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Die Boston Bruins haben am Samstag in der PNC Arena Spiel 7 bei den Carolina Hurricanes knapp mit 2:3 verloren. In der Best-of-7-Serie der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs 2022 zogen die Bruins somit den Kürzeren (Endstand: 3:4). NHL.com/de blickt auf das Aus, die Gründe für das Scheitern und in die Zukunft.

Elimination Game: Cassidy hadert mit der Defensive
Do or Die, Sekt oder Selters, Sieg oder Sommerpause. Zwischen Carolina und Boston sollte das alles entscheidende Spiel 7 eine Antwort auf diese Fragen bringen. Aus Sicht der Bruins allerdings mit einem negativen Ausgang: Für Boston ist die Saison 2021/22 beendet.
Lange hielten die Bruins auf Augenhöhe mit, doch für die Hurricanes machten Torwart Antti Raanta (27 Saves, 93,1 Prozent Fangquote) sowie Stürmer Max Domi (2-1-3) den Unterschied.
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Taylor Hall hätte Boston im ersten Drittel in Führung bringen können, scheiterte frei vor Raanta aber an einem Monster-Save des Goalies. "Wenn wir dieses 2-auf-1 nutzen, dann können sich die Dinge in einem Spiel, in dem es schwer war, Tore zu schießen, ändern", haderte Bruins-Trainer Bruce Cassidy. "Wenn wir in Führung gegangen wären, dann wären sie gefordert gewesen."
Doch stattdessen ging Carolina in Front: Teuvo Teravainen (19.) und Max Domi (24.) stellten auf 2:0. Jake DeBrusk brachte Boston wieder auf 1:2 heran (26.), doch erneut Domi stellte den alten Abstand wieder her (31.). "Wir hatten zu viele Aussetzer", kritisierte Cassidy seine sonst so stabile Abwehr. "Wir sind stolz auf unsere Deckung in der Defensivzone, machen das die ganze Saison gut, aber heute haben wir diesen Job nicht erledigt. Darüber bin ich am meisten enttäuscht, dass es so enden musste."
In der Schlussminute keimte noch einmal Spannung auf, als David Pastrnak den 2:3-Anschluss besorgte (60.). "An diesem Punkt waren wir nur einen Schuss entfernt. Ich fand, dass wir daraus Energie ziehen konnten und das Momentum zurückgeholt haben", so Patrice Bergeron. "Wir hatten schon im ersten Drittel ein paar gute Möglichkeiten, wenn die Abpraller für uns gesprungen wären, dann wäre es ein anderes Spiel gewesen. Natürlich ist es leicht, das jetzt zu sagen. Hut ab vor ihnen. Sie haben eine großartige Serie und ein gutes Spiel gespielt."
In den verbleibenden 22 Sekunden warfen die Bruins noch einmal alles nach vorne, bauten eine Menge Druck auf, doch das Saisonende war nicht mehr abzuwenden. "Es tut immer weh und es wird immer weh tun", sagte Brad Marchand zum Aus in der ersten Runde. "Jedes Jahr in den Playoffs hoffst du darauf, lange dabei zu sein und tief vorzudringen, um eine gute Chance zu haben, um diesen Pokal zu spielen. Wir wussten, dass wir mit diesem Gegner alle Hände voll zu tun haben würden. Es ist vielleicht einer der anspruchsvollsten Gegner im Osten."

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Gründe für das Aus: Auswärtsschwäche und zu wenig Offensivpower
Bei der Suche nach dem Gründen für das Scheitern drängt sich allen voran die eklatante Auswärtsschwäche auf: Zwar konnten die Bruins in Boston alle Spiele dieser Serie gewinnen, in Carolina aber gelang nicht ein einziger Sieg. In der regulären Saison war Boston noch sechstbeste Auswärts-Team in der gesamten NHL (25-13-3). In Raleigh aber setzte es nur Niederlagen.
Grund dafür auch eine mangelnde Produktivität in der Offensive: Gerade einmal 2,86 Tore/Spiel waren zu wenig, um eine erfolgreiche Serie zu spielen. Hinter der Paradereihe um Brad Marchand (4-7-11), Patrice Bergeron (3-4-7) und David Pastrnak (3-3-6) fehlte es an einer Scoring-Line. Spieler wie Craig Smith, Nick Foligno oder Curtis Lazar blieben ohne einen einzigen Torerfolg, die Angreifer Taylor Hall (2-2-4) und Erik Haula (1-2-3) zumindest hinter den Erwartungen zurück.
Auch entfachte Boston zu wenig Torgefahr von der blauen Linie: Die gesamte Verteidigung steuerte gerade einmal neun Scorerpunkte (2-7-9) bei. Abwehrchef Charlie McAvoy bleib ohne Treffer (0-5-5), die einzigen beiden Verteidiger-Tore erzielten Connor Clifton (1-1-2) und Derek Forbort (1-0-1). Hampus Lindholm, Matt Grzelcyk, Mike Reilly und Josh Brown blieben ohne Scorerpunkt.
Spiel 7 war ein Mikrokosmos für die gesamten Playoffs der Bruins: Vorne ging zu wenig und hinten schluckte Boston, trotz vieler defensiv ausgerichteter Verteidiger, zu viele Gegentore (3,43 pro Spiel).
Im Tor setzte Cassidy zunächst auf Linus Ullmark (zwei Starts, kein Sieg, 4,16 Gegentore/Spiel, 86 Prozent Fangquote) und wechselte wohl etwas zu spät zu Jeremy Swayman (fünf Starts, drei Siege, 2,63 Gegentore/Spiel, 91,1 Prozent Fangquote).

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Zukunft: Was wird aus Bergeron?
Bei den Bruins laufen im Sommer kaum Verträge aus, allerdings auch der eines ganz wichtigen Spielers: Franchise-Center Patrice Bergeron ließ Fragen nach seiner Zukunft unbeantwortet. Der 37-jährige Mittelstürmer zählt bis heute zu den besten Zwei-Wege-Stürmern, verbrachte seine gesamte NHL-Karriere in Boston, gewann einmal den Stanley Cup, viermal die Selke Trophy (bester Defensiv-Stürmer) und ist Mitglied im elitären Triple-Gold-Club (Olympia-Gold, WM-Gold, Stanley Cup Sieg). Ein Abgang oder gar das Karriereende würde die Bruins schwer treffen.
Doch es besteht auch Grund zur Hoffnung: Mit Swayman hat Boston einen erst 23-jährigen Torwart, der zur neuen Saison eine Starter-Rolle ausführen kann. An einem zusammenbleibenden Gerüst sollen sich Talente wie Jack Studnicka (23), Jakub Lauko (22), John Beecher (21), Mason Lohrei (21), Trevor Kuntar (20), Fabian Lysell (19) oder Brett Harrison (18) zu NHL-Spielern entwickeln.
Insgesamt aber muss Boston versuchen, wieder jünger zu werden und könnte in der Offseason in diesem Alterssegment zuschlagen.