Vom Leben abseits der Eisfläche, über seine Gedanken zu den Kraken bis zu den Olympischen Spielen: Seattles Torhüter Philipp Grubauer im Exklusivinterview vor der Saison 2021/22. Das Interview wurde bei der NHL/NHLPA Player Media Tour 2021 geführt.
Philipp Grubauer im Interview
Der Torhüter spricht im Exklusivinterview über Seattle, Olympia, Draisaitl und mehr

Philipp Grubauer hat eine beeindruckende Saison hinter sich. In Diensten der Colorado Avalanche entwickelte er sich zu einem der besten Torhüter der NHL, was mit einem Platz im Finale um die Vezina Trophy belohnt wurde. In 40 Spielen kam er auf eine Bilanz von 30-9-1, sein Durchschnitt von 1,95 Gegentoren pro Spiel bedeutete am Ende der regulären Saison den zweiten Platz unter allen Torhütern der Liga. Mit 92,2 Prozent Fangquote lag er auf Rang acht und gemeinsam mit Semyon Varlamov führte er alle Torhüter mit sieben Shutouts an. Nur Andrei Vasilevskiy konnte seine 30 Siege überbieten (31). In den Stanley Cup Playoffs kegelten die Avalanche zunächst die St. Louis Blues mit einem Sweep aus dem Rennen, ehe sie in der zweiten Runde den Vegas Golden Knights mit 2:4 unterlagen. Grubauer stand bei allen zehn Playoff-Spielen im Tor.
Doch nun steht ein neues Kapitel an, denn der 29-jährige Rosenheimer unterschrieb am 28. Juli einen Vertrag bei den Seattle Kraken und wird als erster Torhüter des Expansion-Teams eine Schlüsselrolle einnehmen.
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Wie groß ist die Aufregung, das neue Kapitel in Seattle zu beginnen?
Das Gefühl, das einem in dieser Stadt das Management, die Trainer und die Spieler geben ist unglaublich. Jeder will loslegen, jeder will spielen. Obwohl es für die meisten Jungs mit dem Umzug ein kurzer Sommer war... wollen alle einfach starten. Wir wollen mit dem Training Camp anfangen und in die Gänge kommen, ich bin stolz darauf Teil dieser Organisation zu sein.
Du hast schon mal das Team gewechselt. Wann fängst du an, dich in einer neuen Stadt zu Hause zu fühlen?
Ich würde sagen, sobald man in seine Wohnung oder sein Haus einzieht. Wenn man seine ganzen Sachen ausgepackt hat und weiß, wo in der Stadt bestimmte Sachen sind und man alle seine Mitspieler kennt. Natürlich kennt man sich, weil man gegeneinander gespielt hat, aber wenn man im gleichen Team ist, ist das etwas anderes. Ich würde sagen, man muss seine Sachen in seinem Haus haben und ein Gefühl für die Stadt kriegen, das dauert jetzt vielleicht noch zwei bis drei Wochen.
Was wird deine Zugabe sein, nachdem du ein Finalist für die Vezina Trophy warst?
Ich denke, dass es selbst nach so einer Saison noch viel zu verbessern gibt. Nicht unbedingt wie ich meine Fanghand halte, oder meinen Schläger positioniere. Es geht darum das Spiel zu lesen und sich bestimmter Situationen bewusst zu sein. Man muss einfach einen Schritt schneller und dem Spiel voraus sein. Daran kann man arbeiten. Es gibt immer etwas zu verbessern, aber natürlich will ich da weitermachen, wo ich aufgehört habe und diese Form nach Seattle bringen.
Grubauer war in der Saison 2021 stark
Wenn du dir euer Team anschaust, wie groß ist da der Glaube, dass ihr dieses Jahr für eine Überraschung sorgen könnt?
Wir müssen natürlich erst mal spielen, aber dafür sind wir hier. Wir sind hier, um den Stanley Cup zu gewinnen. Wir sind hier, um es in die Playoffs zu schaffen und zu gewinnen. Und wir wollen den Stanley Cup nach Seattle und zu den Eigentümern des Teams bringen. Sie geben uns was sie können und wir werden alles an die Fans, die Gemeinschaft und die Eigentümer zurückgeben.
Was gibt dir die meiste Zuversicht, dass ihr überraschen könnt?
Ich denke, dass wir jung und schnell sind. Das ist ein Vorteil. Einige Teams haben etwas ältere Spieler. Wir sind schnell und jung. Einige unserer Spieler haben ihren Platz im Kader nicht sicher. Jeder muss seine Leistung bringen, um sich seinen Platz zu verdienen. Wir haben sicherlich Spieler, die sich ihren Platz erarbeiten müssen und das ist gut für uns, weil wir viele solcher Spieler haben. Die Hingabe und Entschlossenheit wird für einige Spieler etwas anders sein, als für Spieler, die seit zehn oder zwölf Jahren im gleichen Team sind.
Wie eng stehst du mit Donskoi in Kontakt?
Letzte Woche habe ich nicht mit ihm gesprochen, weil er und seine Frau gerade ein Baby bekommen haben und ich beschäftigt war mit der Fahrt nach Seattle und der Reise nach Chicago. Davor haben wir in Colorado noch mit den Jungs von den Avalanche trainiert, deshalb haben wir uns fast jeden Tag gesehen.
Hast du mit den Spielern von Colorado noch Kontakt?
Ja. Ich bin erst letzte Woche abgereist. In drei Jahren habe ich viele Freundschaften aufgebaut. Ich versuche auch immer noch mit einigen der Spieler aus meiner Zeit in Washington in Kontakt zu bleiben und schreibe noch mit einigen von ihnen. Ich finde das ist wichtig. Man gewinnt auf seinem Weg viele Freunde.

Wer ist der größere Rivale, Vegas oder Vancouver?
Ich denke Vancouver. Natürlich ist Vegas ein unglaubliches Team. Sie waren in vier Jahren drei Mal im Conference Finale. Sie werden mit ziemlicher Sicherheit der schwierigere Gegner sein. Aber Vancouver wird glaube ich der größere Rivale sein.
Wie viel denkst du schon über Olympia nach?
Das ist auf jeden Fall großartig. Ich bin sehr stolz und hoffe Deutschland bei den Olympischen Spielen vertreten zu können, weil wir damit aufgewachsen sind, die Spiele anzuschauen. Nicht nur das Stanley Cup Finale, oder die NHL, auch Olympia haben wir in Europa immer angeschaut, ob Sommerspiele, oder Winterspiele. Teil davon zu sein wäre also unglaublich.
Wer wird bei den Olympischen Spielen das Siegtor im Spiel um Gold schießen?
Leon Draisaitl.
Was würdest du zu einem Torwart sagen, der versuchen soll, Draisaitl zu stoppen?
(Lacht) Viel Glück. Ich weiß nicht, seine Schüsse sind so platziert und er hat so einen guten Schuss. Ich denke, ein gutes Stellungsspiel ist für den Torhüter am wichtigsten.
Was aus Deutschland würdest du dir wünschen in den USA kriegen zu können?
Vielleicht traditionelles bayrisches Essen. Das ist etwas, das ich gerne hier rüber bringen würde. Natürlich ist Bier in Deutschland eine große Sache. Ich bin kein großer Biertrinker, aber das Bier hier ist ein bisschen anders als in Europa. Also vielleicht ein schönes Schnitzel und ein Hefeweizen.

Dave Gunnarsson hat ein Video deiner neuen Maske gepostet. Was waren einige der Gedanken, die zu dem Design geführt haben?
Ich arbeite schon lange mit Dave. Wir arbeiten auch gerade an einer weiteren Maske. Auf den Seiten ist ein großes Logo mit Ankern drum herum. Sie ist ein bisschen vom Ozean inspiriert. Er leistet großartige Arbeit, auf der Maske sind so viele Details zu sehen. Die Farben sehen unglaublich aus. Wir haben einen schönen roten Streifen für das Auge des Kraken. Ich finde sie sieht großartig aus.
Du sagst, dass eine weiter Maske in Arbeit ist. Kannst du uns etwas darüber verraten?
Auf der Seite wird der Kraken sein, statt Anker und Logo. Das Logo wird natürlich der Kopf des Kraken sein und die Tentakel werden sich um die Maske wickeln.
Mit wem würdest du am liebsten ein neues Team aufbauen: McDavid, Matthews, oder MacKinnon?
MacKinnon.
Wird Alex Ovechkin den Torrekord von Wayne Gretzky brechen?
Das kommt darauf an wie lange er spielen will. Er hat gute Chancen. Er kann Tore schießen, hoffentlich schafft er es. Das wäre unfassbar. Er hat noch einige Jahre vor sich und ich wünsche ihm nur das Beste.
Welchen Spieler willst du am wenigsten vor deinem Tor sehen?
Jeden der keine Torhüterausrüstung trägt. Es gibt nicht den einen Spieler, bei dem ich mir denke: "Ok, ich hasse dich, weil du immer dies und das tust". Es gibt so viele Spieler, die versuchen dich zu behindern, zu stören und abzulenken, oder versuchen dich aus dem Weg zu schieben. Das ist Teil des Spiels.
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Wenn die NHL einen Award nach dir benennen würde, wofür würde man ihn bekommen?
Engagement für die Gemeinschaft und dafür sie zu repräsentieren und ihr etwas zurückzugeben vielleicht.
Gibt es jemandem im Eishockey, bei dem du nervös warst, als du ihn zum ersten Mal getroffen hast?
Ovi. Ovi ist schon lange in der Liga und ich kam als kleiner Junge mit 18, 19 Jahren an. Plötzlich steht Ovi vor mir. Davor habe ich zum ersten Mal Sid (Sidney Crosby) getroffen, er hat mir die Hand gegeben und ich dachte nur: "Wow". Das war ziemlich cool.
Welcher Veteran hatte den größten Einfluss auf deine Karriere?
Da gibt es so viele. Ich würde sagen Brooks Orpik. Er ist jemand, zu dem viele Spieler aufschauen. Olaf Kölzig auch, er war einer der ersten Torwarttrainer, die ich in Washington hatte. Er war schon lange Teil der Organisation und hat jungen Spielern geholfen, die aus der East Coast League und aus dem Nachwuchs kamen und er war ein wichtiger Mentor. Dave Prior, Mitch Korn (ehemalige Torwarttrainer der Capitals), es gibt einfach so viele. Es gibt so viele Mentoren zu denen ich aufschaue und die mir geholfen haben.

















