Minnesota Wild v Edmonton Oilers

Dennis Seidenberg hat als Höhepunkt seiner Karriere im Jahr 2011 als zweiter Deutscher den Stanley Cup gewonnen. Der heutige Entwicklungstrainer der New York Islanders wird in einer monatlichen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.

Hier die zweite Ausgabe 26/27:

Der erste Monat der regulären Saison liegt schon wieder hinter uns. Die Tage werden kürzer, zumindest der Helligkeit nach. Das ist etwas, was mir am Winter überhaupt nicht gefällt. Am Wochenende wurde bei uns in den USA auch die Uhr zurückgestellt und es ist plötzlich wieder so früh dunkel.

Aber wir sind ja Fans einer Wintersportart. In der NHL haben Leon Draisaitl und besonders Connor McDavid mit ihrem Saisonstart aufhorchen lassen. 40 Punkte in 16 Spielen ist schon eine Hausnummer und hochgerechnet käme er so über die komplette Saison auf 210 Punkte. Viele spekulieren schon, ob vielleicht der Saisonrekord von Wayne Gretzky mit 215 in Gefahr sein könnte.

EDM@NJD: Draisaitl bekommt den Puck im Powerplay zurück und gleicht aus

Ich habe ihn und Leon am Samstag bei den Islanders live gesehen. Sie haben das Spiel dominiert jedes Mal, wenn sie auf dem Eis standen. Ich glaube, sie hatten in jeder Shift ihre Torchancen. Es ist unglaublich zu sehen, auf was für einem anderen Level sie spielen. Und am Folgetag hat er gegen die New York Rangers gleich im ersten Wechsel ein Solo-Tor gemacht. Er macht diese Saison noch einmal einen hungrigeren Eindruck als bisher.

Mit der Kombination des Spielstils von Trainer Mike Babcock aus einer stabilen Defensive heraus zu agieren, stehen die Edmonton Oilers gut da und das ist schön zu sehen. Sollte McDavid verletzungsfrei bleiben, dann räume ich ihm durchaus Chancen ein, bei über 200 Punkten zu landen.

Der Titelverteidiger Carolina Hurricanes marschiert, obwohl gerade die Champions in der Folgesaison gelegentlich einen mentalen Durchhänger, einen sogenannten Hangover, haben. Doch Trainer Rod Brind’Amour hat seine Mannschaft offenbar gut im Griff und eingestellt. Er zieht an den richtigen Strippen, um das zu verhindern. Sie spielen weiterhin ein sehr offensives und attraktives Eishockey auf hohem Niveau.

Das gleiche gilt für die Boston Bruins. Wieder hat keiner erwartet, dass die Bruins so starten werden. Das zeigt, dass Marco Sturm mit seinem Trainerteam einen super Job macht. Er macht seinen Weg und zeigt, dass er ein sehr guter Trainer ist. Wenn man eine Mannschaft, die am Papier nicht so gut aussieht, zu Erfolgen führt, dann gibt das ein sehr gutes Bild für den Trainer ab. Mit Matt McIlvane hat er einen Co-Trainer an der Seite, den er lange kennt. Das ist sicher auch förderlich.

Zur Unsitte ist es leider geworden, dass Connor Hellebuyck und Dylan Larkin trotz laufendem Vertrag ihren Verpflichtungen nicht mehr nachgekommen sind und einen Wechsel erzwingen wollten bzw. wollen. Das ist keine gute Entwicklung, denn meiner Meinung nach ist man verpflichtet, einen langfristigen Vertrag auch zu erfüllen. Doch wie Marco in einem Interview vor ein paar Tagen gesagt hat, haben die Spieler heute mehr Macht und das nutzen sie aus. Sehr schade, denn für die Teams ist es nicht immer einfach. Schwer zu sagen, ob es damit zusammenhängt, aber die Winnipeg Jets und Detroit Red Wings spielen noch nicht auf dem Niveau, wie sie es sich vorstellen. Nach außen wird zwar vermittelt, dass alles gut sei, doch intern wird schon viel darüber geredet und es sorgt für Unruhe. Ziel der Teams muss es natürlich sein, mit einem Trade möglichst hohe Kompensation zu bekommen, um am Ende besser dazustehen. Ich glaube aber, dass sich das Thema auch wieder beruhigen wird.

NJD@STL: Hellebuyck zeigt 17 Saves in seinem Debüt für die Devils

Ab Ende November gibt es neben dem NHL Saturday und NHL Sunday, wo schon seit ein paar Jahren Spiele zur besten Sendezeit in Europa präsentiert werden, noch den NHL Monday. Die Islanders dürfen dann auch ein paar Mal am Montag mittags spielen und das war schon Thema in der Mannschaft. Man darf auch gespannt sein, wie sich das auf die Zuschauerzahlen vor Ort auswirkt. In der AHL haben sie dann oft Schulklassen eingeladen, um die Arenen zu füllen. Wenn die NHL das als Erfolgsmodell etablieren will, dann ist das für die Fans in Europa eine tolle Geschichte. Ich hoffe, das wird auch entsprechend angenommen und bringt die erwarteten höheren Einschaltquoten.

Bis demnächst! Euer Dennis

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