KrejciLightning

Am Sonntag geht die zweite Runde der Stanley Cup Playoffs mit den Partien Boston Bruins gegen Tampa Bay Lightning (8:00 p.m. ET; Mo. 2 Uhr MESZ, NHL.tv) und Vancouver Canucks gegen Vegas Golden Knights (10:30 p.m. ET; Mo. 4.30 Uhr MESZ, NHL.tv) weiter. In beiden Serien spielen die Torhüter eine entscheidende Rolle, wobei die Golden Knights ein spezielles internes Problem haben. Die Bruins hoffen, dass David Krejci in Sachen Scoring weiter so aufdreht. Die Canucks sind heiß darauf zu zeigen, dass ihr Erfolg gegen den Titelverteidiger in Runde eins keine Eintagsfliege war.

Fünf Faktoren, die es zu beachten gilt

Halak gegen Vasilevskiy

Tuuka Rask ist bei seiner Familie. Das hat Jaroslav Halak den Posten der Nummer 1 bei den Bruins beschert. Und den Fans ein spannendes Torhüterduell in der Serie der zweiten Playoffrunde der Eastern Conference, wenn Boston und Tampa Bay aufeinandertreffen. Der 35-Jährige aus Bratislava war in den letzten drei Partien der Bruins gegen die Carolina Hurricanes ein sicherer Rückhalt und holte allesamt Siege. Der Slowake, den die Montreal Canadiens 2003 in der neunten Runde an 271. Stelle im Draft gezogen hatten, hat dabei einen Gegentorschnitt von 1,67 und eine Fangquote von 93,2 Prozent erzielt. In Abwesenheit der etatmäßigen Nummer 1 brauchen die Bruins einen Torwart in Höchstform, denn auf der anderen Seite steht eine der besten Angriffsreihen der Liga. Mit einem Sieg in Spiel 1 könnte sich der Slowake außerdem in eine illustre Reihe von Bruins-Goalies einreihen: Nur Gerry Cheevers, Tim Thomas und Eddie Johnston haben im Alter von 35 oder darüber Siegesserien von vier Partien oder mehr hingelegt.

Halak gemeinsam mit Rask zur Jennings Trophy

Die Nummer 1 ist den Lightning nicht abhandengekommen, im Gegenteil. Der Russe Andrei Vasilevskiy hat dem Team aus Florida in der ersten Playoffrunde geholfen, mit den Columbus Blue Jackets auch die Geister der Vergangenheit aus den Playoffs der Saison 18/19 zu besiegen. Sechs Siege und zwei Niederlagen stehen für 26-Jährigen aus Tyumen in dieser Postseason in der Bilanz. Und auch seine Statistiken können sich sehen lassen. Sein Gegentorschnitt beträgt 1,98, seine Fangquote liegt bei 92,7 Prozent. In Sachen Playoff-Erfahrung nehmen sich die beiden ebenfalls nicht viel. Der Russe hat 41, Halak 34 Auftritte in der K.o.-Runde. Und auch Vasilevskiy kann Historisches erreichen: Er braucht noch einen Erfolg, um die meisten Postseason-Siege in der Franchisegeschichte zu ergattern. Bislang teilt er sich die Position an der Spitze mit Nikolai Khabibulin und Ben Bishop.

David Krejci in bestechender Form

Bei den Bruins steht die erste Sturmformation mit Center Patrice Bergeron und den Flügelspielern Brad Marchand und David Pastrnak naturgemäß im Fokus. Die Schlagzeilen in der Serie gegen die Hurricanes schrieb jedoch ein anderer. David Krejci war der entscheidende Mann und hat in den vergangenen sechs Partien der Postseason mindestens einen Scorerpunkt erzielt. Drei Tore und sechs Vorlagen hat er auf seinem Konto. Und das muss für den Tschechen aus Sternberk noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. In einer Phase in der Liga, in der die jeweils ersten Sturmreihen per se stark sind und sich nichts nehmen, kommt es mehr denn je auf die Unterstützung beim Scoring aus den Reihen dahinter an. Krejci, der seine gesamte Karriere bei den Bruins, die ihn 2004 in der zweiten Runde an insgesamt 63. Stelle drafteten, verbrachte, könnte für das Team aus Massachusetts zum entscheidenden Faktor werden. Und mit einem Tor oder Assist könnte er auch einen Teamkollegen einholen. Der letzte Spieler der Bruins, der in einer Postseason eine Serie von sieben Spielen mit einem Scorerpunkt hingelegt hat, war Teamkollege Patrice Bergeron 2014.

Nächste Aufgabe für den Favoritenschreck

Den Titelverteidiger haben die Canucks schon in den Urlaub geschickt. Jetzt wartet auf die Mannschaft von Trainer Travis Green der nächste harte Brocken. Die Golden Knights haben nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs den besten Eindruck aller Teams im Westen hinterlassen und sind als Nummer 1 in der Conference in die Playoffs gegangen. Doch die Canucks haben schon bewiesen, dass sie mit ihrem jugendlichen Elan ein Favoritenschreck sein können. Die letzte im Wettbewerb verbliebene kanadische Mannschaft um den schwedischen Stürmer Elias Pettersson (21) und Verteidiger Quinn Hughes (20) hat durchaus das Zeug, auch die Golden Knights vor eine echte Herausforderung zu stellen.

STL@VAN, Sp3: Pettersson gleicht die Partie aus

Zumal sie sich im Tor auf Jacob Markstrom verlassen können. Der 30 Jahre alte Schwede hat in seinen letzten fünf Spielen immer mindestens 30 Saves auf seinem Konto gehabt. Darunter waren auch 34 Paraden beim entscheidenden 6:2-Erfolg in Spiel 6 gegen die St. Louis Blues. Nur ein Torwart in der Geschichte der Canucks hat mehr Spiele in Serie mit 30 Saves vorzuweisen: Kirk McLean. Er schaffte es 1994 für sechs Partien. Damit brachte er die Canucks damals immerhin ins Stanley Cup Finale. Ein Ziel, das auch für die jungen Wilden des Jahrgangs 2020 nicht unerreichbar scheint.

Quinn Hughes auf Rekordjagd

Es ist schon beeindruckend, was Hughes dieser Tage aufs Eis zaubert. Der 20-Jährige hat in dieser Postseason schon zehn Punkte (ein Tor, neun Vorlagen) auf dem Konto. Damit ist er teamintern auf dem geteilten zweiten Platz der Scorerwertung. Die Leistungen des Kanadiers bekommen noch mal eine neue Qualität, wenn man in Betracht zieht, dass er in seiner ersten NHL-Saison ist. Doch das merkte man ihm in keiner Phase an. Für sein Alter ist er schon erstaunlich abgezockt und ein heißer Anwärter auf die Calder Trophy als bester Rookie. Und bei dem Tempo, das er vorlegt, kann er auch noch einen Rekord brechen: die meisten Punkte eines Rookie-Verteidigers in einer Postseason. Den halten derzeit noch Glen Wesley (Boston Bruins, 1988), Larry Goodenough (Philadelphia Flyers, 1976) und Al MacInnis (Calgary Flames, 1984) mit jeweils 14 Punkten. Bleibt Hughes auf seinem derzeitigen Level - und es gibt keine Anzeichen, dass er nachlässt -, dann knackt er diese Marke locker und kann sogar einen neuen Standard setzen.

VAN@STL, Sp2: Horvat schießt sein Zweites in der OT

Spezielles Torwartproblem in Vegas

Ausgerechnet vor der ersten Begegnung mit den Canucks droht den Golden Knights ein interner Streit. Auslöser: Der Schwede Robin Lehner, zur Trading Deadline von den Chicago Blackhawks in die Wüste Nevadas gekommen, hat bei Trainer Peter DeBoer bislang die besseren Karten. Lehner kam in der Serie der ersten Playoff-Runde gegen sein Ex-Team viermal zum Einsatz (drei Siege, eine Niederlage), sein Konkurrent um den Posten der Nummer 1, Marc-Andre Fleury, lediglich einmal. Ein Bild, das Fleurys Agent Allan Walsh twitterte, sorgt nun für Ärger. Es zeigt Fleury, dem ein Schwert in den Rücken gestoßen wurde. Auf der Klinge ist der Name "DeBoer" zu lesen. Das hilft Vegas, die aufgrund ihrer Leistungen in den Platzierungsspielen und in der ersten Runde als ein heißer Titelfavorit gelten, natürlich nicht. DeBoer selbst wird auch weiterhin an dem Torwart festhalten, von dem er glaubt, dass er dem Team die beste Siegchance gibt. Und da setzt der Trainer offenbar auf Lehner. Klar, dass Fleury als bisheriger Held der Golden Knights mit der Rolle des Ersatzmanns nicht zufrieden sein kann. Auf der anderen Seite: Wenn Lehner schwächeln sollte, wird Fleury motiviert bis in die Haarspitzen sein, um seinem Coach zu zeigen, dass er mit seiner Entscheidung falsch lag.