Beim ersten Start als Torwart in der NHL kein Gegentor bekommen - davon träumt jeder Keeper, der es in die beste Eishockeyliga der Welt schafft. Doch nur wenigen gelingt das.
Erik Kallgren ist das am Dienstag geglückt. Der Schwede hielt beim 4:0-Sieg der Toronto Maple Leafs gegen die Dallas Stars seinen Kasten sauber und war damit nach Garret Sparks (3:0 gegen die Edmonton Oilers am 30. November 2015), Al Rollins (8:0 gegen die Boston Bruins am 25. März 1959) und Benny Grant (3:0 gegen die Detroit Cougars am 9. März 1929) erst der vierte Torwart in der Geschichte der Maple Leafs und der 39. in der Geschichte der NHL, dem das gelang.

DAL@TOR: Kallgren mit Shutout beim ersten NHL-Start

"Es fühlt sich gut an", sagte der Keeper. "Viele Emotionen, aber ich bin wirklich glücklich über den Sieg." Er versuche nur, Spaß zu haben und den Moment zu genießen. Er wisse, dass das ein bisschen nach Klischee klinge, aber genau so sei er an die Partie rangegangen. "Ich habe versucht, es als ein ganz normales Spiel in der Regular Season zu behandeln", meinte Kallgren. Er habe versucht, seine Routinen beizubehalten. Für den jungen Mann aus Stockholm war es der zweite Einsatz in der NHL, aber der erste von Beginn an. Vor ein paar Tagen bei der 4:5-Niederlage nach Verlängerung gegen die Arizona Coyotes kam er nach einer halben Stunde für Petr Mrazek ins Tor (zehn Saves bei elf Schüssen).
Kallgren, der in dieser Saison, bevor er hochgezogen wurde, ausschließlich in der AHL bei den Toronto Marlies zum Einsatz gekommen ist, gab den Gastgebern die nötige Sicherheit, nachdem sie in den sechs Partien zuvor mindestens vier Gegentore geschluckt hatten. Gegen Ende des ersten Drittels war er gegen Radek Faksa und Joel Kiviranta zur Stelle. Im Mittelabschnitt stach ein Save gegen John Klingberg heraus.
Im Anschluss daran hatte er auch Unterstützung vom Torgestänge beim Versuch von Faksa. Und auch in der Schlussphase hielt er seinen Kasten gegen Jamie Benn, Tyler Seguin und erneut Faksa sauber. Am Ende hatte er alle 35 Schüsse, die auf sein Tor gekommen waren, entschärft.
Da half es ihm, dass er Unterstützung von seinen Vorderleuten in Form von Toren bekam. Ohne den gesperrten Topscorer Auston Matthews sprangen andere in die Bresche. Rasmus Sandin zum Beispiel, der mit dem ersten Schuss der Gastgeber auf den Kasten von Jake Oettinger gleich das 1:0 erzielte (8.). Nach einer Kombination über John Tavares und Mitch Marner war der Landsmann von Kallgren auf dem linken Flügel frei und ließ per Rückhand die Fans in der Scotiabank Arena zum ersten Mal jubeln. Für Marner war es die 40. Vorlage in dieser Saison. Damit wurde er zum ersten Spieler in der Geschichte der Maple Leafs, der seine Karriere mit sechs Spielzeiten mit jeweils mindestens 40 Assists beginnt.

DAL@TOR: Sandin trifft als Erstes mit Rückhand

Das 2:0 ging dann auf das Konto von Tavares selbst. Es war ein Tor, das der Routinier mit einem gewonnenen Bully selbst einleitete. Danach zog er vors Tor der Stars und fälschte den Schuss von William Nylander entscheidend ab (12.). Es war das 20. Saisontor des Kanadiers, der diese Marke damit zum zwölften Mal in 13 NHL-Saisons erreichte.
Nach einem torlosen zweiten Drittel beruhigte Ondrej Kase im Schlussabschnitt die Nerven der Fans der Gastgeber mit seinem Überzahltreffer weiter (41.). Der Tscheche traf damit im zweiten Spiel in Folge. Auch gegen die Buffalo Sabres hatte er sich in die Torschützenliste eingetragen. Das 4:0 durch Ilya Mikheyev knapp 90 Sekunden vor dem Ende ins verwaiste Tor der Stars war der Schlusspunkt des Spiels.
"Wir hatten ein sehr gutes Unterzahlspiel und haben die Stars im dritten Drittel nicht groß zur Entfaltung kommen lassen", befand Kallgren, der als Idol Henrik Lundqvist, den früheren schwedischen Torhüter der New York Rangers, nennt. Die Jungs vor ihm hätten gute Arbeit erledigt.
"Ich denke, wir haben ein bisschen härter gespielt. Wir haben uns auf unser Defensivspiel konzentriert und haben darauf aufgebaut", meinte Sandin. Es seien viele Dinge in diesem Spiel gewesen, die das Team in jeder Partie machen müsste. Es sei noch nicht alles perfekt gewesen.
"Aber unterm Strich haben wir kein Tor kassiert, das haben wir gebraucht", ging das Lob an den Landsmann im Tor. "Erik hat total ruhig gewirkt. Ich bin sehr glücklich für ihn."
Auch der Coach der Gastgeber war mit der Leistung seiner Truppe zufrieden: "Wir haben am Anfang geduldig gespielt. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir den ersten Schuss bekommen haben", meinte Keefe. Man habe den Jungs gesagt, dass man mit sehr viel Ruhe in dieses Spiel gehen müsse, sowohl beim Verteidigen als auch im Angriff. "Dallas lässt nicht viel zu. Man muss sich seine Chancen erarbeiten, Wechsel für Wechsel, Sturmreihe für Sturmreihe. Die Jungs haben sehr intelligent und beherrscht gespielt."
Da die Torwartposition in Toronto naturgemäß mehr Beachtung findet als bei irgendeiner anderen Franchise in der NHL, kam für Kallgren natürlich die Frage, ob er jetzt den Job zwischen den Pfosten bei den Maple Leafs übernommen habe. Doch auch das parierte der Schwede souverän: "Ich weiß nicht, ich bin doch erst vor ein paar Tagen hochgezogen worden. Ich versuche das jetzt zu genießen und nicht zu viel nachzudenken."