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Julien und Andrighetto finden nicht zusammen

Der Schweizer Außenstürmer darf sich unter dem neuen Headcoach erneut nicht beweisen und könnte mit einem Abschied aus Montreal liebäugeln

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Der junge Schweizer Flügelstürmer Sven Andrighetto durchlebt in der laufenden Saison bei den Montreal Canadiens ein Wechselbad der Gefühle. Nachdem der im Sommer 2013 in der dritten Runde (Nr. 25) von Montreal gedraftete Stürmer in seiner zweiten NHL Spielzeit 2015-16 insgesamt 44 Spiele in der nordamerikanischen Eliteliga absolvierte und dabei 17 Punkte (7 Tore, 10 Assists) erzielte, schien er endlich in Übersee angekommen zu sein.

Auch wenn die Canadiens am Ende der Hauptrunde leer ausgingen und mit den verpassten Playoffs wahrlich keine Sahnesaison ablieferten, wirkte der Weg für eine aussichtsreiche Karriere beim NHL-Rekordmeister für den Züricher geebnet. Auch nach der Hauptrunde in der NHL, ging der Höhenflug des Rechtsaußens weiter. Erstmalig wurde der 23-jährige in das Aufgebot der schweizerischen Herrennati befördert. Und er zahlte es dem Eishockeyverband seiner Heimat mit Punkten zurück. Bei der IIHF-Eishockeyweltmeisterschaft 2016 in Russland erzielte Andrighetto in sieben Partien sieben Punkte (3 Tore, 4 Assists), was ihn noch vor NHL-Kollege Nino Niederreiter (6 Punkte) zum gefährlichsten Angreifer des Teams machte.

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Auch sein Arbeitgeber, die Montreal Canadiens, erkannten das Talent von Andrighetto und verlängerten seinen auslaufenden Vertrag bis zum Ende der laufenden Spielzeit. Seitdem er als 18-jähriger den Sprung über den großen Teich wagte, ist Andrighetto im kanadischen Bundesstaat Quebec heimisch. Zunächst stürmte er zwei Jahre für die Rouyn-Noranda Huskies in der QMJHL für die ihm in 115 Spielen 172 Punkte (67 Tore, 105 Assists) gelangen, dann folgte das Engagement bei den Canadiens. Andrighetto zögerte nicht lange, den mit 650.000 USD dotierten Einwegevertrag bei den Canadiens zu akzeptieren.

Doch bereits am 15. Oktober ereilte den jungen Schweizer ein derber Rückschlag. Hatten ihn im Sommer noch viele Fans und Experten als potenziellen Stürmer für die Top-Six Stürmer beziehungsweise als sichere Bank für die ersten drei Sturmreihen gesehen, verblüfften die Canadiens, indem sie ihn auf die Waiverliste setzten. Folglich musste er sich zunächst bei den St. John IceCaps in der American Hockey League beweisen. Und er machte seine Sache gut. In zehn Spielen für die IceCaps erzielte er elf Punkte (5 Tore, 6 Assists), womit er sich innerhalb kürzester Zeit erneut in den Fokus der Canadiens spielte. Schon am 7. November wurde er zurück ins NHL Team beordert, wo er fortan regelmäßig Einsatzzeiten erhielt.

Zwar hielten sich seine Eiszeiten bei den Canadiens in den Monaten November und Dezember noch in Grenzen, doch im neuen Jahr 2017 schien es, als ob er seinen Platz bei den Canadiens endgültig gefunden hatte. Excoach Michel Therrien schenkte ihm häufiger das Vertrauen und lies ihn in ein paar Spielen neben Alex Galchenyuk und Andrew Shaw wirbeln. Folgerichtig setzte Andrighetto auch in der NHL offensiv Akzente. Am 11. Januar gelang ihm im Gastspiel gegen die Winnipeg Jets sein erstes Saisontor für die Canadiens.

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Doch nachdem Therrien am 14. Februar vom Canadiensmanagement von seinen Aufgaben entbunden wurde, verlor Andrighetto seinen Protegé. Unter seinem neuen Coach Claude Julien wurde Andrighetto aufs Abstellgleis gesetzt. Weder bei der 3-1 Niederlage gegen die Jets am Samstag, noch beim 3-2 Erfolg nach Penaltyschießen gegen die New York Rangers durfte der junge Schweizer mitwirken.

Es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, ob er in Montreal, wo er bereits heimisch geworden ist, noch eine Zukunft hat. Für einen Abschied aus Nordamerika ist die Zeit noch nicht gekommen, doch ein Tapetenwechsel sollte nicht die schlechteste Option für Andrighetto sein.

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