Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen. Selbst wenn ich ihn hätte rausnehmen wollen, wäre er wohl nicht gekommen. Das zeigt, was für eine Kämpfernatur er ist und warum er der Beste ist."
Tampa Bays Frustration war bis zur Schlusssirene ein ums andere Mal zu sehen. Die Hoffnung der Lightning ruht jetzt auf Spiel 3 am Montag (8 p.m. ET; NHL.tv, Sky Sport, Puls24, MySports; Di. 2 Uhr MESZ) in der heimischen Amalie Arena.