Ovi holt Richard Trophy mit 48 Toren

In der Stanley Cup Qualifikationsrunde greifen 24 Mannschaften ins Geschehen ein. NHL.com/de hat ihre Stärken analysiert und den X-Factor der einzelnen Teams herausgepickt. In dieser Ausgabe: Die große Erfahrung der Washington Capitals.

Die Washington Capitals (41-20-8) zählen in diesem Jahr einmal mehr zum Favoritenkreis auf den Stanley Cup. Der Top-Anwärter auf den Titel sind sie jedoch nicht. Zu anfällig präsentierte sich das Team unmittelbar vor der Unterbrechung des Spielbetriebs in der NHL. Dennoch sollte man die Mannschaft um Kapitän Alex Ovechkin wegen ihrer großen Erfahrung nie vorzeitig abschreiben.

Von den letzten zehn Spielen vor der Pause gewann Washington gerade einmal vier. Das war nicht unbedingt die Ausbeute, die man von einem Titelfavoriten erwarten durfte. Hinzu kam: Die Phase der Ernüchterung zog sich schon deutlich länger hin als nur in den Begegnungen zum Schluss.

An den Weihnachtstagen grüßten die Capitals stolz von der Tabellenspitze der NHL (26-6-5). In den ersten Monaten des neuen Kalenderjahres büßte die Mannschaft dann mehr und mehr von ihrer herausragenden Form und Dominanz ein und bot häufig nur Durchschnittskost. 15-14-3 lautete die Bilanz nach Weihnachten.

Trotz allem gibt es Grund für Optimismus in Washington, wenn die Pause zu Ende geht. Das liegt nicht nur an der Tatsache, dass sich die Capitals trotz durchwachsener Auftritte am Ende der regulären Saison einen weiteren Divisionstitel (90 Punkte in der Metropolitan) sicherten und ihre Ausbeute damit auf zehn Titel in 13 Jahren steigerten. Sie verfügen auf allen Positionen über einen extrem ausgebufften Kader, der sich von Leistungstiefs nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen lässt, wie das mitunter in den vergangenen Jahren der Fall war. Zumal es ohnehin darauf ankommt, in den entscheidenden Momenten da zu sein und nicht nur in der Hauptrunde.

Wenn eine Mannschaft so routinierte Akteure wie Alex Ovechkin (34 Jahre), T.J. Oshie (33), Nicklas Backstrom (32), Braden Holtby (30), John Carlson (30) oder Evgeny Kuznetsov (28) in ihrem Lineup hat, muss sie keinen Gegner fürchten. Die sechs Akteure holten 2018 mit den Capitals den Titel und standen in ihrer NHL Karriere zusammengerechnet in 600 Playoff-Spielen auf dem Eis. Zu Trade Deadline im Februar sicherte sich Washington zudem die Dienste von Ilya Kovalchuk (37), der ebenfalls mit allen Wassern gewaschen ist und in der Vorrunde und den folgenden Playoffs zu einem entscheidenden Faktor werden könnte.

WSH@BUF: Ovechkin trickst und trifft

Den Routiniers dürfte die Pause vor der Stanley Cup Qualifikationsrunde durchaus in die Karten gespielt haben. Dadurch hatten sie die Gelegenheit, die schwächeren Auftritte seit Jahresbeginn aus den Köpfen zu bekommen und neue Kräfte zu sammeln. Das gilt vor allem für Torhüter Holtby, der die schwächste Saison seit zehn Jahren spielte und dem sein Backup Ilya Samsonov zunehmend den Posten als Nummer 1 streitig macht.

Ein weiterer Vorteil für die Capitals ist, dass der ganz große Druck weg ist, seit sie vor zwei Jahren erstmals in der Franchise-Geschichte den Stanley Cup holten. Über Jahre hinweg galt Washington als eine Mannschaft, die zwar stets das Potenzial zum Titelgewinn hatte, es in den entscheidenden Phasen aber nicht abrufen konnte und insbesondere in den Playoffs immer wieder hinter den Erwartungen zurückblieb.

Vor zwei Jahren besiegten Ovechkin und seine Teamkollegen diesen Fluch und zeigten eindrucksvoll, dass sie auch glänzen können, wenn es wichtig ist und der Druck am größten ist. Sie marschierten unaufhaltsam durch die Playoffs und bezwangen die Vegas Golden Knights im Stanley Cup Finale nach fünf Duellen mit 4:1. Schon seinerzeit spielten die Capitals mit ihrer Erfahrung, ihrer Ruhe und Cleverness ihre größten Trümpfe aus.

PIT@WSH: Oshie verwertet den eigenen Rebound

Warum sollte das nicht auch in diesem Sommer möglich sein, wenn die Mannschaft mit frischen Kräften und einem überwiegend gesunden Kader den Kampf um den Stanley Cup aufnimmt? Zumal ein Großteil der Spieler, die 2018 die Meisterschaft gewann, nach wie vor zur Verfügung steht. Jetzt muss Trainer Todd Reirden nur noch die Erfolgsformel wiederfinden, die das Team in den ersten Monaten der Saison 2019/20 beflügelte und an die Spitze der NHL-Tabelle beförderte.