Welches System und welche Spielphilosophie wollen Sie bei der Nationalmannschaft etablieren?
Der Teamgedanke steht absolut im Vordergrund. Wir müssen als Team auftreten und erfolgreich sein. Dem müssen sich alle unterordnen. Wenn jeder seinen Teil beiträgt, können wir als Gruppe den gewünschten Erfolg haben. Anders wird es nicht funktionieren. Das Team ist größer als das eigene Ego. Das zu vermitteln, ist mir wichtig. Denn es ist die Grundvoraussetzung für alles Weitere. Besondere Bedeutung hat für mich außerdem der Dreiklang Glaube, Wille, Leidenschaft. Das sagt sich zwar manchmal so schnell dahin, doch im Endeffekt ist es das Herz der Nationalmannschaft. Wenn wir diese Standards jeden Tag beherzigen, können wir etwas bewegen. Alles andere, wie beispielsweise das Spielsystem, baut darauf auf.
Welchen sportlichen Stellenwert hat der Deutschland Cup. Es fehlen ja einige Spieler der Adler Mannheim, der Eisbären Berlin und der Kölner Haie wegen bevorstehender Partien in der Champions Hockey League. Was darf man realistischer Weise von der DEB-Auswahl erwarten?
Ich habe die Spieler dieser Teams diesmal bewusst rausgelassen, weil ich noch aus meiner aktiven Zeit weiß, wie hoch die Belastung sonst wäre. Es geht ja nicht nur um die Champions League. Viele von ihnen hatten eine lange Saison hinter sich mit Olympia, den Playoffs, dann kam die Weltmeisterschaft und jetzt läuft schon wieder die neue Spielzeit. Da ist es für die betreffenden Spieler gut, dass sie sich in dieser Woche mal ein wenig regenerieren können und den Kopf freikriegen.
Ich teile das Jahr gerne in mehrere Abschnitte ein. Mit dem Deutschland Cup befinden wir uns in der ersten Phase. Das ist für mich die Kennenlernphase, in der ich mehr über meine Spieler erfahren möchte. Da einige Leute fehlen, haben andere die Möglichkeit, sich zu zeigen und zu beweisen, dass sie ins Nationalteam gehören. Ich will von den Leuten wissen, wer sie sind, wie sie ihre Rolle in der DEB-Auswahl definieren und wie sie uns helfen können, als Mannschaft erfolgreich zu sein.
Wie sieht der weitere Fahrplan bis zur Weltmeisterschaft aus?
Im Februar wird es einen U25-Lehrgang geben, bei dem ich gezielt mehrere junge Spieler testen will. Im gleichen Monat werden wir unser Kick-off-WM-Meeting haben, wo wir den großen Kader zusammenholen und besprechen werden, was uns beim Heim-Turnier erwartet. Die eigentliche WM-Vorbereitung beginnt am 12. April und endet am 9. Mai mit dem letzten Test gegen die USA. Danach fängt die Weltmeisterschaft an.
Haben Sie auch eine NHL-Reise geplant, um sich vor Ort einige Partien anzusehen und sich mit deutschen Spielern in Nordamerika über einen möglichen WM-Einsatz auszutauschen?
Ja, diese Reise findet im Dezember statt. Der Plan ist, die meisten von ihnen zu treffen. Am Telefon habe ich schon mit ihnen gesprochen. Aber mir ist der persönliche Kontakt besonders wichtig. Mit den NHL-Spielern zu planen, ist jedoch nicht einfach, weil man nicht weiß, ob sie in den Playoffs vertreten sind oder nicht. Ich freue mich, wenn sie uns bei der WM zur Verfügung stehen. Sollten sie nicht da sein, heißt das, dass sie erfolgreich in den Playoffs unterwegs sind und das wünsche und gönne ich jedem Einzelnen von ihnen natürlich von Herzen.