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Außenseiter und Aufsteiger Kasachstan hat den Siegeslauf von Deutschland nach drei Erfolgen mit einem 3:2 am Mittwoch jäh gestoppt. Die Deutschen bleiben zunächst Tabellenführer der Gruppe B mit neun Punkten, werden aber zumindest von Lettland oder USA und Finnland an ihren beiden spielfreien Tag überholt werden, ehe es am Samstag um 19.15 Uhr (live auf Sport1) zum Kräftemessen mit dem Titelverteidiger Finnland kommt.

Das Team von Trainer Toni Söderholm tat sich gegen die bissige und aggressive Spielweise des Gegners schwer. Außerdem musste das Team schon frühzeitig auf Stürmer Lukas Reichel verzichten, der nach einem nicht geahndeten Check gegen den Kopf im ersten Drittel verletzt ausscheiden musste.
"Wir haben heute nicht unser bestes Eishockey gespielt", sagte Söderholm. "Wir haben im zweiten Drittel, als wir etwas schneller gespielt haben, ganz gut gespielt, aber wir sind nicht so in Fahrt gekommen, wie wir es wollten. Wir haben den Forecheck gesehen, den wir von Kasachstan erwartet haben, und sie haben sehr engagiert gespielt. Wir haben nicht genug Druck gemacht, um das Tempo im Spiel so hoch zu bekommen, wie wir es wollten."
Die deutsche Mannschaft war von Beginn an das aktivere Team, wobei die Kasachen immer wieder andeuteten, warum sie zum Beispiel Weltmeister Finnland zum WM-Auftakt geschlagen hatten. Trotz einiger Torchancen, unter anderem ein Latten- und ein Pfostenschuss für Deutschland und ein Lattentreffer von Kasachstan, blieb das erste Drittel torlos. Deutschland hatte sich ein Torschussverhältnis von 9:4 erarbeitet, aber konnte kein Kapital daraus schlagen.

Den ersten Nadelstich setzten die Kasachen mit dem 1:0 durch Alexander Shin in der 27. Minute. Sein Schuss fälschte Verteidiger Marcel Brandt unglücklich mit dem Schlittschuh ins Tor ab. Die Antwort ließ aber nicht lange auf sich warten. Tom Kühnhackl entdeckte die Torjäger-Gene seines Vaters und jagte den Puck in der 30. Minute zum Ausgleich in die Maschen. In der Folge wurde es dramatisch. Zunächst schien Matthias Plachta in der 34. Minute die Führung für Deutschland erzielt zu haben, doch Trainer Yuri Mikhailis bemühte wegen einer Abseitsstellung den Videobeweis und behielt Recht. Unmittelbar darauf kam in Überzahl und erzielte durch Markus Eisenschmid in der 35. Minute einen weiteren Treffer, den Kasachstan erneut wegen Abseits überprüfen ließ. Doch dieses Mal entschieden die Assistenten den knappen Sachverhalt zugunsten der Deutschen, was die 2:1-Führung bedeutete. Das aus dem gescheiterten Videobeweis folgende Powerplay konnte jedoch nicht genutzt werden. So blieb das Spiel offen. Deutschland hatte mit 10:4 Torschüssen im zweiten Drittel weiterhin ein Chancenplus.
Dieses setzte sich auch im dritten Drittel fort, das Torschussverhältnis endete mit 30:15 für Deutschland. Trotzdem schaffte es Kasachstan den Rückstand noch zu drehen. Erneut hatten sie jedoch Glück mit einer Schiedsrichterentscheidung. Nach einem Beinstellen von Moritz Müller nur 31 Sekunden nach Wiederbeginn wurde zur Überraschung auf einen Penalty entschieden. Eine umstrittene Entscheidung, weil noch ein weiterer Verteidiger hätte eingreifen können. Kapitän Roman Starchenko ließ sich diese Möglichkeit nicht nehmen und tunnelte den deutschen Torhüter Mathias Niederberger zum Ausgleich. Während sich die Kasachen weitgehend auf das Verteidigen konzentrierten, jedoch mit Kontern gefährlich blieben, wollte Deutschland mehr. Für die Entscheidung sorgte jedoch Pavel Akolzin, der in der 56. Minute frei zum Abschluss kam und hoch einschoss.
"Ich denke, wir reden hier über 40 gute Minuten", meinte Verteidiger Moritz Seider. "Wir müssen unser Spiel ein bisschen vereinfachen. Ich denke, wir können ein bisschen mehr nach vorne gehen, oft auch ein bisschen schneller. Wir müssen den Puck bewegen, ihre Verteidigung herausfordern und sie auf Trab halten. Ich denke, wenn wir das im Hinterkopf behalten, sind wir wirklich schwer zu schlagen. Aber zunächst einmal Glückwunsch an unseren Gegner."
Vorausschauend auf die Partie gegen Finnland gab Seider einen Vorgeschmack, was dort zu erwarten sein wird und formulierte eine Kampfansage. "Viele große Jungs, erfahrene Stürmer, eine starke Abwehr", analysierte er. "Ein schnelles Team. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken. Ich denke, wir können selbstbewusst in unsere Fähigkeiten sein. Es wird Spaß machen und wir werden definitiv zurückschlagen und dort den Sieg holen."
Die weiteren Spiele:
Gruppe A
Russland - Dänemark 3:0
Eine lange Zeit offene Partie entschieden die Russen am Ende noch deutlich für sich. Ivan Morozov brachte Russland in der 40. Minute in Führung, die Alexander Barabanov in der 50. Minute und Dimitri Voronkov in der 57. Minute zum Endstand ausbauten. Alexander Samonov feierte mit 18 Saves einen Shutout, während Sebastian Dahm 28 Torschüsse der Russen abwehrte.
Belarus - Großbritannien 3:4
Aufsteiger Großbritannien hat den ersten Sieg bei der Weltmeisterschaft eingefahren. Bis zur 49. Minute hatten die Briten eine 4:1-Führung erspielt, die Belarus bis zum Ende noch einmal bis auf ein Tor Rückstand verkürzen konnten. Liam Kirk war als doppelter Torschütze der Matchwinner von Großbritannien.
Gruppe B
Kanada - Norwegen 4:2
Auch Kanada hat im vierten Spiel den ersten Sieg einfahren können und den Tabellenkeller verlassen. Gegen Norwegen war es jedoch ein hartes Stück Arbeit. Die Kanadier verspielten eine 2:0-Führung nach Treffer von Connor Brown und Adam Henrique. Norwegen glich mit einem Doppelschlag im zweiten Drittel aus, ehe Andrew Mangiapane und erneut Henrique für den kanadischen Sieg sorgten.