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In dieser Woche feiert Bundestrainer André Rankel seine Premiere als Verantwortlicher auf der Bank der deutschen Nationalmannschaft. Beim Deutschland Cup in Düsseldorf trifft die DEB-Auswahl auf Österreich, Lettland und die Slowakei. Im Exklusiv-Interview mit NHL.com/de spricht der Coach unter anderem darüber, was er sich von seiner Mannschaft wünscht, weshalb es schwierig ist, mit den deutschen NHL-Spielern zu planen und wie der weitere Weg bis zur Heim-WM 2027 aussieht.

Der Deutschland Cup ist das erste große Turnier in Ihrer Amtszeit als Bundestrainer. Wie fühlt man sich, wenn es jetzt ernst wird?

Ich freue mich darauf. Ich habe die letzten zwei Monate intensiv auf dieses Turnier hingearbeitet, mir viele Spiele angeschaut, mit Spielern geredet und organisatorische Sachen erledigt. Es ist schön, jetzt endlich wieder als Trainer vor einer Mannschaft zu stehen. Deshalb verspüre ich eine unglaubliche Vorfreude.

Sie waren lange Führungsspieler im Verein, später Co-Trainer. Ist der Druck als Cheftrainer jetzt größer als vorher?

Schon, aber ich empfinde das als positiven Druck. Den meisten Druck mache ich mir übrigens selbst. Das war schon immer so, egal ob als Spieler oder als Trainer. Im Fokus steht für mich jedoch etwas anderes. Ich freue mich, mit den Jungs zusammen zu sein und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen Assistenz-Coaches, die sehr gut sind und mir enorm helfen. Das wird bestimmt eine tolle Zeit. Ich stehe gerne in der Verantwortung und mir geht es gut damit, Entscheidungen zu treffen.

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Welches System und welche Spielphilosophie wollen Sie bei der Nationalmannschaft etablieren?

Der Teamgedanke steht absolut im Vordergrund. Wir müssen als Team auftreten und erfolgreich sein. Dem müssen sich alle unterordnen. Wenn jeder seinen Teil beiträgt, können wir als Gruppe den gewünschten Erfolg haben. Anders wird es nicht funktionieren. Das Team ist größer als das eigene Ego. Das zu vermitteln, ist mir wichtig. Denn es ist die Grundvoraussetzung für alles Weitere. Besondere Bedeutung hat für mich außerdem der Dreiklang Glaube, Wille, Leidenschaft. Das sagt sich zwar manchmal so schnell dahin, doch im Endeffekt ist es das Herz der Nationalmannschaft. Wenn wir diese Standards jeden Tag beherzigen, können wir etwas bewegen. Alles andere, wie beispielsweise das Spielsystem, baut darauf auf.

Welchen sportlichen Stellenwert hat der Deutschland Cup. Es fehlen ja einige Spieler der Adler Mannheim, der Eisbären Berlin und der Kölner Haie wegen bevorstehender Partien in der Champions Hockey League. Was darf man realistischer Weise von der DEB-Auswahl erwarten?

Ich habe die Spieler dieser Teams diesmal bewusst rausgelassen, weil ich noch aus meiner aktiven Zeit weiß, wie hoch die Belastung sonst wäre. Es geht ja nicht nur um die Champions League. Viele von ihnen hatten eine lange Saison hinter sich mit Olympia, den Playoffs, dann kam die Weltmeisterschaft und jetzt läuft schon wieder die neue Spielzeit. Da ist es für die betreffenden Spieler gut, dass sie sich in dieser Woche mal ein wenig regenerieren können und den Kopf freikriegen.

Ich teile das Jahr gerne in mehrere Abschnitte ein. Mit dem Deutschland Cup befinden wir uns in der ersten Phase. Das ist für mich die Kennenlernphase, in der ich mehr über meine Spieler erfahren möchte. Da einige Leute fehlen, haben andere die Möglichkeit, sich zu zeigen und zu beweisen, dass sie ins Nationalteam gehören. Ich will von den Leuten wissen, wer sie sind, wie sie ihre Rolle in der DEB-Auswahl definieren und wie sie uns helfen können, als Mannschaft erfolgreich zu sein.

Wie sieht der weitere Fahrplan bis zur Weltmeisterschaft aus?

Im Februar wird es einen U25-Lehrgang geben, bei dem ich gezielt mehrere junge Spieler testen will. Im gleichen Monat werden wir unser Kick-off-WM-Meeting haben, wo wir den großen Kader zusammenholen und besprechen werden, was uns beim Heim-Turnier erwartet. Die eigentliche WM-Vorbereitung beginnt am 12. April und endet am 9. Mai mit dem letzten Test gegen die USA. Danach fängt die Weltmeisterschaft an.

Haben Sie auch eine NHL-Reise geplant, um sich vor Ort einige Partien anzusehen und sich mit deutschen Spielern in Nordamerika über einen möglichen WM-Einsatz auszutauschen?

Ja, diese Reise findet im Dezember statt. Der Plan ist, die meisten von ihnen zu treffen. Am Telefon habe ich schon mit ihnen gesprochen. Aber mir ist der persönliche Kontakt besonders wichtig. Mit den NHL-Spielern zu planen, ist jedoch nicht einfach, weil man nicht weiß, ob sie in den Playoffs vertreten sind oder nicht. Ich freue mich, wenn sie uns bei der WM zur Verfügung stehen. Sollten sie nicht da sein, heißt das, dass sie erfolgreich in den Playoffs unterwegs sind und das wünsche und gönne ich jedem Einzelnen von ihnen natürlich von Herzen.

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Der Auftakt der Heim-WM hat es mit dem Duell gegen die Schweiz auf Schalke gleich mächtig in sich. Die letzten Duelle gegen diesen Kontrahenten liefen ja nicht gerade berauschend. Hätten Sie sich deshalb für das erste Spiel lieber einen anderen Gegner gewünscht?

Nein, ich glaube, diese Begegnung ist genau die richtige. Die Schweizer haben gut gearbeitet in den vergangenen Jahren. Mit dem Weg, den sie eingeschlagen haben, sind sie weit nach vorne gekommen. Deshalb sind sie auch der Favorit im Eröffnungsspiel. Aber darum geht es mir gar nicht. Unser Fokus richtet sich vielmehr auf uns. Wie wollen wir auftreten und uns präsentieren? Das sind die Fragen, die mir durch den Kopf gehen und auf die wir die passende Antwort finden müssen. Ich bin sicher, es wird etwas ganz Besonderes, vor 60.000 Zuschauern auf Schalke zu spielen. Diese Kulisse und diese spezielle Atmosphäre werden uns definitiv einen Boost geben. Jeder Spieler, mit dem ich gesprochen habe, freut sich riesig auf diese Begegnung. Das wird sicherlich ein Highlight.

Was kann man tun, um die entstandene Lücke zur Schweiz wieder zu schließen?

Ich denke, es ist zunächst einmal eine Momentaufnahme. Grundsätzlich sollte es bei uns in Deutschland darum gehen, noch mehr Spieler hervorzubringen und dafür noch mehr Kindern die Möglichkeit geben, Eishockey zu spielen und sie noch besser auszubilden. Das beginnt bei den Trainern und geht weiter bei den Aktiven selbst. Wir müssen auf diesem Gebiet zulegen, um einen größeren Pool zu haben, aus dem wir die Besten auswählen können. Auf diese Weise sollte es perspektivisch möglich sein, mehr Spieler zu bekommen, die es in die DEL und vielleicht sogar in die NHL schaffen. Das alles ist ein langer Weg. Aber es lohnt sich, ihn zu gehen. Und es passiert ja gerade auch viel in dieser Hinsicht, im Verband und bei den Klubs.

Vielen Dank für das Gespräch!

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