MeierPanel

Eine Ausnahmesaison neigt sich dem Ende zu: Covid-bedingt verkürzt, mit verschobenen Spielen, fehlenden Publikumsmassen in den Stadien. Am kommenden Samstag beginnt mit dem Spiel Washington Capitals gegen Boston Bruins (7:15 p.m ET, NHL.tv, So. 1.15 Uhr MESZ) der Wettkampf um den Stanley Cup. 16 Mannschaften haben sich für die Stanley Cup Erste Runde qualifiziert. Für 15 Teams heißt es jedoch gleichzeitig Endstation Saisonende. Nach der Analyse der Frage, warum es nicht gereicht hat, kommt der wichtigste Teil: Abhaken und auf die Saison 2021/22 vorbereiten.

Chicago Blackhawks (24-25-7)
In den letzten drei Spielen der Saison konnte die viertjüngste Mannschaft der NHL (Altersdurchschnitt: 25,34 Jahre) ihre Statistik noch etwas aufpolieren (24-25-7). Doch der Neuaufbau der Blackhawks dauert noch an. Neben sehr erfahrenen Spielern, wie Duncan Keith (1.192 NHL-Einsätze), Patrick Kane (1.029) und Jonathan Toews (943; diese Saison nicht im Einsatz), befinden sich mehrfache Stanley Cup Sieger im Kader. Und auf der anderen Seite Spieler, wie Pius Suter und Philipp Kurashev, die erst noch vielversprechende Entwicklungen vor sich haben. Beide Schweizer kamen auf 55 bzw. 54 Einsätze für Chicago und konnten ansehnlich punkten. Suter befindet sich mit 27 Punkten unter den sechs besten Rookies der Liga.

DAL@CHI: Suter bezwingt Oettinger aus dem Handgelenk

Es ist den Blackhawks gelungen, motivierte Führungsspieler neben den bekannten Größen zu etablieren, Alex DeBrincat (56 Punkte) beispielsweise. Wenn Chicago den Prozess des Neuaufbaus gut weiterbetreiben kann, möglicherweise dem Kader noch mehr Tiefe zu geben, dann wird es in der nächsten Saison nicht bereits schon vor den Playoffs enden.
Columbus Blue Jackets (18-26-12)
Spätestens nach dem Abgang von Nick Foligno vor der NHL Trade Deadline im April zu den Toronto Maple Leafs war das vorzeitige Ende für alle Fans der Columbus Blue Jackets erkennbar. Die zu Saisonbeginn nach Columbus verpflichteten Max Domi und Patrik Laine kamen noch nicht richtig an. Laine konnte mit 24 Punkten aus 46 Spielen nicht annähernd an seine Leistung aus der Saison 2019/20 (63 Punkte für Winnipeg Jets) anknüpfen. Und auch Domi (ebenfalls 24 Punkte) brachte nicht die Initialzündung als Spielmacher. Der Däne Oliver Bjorkstrad absolvierte alle 56 Spiele und schloss mit 44 Punkten als Punktbester die Spielzeit ab.
Die wesentliche Konsequenz aus einer verkorksten Saison (18-26-12): Nach sechs Jahren trennten sich die Blue Jackets von Trainer John Tortorella. Der gebürtig aus Boston stammende Tortorella war seit der Saison 2015/16 Trainer und macht jetzt Platz für einen Neustart. Auch für den Schweizer Dean Kukan (5 Punkte bei 35 Einsätzen) bleibt zu hoffen, dass es in 2021/22 besser läuft.
Dallas Stars (23-19-14)
Noch im vergangenen Jahr erreichten die Dallas Stars das Stanley Cup Finale. Auch wenn sie sich in der Serie gegen die Tampa Bay Lightning mit 2:4 geschlagen geben mussten, erhoffte sich die Mannschaft mehr. Die Reihe um Stürmer Joe Pavelski (25 Tore, 51 Punkte) überzeugte mit konstanten Leistungen. Dallas schaffte es besonders in den letzten Begegnungen nicht entsprechend zu punkten und damit an den Nashville Predators vorbeizuziehen, um sich den entscheidenden Platz vier in der Discover Central Division zu sichern. Nach der Niederlage gegen die Blackhawks am vergangenen Montag beenden die Texaner die Saison mit 23-19-14.

DAL@CHI: Robertson trifft im Nachschuss zum Sieg

Der Ausfall von Torhüter Ben Bishop (Knieverletzung) konnte gut abgefangen werden. In seiner ersten NHL-Saison überzeugte Jake Oettinger mit einer Fangquote von 91,1 % bei 29 Einsätzen. Die Goalies sind vertraglich für nächste Saison und länger gesichert (Bishop und Anton Khudobin bis 2023, Oettinger bis 2022), so dass die Stars in der kommenden Saison darauf aufbauen können.
Detroit Red Wings (19-27-10)
Die letzte Teilnahme der Detroit Red Wings an den Playoffs liegt bereits einige Jahre zurück. 2015/16 scheiterten sie in der ersten Runde in fünf Spielen an den Tampa Bay Lightning (1:4). Auch in diesem Jahr reicht es nicht. Torhüter Thomas Greiss hat gerade in den letzten Begegnungen starke Leistungen gezeigt, brauchte aber etwas Anlaufzeit. Verletzungspech sorgte dafür, dass Dylan Larkin lediglich auf 44 absolvierte Partien kam und 23 Punkte sammelte. Kein Spieler schaffte mehr als 26 Scorer-Punkte. So bleibt es am Verteidiger Filip Hronek der beste Spieler im Kader zu sein, aber eben nur auf Rang 181 der Liga.

TBL@DET: Greiss verbucht Shutout gegen Lightning

Was den Red Wings fehlt ist klar: effektivere Stürmer. Ausreichend Spielraum im NHL Salary Cap wäre vorhanden, um bis zur nächsten Saison aktiv sein zu können. Zudem strömen weitere Talente zum Beispiel in Person von Verteidiger Moritz Seider nach Detroit. General Manager Steve Yzerman hat sich zudem weitere vielversprechende Draft Picks gesichert.
Anaheim Ducks (17-30-9)
Die Anaheim Ducks erreichten nur den letzten Platz in der Honda West Division. Sie verpassen damit erneut den Einzug in die Playoffs. Auffallend bei den Ducks war in der Saison die Chancenverwertung. Sie haben nicht nur die wenigsten Tore in der Liga erzielt, sondern auch Überzahlsituationen nicht ausgenutzt.
Max Comtois entwickelte sich im Vergleich gut weiter, führt am Ende der Saison mit 16 Toren (33 Punkten) die mannschaftsinterne Bestenliste an. Die übrigen Leistungsträger jedoch kamen - auch verletzungsbedingt - nicht in Fahrt. Kevin Shattenkirk steht nun aufgrund einer Knieverletzung ein Genesungsprozess bevor, der Vertrag von Ryan Getzlaf wurde bisher noch nicht verlängert. Insgesamt müssen die Ducks in der nächsten Saison mit konstanten Leistungen überzeugen. Das Team muss weiter zusammenwachsen, um gerade im Sturm mehr Chancen zu kreieren.
Arizona Coyotes (24-26-6)
Der für die Bill Masterton Trophy nominierte Phil Kessel (20 Tore, 43 Punkte) verbesserte sich wesentlich in dieser Saison. Er scheint seine Führungsrolle bei den Arizona Coyotes angenommen zu haben. Auch wenn in diesem Jahr der Einzug in die erste Runde der Playoffs nicht geglückt ist, sind Entwicklungen von Spielern wie Jakob Chychrun (41 Punkte) positiv zu bewerten.
Die Coyotes haben sich vom Hype um Taylor Hall gelöst. Um jedoch konstant mitspielen zu können, brauchen sie mehr und konstante Leistungsträger, aber auch eine intensivere Nachwuchsbildung. Die Rookies in der Mannschaft müssen mehr gefordert werden. Auswärts muss Arizona in der kommenden Saison mehr punkten.
Los Angeles Kings (21-26-7)
Zum dritten Mal in Folge geht es für die Los Angeles Kings in die vorzeitige Sommerpause. Ihre Saison endet am Donnerstag. In ihren ersten beiden Sturmreihen weist die Mannschaft eine konstante Qualität auf, zeigt aber immer wieder, wie bei der jüngsten 0:6-Niederlage gegen die Colorado Avalanche defensive Schwächen auf, an denen vor der nächsten Saison gearbeitet werden sollte. Marco Sturm befindet sich laut eigenen Aussagen in vielversprechenden Gesprächen, seine Zusammenarbeit bei den Kings als Co-Trainer fortzusetzen. Es erwartet ihn und Chef Todd McLellan viel Arbeit, die Mannschaft in die Spur zu kriegen und mit dem Management vielleicht die passenden Neuzugänge zu finden.

Why kings missed playoffs

San Jose Sharks (21-27-7)
Die San Jose Sharks kündigten in der Saison einen Neuaufbau an. Nach dem erreichten Stanley Cup Finale 2016 - hier unterlagen die Sharks in der Serie 2:4 den Pittsburgh Penguins - konnte die Mannschaft nicht mehr an die Leistung anknüpfen. Auch sie verpassen die Playoffs, zum zweiten Mal in Folge und beenden die Saison mit einer 0:6-Heimniederlage gegen die Vegas Golden Knights.
Positiv für die Sharks scheint, dass Evander Kane das Leistungstief vom Beginn der Saison überwunden hat und in 55 Spielen 22 Tore (49 Punkte) gesammelt hat, und Erik Karlsson (8 Tore, 22 Punkte) ohne größere Verletzungen durch die Spielzeit gekommen ist. Auch in 2021/22 wird eine große Herausforderung in San Jose darin bestehen, die relativ geringen Möglichkeiten aus dem noch verbliebenen NHL Salary Cap einzusetzen. Die Sharks sind hier stark eingeschränkt und haben darüber hinaus das Torhüterproblem nicht ganz überwunden. Martin Jones weist eine nur durchschnittliche Fangquote von 89,6 % auf.
Für den Schweizer Timo Meier ist zuversichtlich seine Leistungen zu verbessern und hakt die Saison mit 12 Toren (31 Punkten) aus 53 Begegnungen ab. Der deutsche Lean Bergmann möchte zukünftig eine größere Rolle spielen als zuletzt (nur 1 Saisoneinsatz).

ARI@SJS: Meier zieht vor das Tor und trifft

Buffalo Sabres (15-34-7)
Mit Taylor Hall, der erst zu Saisonbeginn von den Coyotes kam und während der Saison zu den Boston Bruins wechselte, gelang nicht der erhoffte Durchbruch für die Buffalo Sabres. Die letzte Teilnahme an den Playoffs gelang den Sabres in der Saison 2010/2011, also vor zehn Jahren. Mit insgesamt 37 Punkten schließen sie als Schlusslicht der Liga ab, weit unter den Erwartungen zu Beginn. Sicher problematisch für die Sabres waren die verletzungsbedingten Ausfälle u.a. von Jake McCabe und Jack Eichel. Ihnen fehlten dadurch nicht nur Führungsspieler, sondern auch Leistungsträger beim Sammeln von Punkten. Trainer Ralph Krueger musste seinen Hut nehmen, danach dauerte es eine Zeit lang, bis die Sabres wenigstens ein paar Punkte mehr sammelten.
Tobias Rieder kam in seiner ersten Saison für die Sabres auf 44 Einsätze. Mit sieben Scorer-Punkten ergibt sich für die nächste Spielzeit auch für ihn mehr Luft nach oben. Ob es in Buffalo mit einer Vertragsverlängerung für ihn weitergeht, wird sich zeigen.
New Jersey Devils (19-30-7)
Der geringste Erfahrungswert, gemessen an der Anzahl absolvierter NHL-Spiele, ist aktuell bei den New Jersey Devils zu finden. Zwar bietet das Aufgebot mit Spielern wie P.K. Subban (5 Tore, 19 Punkte) einige Veteranen an, doch ansonsten hat selbst der Kapitän gerade einmal die Erfahrung aus 230 NHL-Begegnungen vorzuweisen. Die Devils setzen hier auf Nico Hischier, der in der Saison verletzungsbedingt lediglich 21 Spiele seinem Erfahrungskonto hinzufügen konnte. Mit Verteidiger Jonas Siegenthaler bekam Hischier kürzlich Unterstützung aus der Schweiz. Sie könnten das Gerüst für zukünftige Erfolge bilden.
Das vom Durchschnittsalter (24,68 Jahre) jüngste NHL-Team muss bei Heimspielen an sich arbeiten. Es erzielte 65 Tore, kassierte 96 Gegentreffer.
New York Rangers (27-23-6)
Die New York Rangers sind unter den zehn Mannschaften mit den meisten erzielten Toren. Problem nur: sie kassieren zu viele Gegentore. Mit insgesamt 565 Strafminuten waren die Rangers undiszipliniert.

NYR@BOS: Lafreniere bringt die Rangers in Führung

Auch wenn am 17. März beim fulminanten 9:0-Erfolg zu Hause im Madison Square Garden gegen die Philadelphia Flyers noch die Zuversicht bei Artemi Panarin (17 Tore, 58 Punkte), Mika Zibanejad (24 Tore, 50 Punkte) sicher auch bei Rookie Alexis Lafrenière (12 Tore, 21 Punkte) über die Playoff-Teilnahme zu spüren war, müssen die Rangers sich mit elf Punkten Rückstand auf Platz 4 der MassMutual East Division vorzeitig verabschieden.
Den großen Paukenschlag in New York gab es am 5. Mai, als Rangers Präsident John Davidson und General Manager Jeff Gorton ihre Posten räumen mussten. Es folgte am 12. Mai die Entlassung des Trainerstabs rund um Chef David Quinn, mit Ausnahme des Torwarttrainers Benoit Allaire. Die Herausforderung der nächsten Monate ergibt sich für die Rangers dadurch von selbst.
Philadelphia Flyers (25-23-8)
Die Saison eines der Geheimfavoriten endet auf Platz 6 der MassMutual East Division. In 2021/22 sollten die Flyers ihr Unterzahlspiel (73,1 % überstandene Unterzahl, zweitschlechtester Wert der Liga) deutlich verbessern und versuchen gleich ab dem ersten Drittel Leistung zu bringen. Denn auch hier weisen sie Schwächen auf und schossen die meisten ihrer Treffer im dritten Drittel (41-50-64).
Bis zum Start der nächsten Saison muss sich die Mannschaft weiter festigen, konstantere Leistungen vom Anpfiff an bringen. Philadelphia hat sich auch durch die Trades von Michael Raffl und Erik Gustafsson Draft-Picks gesichert. Das Management muss diese Möglichkeiten gut einsetzen um den Kader weiter zu festigen.
Calgary Flames (23-26-3)
Mit 49 Punkten und damit als Fünfter der Scotia North Division gehen die Calgary Flames in die vorzeitige Spielpause. Der Trainerwechsel zu Darryl Sutter brachte nicht die Wende. Spannend für die Flames wird die Entscheidung um Milan Lucic im Rahmen des anstehenden Expansion Drafts sein. Um andere Spieler zu schützen, verzichtet der Stürmer auf die Non-Trade-Klausel in seinem Vertrag. Ob er in Calgary verbleibt oder womöglich nach Seattle wechselt, wird sich zeigen. In jedem Fall ist es dadurch einfacher Spieler wie Johnny Gaudreau und Elias Lindholm zu halten.
Durch Trades hat sich Calgary zusätzliche Draft Picks in 2021 und 2022 gesichert, beispielsweise einen Second-Round Pick im Zusammenhang mit dem Wechsel von Sam Bennett zu den Florida Panthers und einen Third-Round Pick 2022 für den Torhüter David Rittich. Beim richtigen Einsatz der Möglichkeiten geht es für die Flames in der nächsten Spielzeit auf jeden Fall erfolgreicher weiter.
Ottawa Senators (23-28-5)
Mit dem Spiel gegen die Toronto Maple Leafs ging am 12. Mai zu Hause im Canadian Tire Centre auch für die Ottawa Senators die Saison zu Ende. Sie verabschiedeten sich mit einem 4:3-Sieg n. V. gegen die Toronto Maple Leafs. Trotz eines vor Jahren eingeleiteten Neuaufbaus verpassen die Senators zum vierten Mal in Folge die Playoffs. Mit 115 Gegentreffern und 75 Toren, damit der schlechtesten Auswärtsquote, ist auch klar, woran bis zur nächsten Saison gearbeitet werden muss.
Zufrieden kann Tim Stützle mit seiner Leistung in seiner ersten NHL-Saison sein. Von Problemen am Handgelenk geplagt, schließt er mit 12 Toren und 29 Scorer-Punkten ab. Und damit besser als der an Nummer eins gedraftete Lafrenière (NYR, 12 Tore, 21 Punkte).
Vancouver Canucks (21-27-3)
Talent Quinn Hughes beendet die NHL-Saison zwar schon vor den Playoffs, mit 36 Scorer-Punkten (3 Toren) hat er sich jedoch als guter Teamplayer und Vorlagenbereiter herauskristallisiert. Auf Spieler wie ihn müssen die Canucks zukünftig aufbauen. Für seinen deutsche Teamkollegen Marc Michaelis lief der Beginn der NHL-Karriere hingegen weniger erfolgreich. Der Mannheimer wurde lediglich bei 11 Spielen eingesetzt.
In der Sommerpause gilt es für das Management der Canucks Verträge zu verlängern. Insgesamt 15 Spielerverträge sind am Auslaufen. Mit den behaltenen Draft Picks für 2021 und den zusätzlich von den Blackhawks und Winnipeg Jets akquirierten, stehen einige Möglichkeiten offen.