Deutschland und die Schweiz trafen sich am Dienstag in Helsinki zum Duell um den Gruppensieg in der Gruppe A. Eine packende Partie musste im Shootout entschieden werden. Den entscheidenden Penaltyschuss zum 4:3 n. P. versenkte Nico Hischier direkt als erster Schütze. Die Nati schloss damit ungeschlagen als Erster ab und trifft im Viertelfinale am Donnerstag auf die Slowakei. Deutschland sicherte erstmal überhaupt bei diesem WM-Format Platz zwei und tritt in der Runde der letzten Acht gegen Tschechien an.
Shootout-Krimi zwischen Deutschland und der Schweiz
Hischier erzielt den Siegtreffer im Penaltyschießen, Nati jetzt gegen Slowakei, DEB-Team gegen Tschechien

© Martin Meissner/AP
Deutschland - Schweiz 3:4 n.P.
Bundestrainer Toni Söderholm brachte NHL-Torwart Philipp Grubauer (Seattle Kraken) und Stürmer Matthias Plachta anstelle von Dustin Strahlmeier und Dominik Bittner. Mit Verteidiger Moritz Seider (Detroit Red Wings) hatte Deutschland noch einen zweiten NHLer im Kader.
Der Schweizer Coach Patrick Fischer veränderte seine Aufstellung dreifach: Leonardo Genoni (Backup), Christian Marti (Verteidigung) und Tristan Schwerwey (Sturm) erhielten den Vorzug vor Sandro Aeschlimann, Andrea Glauser und Calvin Thürkauf. Außerdem standen mit Dean Kukan (Columbus Blue Jackets), JJ Moser (Arizona Coyotes), Jonas Siegenthaler, Nico Hischier (beide New Jersey Devils), Philipp Kurashev (Chicago Blackhawks), Timo Meier (San Jose Sharks) und Pius Suter (Detroit Red Wings) gleich sieben NHL-Exporte im Aufgebot.
Die für ihr blitzschnelles Umschaltspiel gefürchtete Nati war genau damit schon nach 97 Sekunden erfolgreich: Enzo Corvi legte am rechten Flügel für Andres Ambühl ab, der mit einem Schlagschuss in den rechten Winkel das 1:0 erzielte (2.).
Danach aber stellten sich die Deutschen auf diese Schweizer Spezialität ein, verhinderten schnelle Breakouts der Eidgenossen mit zwei Forecheckern und arbeiteten sich körperlich mit vielen Checks immer besser in dieses Spiel.
Als Team Germany dann erstmals das bislang so erfolgreiche Powerplay aufs Eis schicken durfte, klingelte es bereits nach vier Sekunden: Lukas Reichel (Rockford IceHogs, Farmteam der Chicago Blackhawks) gewann das Faceoff in der Offensivzone, Verteidiger Kai Wissmann hatte Platz und donnerte einen Schlagschuss zum 1:1 in den linken Knick (12.).
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Deutschland wurde immer besser, zeigte sich seit dem Ausgleich spielbestimmend, erkämpfte sich gute Chancen und ging leistungsgerecht in Führung: Einen Schuss von Seider fälschte Stefan Loibl mit der Bein-Innenseite zum 2:1 ab (16.).
Im zweiten Drittel präsentierte sich die Schweiz deutlich verbessert und erwischte erneut einen starken Start: 86 Sekunden nach Wiederbeginn traf Suter zum 2:2 (22.).
Auch in der Folge demonstrierte die Nati immer wieder Tempo und Spielstärke und hatte längere Druckphasen im Offensivdrittel, bei denen Grubauer mit tollen Saves glänzen konnte. Die Deutschen entlasteten hin und wieder mit Konterangriffen, die durchaus Gefahr heraufbeschworen.
Kurz vor der zweiten Pause drehten die Schweizer das Spiel im Powerplay: Erst traf Meier den rechten Pfosten (38.), dann wurde Denis Malgin im linken Faceoff-Kreis gesucht und feuerte eine Schlagschuss-Direktabnahme zum 3:2 ins rechte Kreuzeck (39.).
Im dritten Drittel hielt Deutschland vom Puck-Drop weg gut dagegen. Derweil wurde die Partie immer physischer und emotionaler. Es ging durchaus rasant hin und her.
Eine unwiderstehliche Einzelaktion von Matthias Plachta brachte den Ausgleich: Der Flügelstürmer tanzte bei seinem Solo zwischen zwei Schweizer Verteidiger hindurch und traf im Fallen mit der Rückhand zum 3:3 - ein Traumtor (48.)!
Das Spiel der beiden Nachbarländer und Rivalen blieb also weiterhin hochspannend, zumal sich auf die Drangphasen abwechselten. Die besseren Chancen hatte allerdings die Nati, die jedoch immer wieder an Glanzparaden von DEB-Torwart Grubauer scheiterte. Es ging in die Verlängerung. Damit war klar, dass die Schweiz ungeschlagen als Erster und Deutschland erstmals überhaupt als Zweiter der Gruppe A abschließt. Beide Nationen treten in den Viertelfinals damit weiterhin in Helsinki an.
In der Overtime kamen beide Teams zu guten Möglichkeiten, die beste aber hatte Deutschlands Yasin Ehliz, der frei vor Reto Berra mit einem Rückhand-Tunnel-Versuch scheiterte (63.).
Somit musste eine Entscheidung im Penaltyschießen herbeigeführt werden. Hier hielt Berra alle Versuche der Deutschen. Für die Schweiz verwandelte Hischier direkt als erster Schütze, nachdem er gekonnt verzögert hatte. Als zweiter Spieler war auch noch Damien Riat erfolgreich, der erst antäuschte und dann in den rechten Winkel traf.
Weitere Spiele am Dienstag:
Gruppe A
Slowakei - Dänemark 7:1
Die Slowakei setzte sich am Nachmittag in Helsinki mit 7:1 gegen Dänemark durch, überholte die Dänen damit in der Tabelle und verdrängte sie von den Viertelfinal-Plätzen. Ein Doppelpack von Tomas Tatar (New Jersey Devils, 11., 20.) brachte die Slowaken auf die Siegerstraße. Pavel Regenda (22., im Powerplay), Mislav Rosandic (33.) und das Draft-berechtigte Top-Talent Juraj Slafkovsky (39.) bauten diese auf 5:0 aus. Erst im Schlussdrittel gelang den Dänen der Ehrentreffer durch Joachim Blichfeld (San Jose Sharks, 48.). Kurz vor Schluss traf mit Simon Nemec das nächste Draft-berechtigte Top-Talent für die Slowakei (59.). Pavol Regenda schraubte den Endstand gar noch auf 7:1-Endstand (60.). Damit ging die Eishockey-Karriere von Dänemarks langjährigen NHLer Frans Nielsen (38, 925 NHL-Spiele für die New York Islanders und Detroit Red Wings, 167-306-473) mit einem Aus in der WM-Vorrunde zu Ende. Zuvor hatte Nielsen mit den Eisbären Berlin noch die DEL-Meisterschaft gewonnen.
Kanada - Frankreich 7:1
Kanada besiegte Frankreich in Helsinki mit 7:1 und belegt damit den dritten Platz. Sie treffen nun im Viertelfinale am Donnerstag auf Schweden. Der Sieg war eine willkommene Erleichterung für die Goldmedaillengewinner des letzten Jahres. Nachdem sie ihre ersten vier Spiele gewonnen hatten, mussten sie gegen die Schweiz und Dänemark überraschende Niederlage hinnehmen. Kanadas Angriff wurde von Drake Batherson angeführt, der vier Assists beisteuerte. Pierre-Luc Dubois erzielte zwei Tore und einen Assist, und Dylan Cozens steuerte ein Tor und zwei Vorlagen bei.
Gruppe B
Schweden - Lettland 1:0
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In der Gruppe B in Tampere gewann Schweden mit 1:0 gegen Lettland. Dabei kam es zum Duell zweier NHL-Goalies: Schwede Linus Ullmark (Boston Bruins) gegen den Letten Arturs Silovs (Vancouver Canucks). Bei beiden Torhütern stand lange die Null, dann aber schlugen die Tre Kronor im Powerplay zu: William Nylander (Toronto Maple Leafs) schoss die Skandinavier in Führung (35.). Es sollte das einzige Tor in diesem Vergleich bleiben. Lettland verpasste damit die Qualifikation für das Viertelfinale.
USA - Norwegen 4:2
Die USA hat sich in Tampere mit einem 4:2-Sieg gegen Norwegen für das Viertelfinale qualifiziert. Ryan Hartman (Minnesota Wild, 4.) und Matt Boldy (Minnesota Wild, 8.) brachten die Vereinigten Staaten mit 2:0 in Führung. Danach ging es hin und her: Norwegen traf durch Andreas Martinsen (23.), dann jubelten wieder US-Boys durch Ben Meyers (Colorado Avalanche, 29.) und schließlich brachte Daniel Rokseth die Norweger wieder auf 2:3 heran (42.). Bis kurz vor Schluss blieb die Partie offen, erst in der Schlussminute sorgte Sean Farrell mit einem Empty Netter für die Entscheidung (60.).
Finnland - Tschechien 3:0
Finnland hat mit einem 3:0-Sieg gegen Tschechien in Tampere eine beeindruckende Vorrunde in der Gruppe B abgeschlossen. Der Sieg vom Dienstag sichert der Mannschaft von Jukka Jalonen den ersten Platz und damit das Viertelfinale gegen die Slowakei am Donnerstag. Joel Armia und Sakari Manninen brachten das Spiel im ersten Drittel in Schwung, bevor Toni Rajala den Vorsprung im zweiten Drittel ausbaute. Auf der anderen Seite sorgte Jussi Olkinuora für den vierten finnischen Shutout in sieben Spielen. Es ist nun 198 Minuten und 27 Sekunden her, dass die Finnen zuletzt einen Gegentreffer kassiert hatten. Olkinuora wurde zum finnischen Spieler des Spiels gewählt und vom Publikum in Tampere mit viel Beifall bedacht. Der 31-Jährige begann seine Karriere als Junior bei Tappara, wo er in der Saison 2005/06 für die U16-Auswahl spielte.
Die Viertelfinalpaarungen am Donnerstag:
Deutschland (2A) - Tschechien (3B), 15.20 Uhr MESZ in Helsinki
Schweden (2B) - Kanada (3A), 15.20 Uhr MESZ in Tampere
Schweiz (1A) - USA (4B), 19.20 Uhr MESZ in Helsinki
Finnland (1B) - Slowakei (4A), 19.20 Uhr MESZ in Tampere

















