Die Bronze-Medaille bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck zählt zu den größten Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft. Selbige Medaille gewann die DEB-Auswahl im Jahre 1932. Überboten wurde der Erfolg später lediglich im Jahre 2018 von dem sensationellen 2. Platz bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang.
Dass Deutschland 1976 über eine starke Mannschaft verfügte, deutete sich bereits in der Ausscheidungsrunde an. Mit einem überragenden 5:1 wurde die Schweiz regelrecht deklassiert. In der Finalrunde setzte sich der Erfolgslauf im ersten Spiel gegen Polen fort. Mit fünf Toren im ersten Drittel wurde der letztendliche 7:4-Triumph eingeleitet.
Doch die Aufgaben wurden schwieriger: Im zweiten Spiel der Finalrunde wartete Finnland. Die Partie war bis zum Schlussdrittel ausgeglichen, als Wolfgang Köberle ein entscheidender Fehler unterlief. Beim Zwischenstand von 2:3 rammte er frustriert seinen Schläger in den Rücken eines Gegenspielers. Die Folgen waren eine Zeitstrafe und ein daraus resultierender Gegentreffer in Unterzahl. Danach fand Deutschland nicht mehr zurück in die Partie und verlor mit 3:5.
"Da bin ich der absolute Buhmann gewesen", erinnert sich Köberle im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. "Letztendlich hat mich der Xaver (Unsinn, damaliger Nationaltrainer, Anm.d.Red) dafür verantwortlich gemacht. Auch in der Öffentlichkeit hat er mich an die Wand genagelt. Das werde ich nie vergessen." Der damalige Nationalspieler Franz Reindl, der seit dem Jahre 2014 der Präsident des Deutschen Eishockey Bundes ist, fügt hinzu: "Von der Mannschaft bekam Walter keine Vorwürfe. Dass Xaver das gemacht hat, war eine seiner unberechenbaren Aktionen."
Folge uns auf [Facebook und Twitter für exklusiven Inhalt und NHL-Neuigkeiten!]
Noch schwieriger war das Spiel gegen die Sowjetunion, die damals das Nonplusultra im internationalen Eishockey war. Dass die Niederlage mit 3:7 verhältnismäßig knapp verlorenging, war praktisch als Erfolg zu bewerten. Zumal die übrigen Partien im Sinne der deutschen Nationalmannschaft endeten. Die USA bezwang Finnland mit 5:4, Polen gewann gegen die Tschechoslowakei mit 1:0. Plötzlich bestand wieder eine realistische Chance auf eine Medaille. "Vom Prügelknaben zur Bronze-Chance", titelte eine Zeitung.
"Das Ergebnis war für uns eine neue Motivation und eine neue Chance, das zu erreichen, wovon wir eigentlich gar nicht geträumt hatten", berichtet Kühnhackl. Die 4:7-Niederlage im darauffolgenden Spiel gegen die Tschechoslowakei war abzusehen und ohne schwere Folgen. Erwartungsgemäß unterlag Finnland parallel dazu der Sowjetunion. Die USA bezwang Polen.
Das bedeutete: Im letzten Spiel gegen die USA ging es für beide Mannschaften um die Bronze-Medaille. Im Fernduell mit Polen durfte auch Finnland noch auf Platz 3 hoffen. Deutschland hatte aufgrund des schlechten Torverhältnisses eine schwierige Ausgangssituation. Der damalige Nationalspieler Alois Schloder erzählt: "Wir sind so in das Spiel gegangen, dass wir vier Tore Unterschied brauchen."
Das erste Drittel blieb torlos. Doch das Selbstvertrauen war ungebrochen. "Der Glaube an sich selbst war deutlich zu spüren", erinnert sich Reindl. "Es brauchte halt nur einen, der das Tor schießt. Man hatte das Gefühl: Wenn einer jetzt das Tor macht, dann geht's." Genau dies gelang Kühnhackl nach 30 Minuten Spielzeit. Rainer Philipp erhöhte im Schlussdrittel auf 2:0, ehe der Anschlusstreffer der USA fiel.
Deutschland blieb unbeeindruckt. "Kämpfen können wir immer", war laut Reindl das damalige Motto. Tatsächlich gelang es Deutschland, den Vorsprung wieder auf 4:1 auszubauen. Ein Tor fehlte allerdings noch. So dachten jedenfalls die Akteure auf dem Eis.
Dementsprechend überrascht bzw. wütend waren sie, als der Trainer in der Schlussphase nicht den Torwart zugunsten eines zusätzlichen Stürmers vom Eis nahm. Als das Spiel endete, schlichen sie vom Eis und saßen voller Enttäuschung in der Kabine.
Erst dort erfuhren sie, dass sie doch Bronze gewonnen hatten. Der Grund: Bei einem identischen Punkte- und Torverhältnis aus den direkten Duellen galt nicht, wer mehr Tore geschossen hat. Entscheidend war der Torquotient. Dies war allerdings unter den Spielern kaum bekannt. "Bis dahin wusste keiner, was das ist", erinnert sich Köberle. Die Berechnung: Die geschossenen Tore werden durch die Gegentore geteilt. Dieser Wert sprach für Deutschland und gegen Finnland. Die USA hatte aufgrund der Niederlage ohnehin ein schlechteres Torverhältnis.
Die Bundesrepublik Deutschland landete somit nach der Sowjetunion und der Tschechoslowakei auf Platz 3. "Wenn man auf dem Treppchen neben zwei Nationen steht, die diese Sportart prägen, dann war das schon einzigartig", blickt Kühnhackl zurück.
Und wo befindet sich seine Medaille heute? "Früher war sie in meinem Büro, aber irgendwann kamen meine Enkel zu mir und sagten: Opa, das geht so nicht, die braucht einen Ehrenplatz, die muss ins Wohnzimmer. Ich schaue sie auch gerne an" verrät der 71-Jährige. "Da ist sie jetzt mit ein paar anderen speziellen Erinnerungen. Etwa eine Figur von meinem Sohn Tom, wie er den Stanley Cup in die Höhe hält."