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Deutschland hat bei der IIHF Weltmeisterschaft 2022 in Finnland den fünften Sieg in Serie eingefahren. Am Sonntagnachmittag in Helsinki gelang ein 5:4-Sieg gegen Kasachstan. Wohlgemerkt ohne den verletzten Tim Stutzle, für den die WM nun auch offiziell beendet ist. Am Abend setzte sich die Schweiz nach großem Kampf mit 5:2 gegen Frankreich durch und verdrängte die Deutschen wieder von der Tabellenspitze der Gruppe A.

Kasachstan - Deutschland 4:5
Deutschland gab vor dem Spiel gegen Kasachstan bekannt, dass die WM für Nummer-1-Center Tim Stutzle beendet ist. Der Center hatte sich gegen Frankreich am Knie verletzt, nun wurde in Absprache mit den Ottawa Senators die Entscheidung getroffen, dass Stützle abreist. NHL-Torwart Philipp Grubauer (Seattle Kraken) erhielt erneut eine Pause, dafür absolvierte Dustin Strahlmeier seinen ersten WM-Start. Zudem kehrte Leo Pföderl für Matthias Plachta in die Aufstellung zurück. Der einzige NHL-Vertreter in der DEB-Auswahl war daher Verteidiger Moritz Seider, der erneut dominant auftrat (0-2-2).
Kasachstan erwies sich als spielfreudig und effektiv in der Offensivzone, zeigte sich dafür aber anfällig in der Defensive. Das DEB-Team schaffte durch schnelle Angriffe oder Konter immer wieder Überzahlsituationen und baute mit aggressivem Forechecking viel Druck auf.
Zunächst aber gingen die Kasachen in Führung: Roman Starchenko tunnelte Strahlmeier zum 1:0 (4.). Die Deutschen reagierten mit wütenden Angriffen und erspielten sich zahlreiche Chancen. Eine davon verwertete Verteidiger Jonas Müller mit einem verdeckten Distanzschuss zum 1:1 (5.).
Wenig später ging Kasachstan ein weiteres Mal in Front, denn im Gewühl vor dem Tor bändigte Yegor Petukhov den springenden Puck und jagte ihn unten links in die Maschen (16.) Erneut antwortete Deutschland rasch: Nur 24 Sekunden später traf Leo Pföderl aus rechter Position ins linke Eck (17.). Im Anschluss war Daniel Fischbuch mit einem Abstauber erfolgreich und sorgte so für einen 3:2-Vorsprung zur ersten Pause (19.).
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Deutschland erwies sich auch im zweiten Drittel als spielerisch überlegen, hatte immer wieder längere Drangphasen und erarbeitete sich ein klares Chancenplus. Im 5-gegen-3-Powerplay schlug Lukas Reichel (Rockford IceHogs, Farmteam der Chicago Blackhawks) zu und tunnelte den kasachischen Torwart Andrei Shutov mit einem abgefälschten Schlagschuss zum 4:2 (26.).
Im weiteren Verlauf scheiterte Marc Michaelis (Toronto Marlies, Farmteam der Toronto Maple Leafs) mit einem Alleingang an Shutov (31.) und Leon Gawanke (Manitoba Moose, Farmteam der Winnipeg Jets) im Powerplay am linken Pfosten (35.). Diese mangelnde Chancenverwertung sollte sich 31 Sekunden vor der Pausensirene rächen: Pavel Akolzin profitierte von einem Wechselfehler der Deutschen, ließ Strahlmeier ins Leere laufen und erzielte den 3:4-Anschlusstreffer (40.).
38 Sekunden nach Wiederbeginn glichen die Kasachen sogar aus: Nikita Mikhailis erwischte die Deutschen auf dem falschen Fuß - 4:4 (41.). Doch erneut zeigte die DEB-Mannschaft Comeback-Qualitäten. Yasin Ehliz wurde zunächst mit einem Schuss aus dem High-Slot geblockt, setzte aber nach und traf im zweiten Anlauf zum 5:4 (48.).
Die Partie blieb bis zum Ende spannend, weil es die Deutschen nicht schafften, ihre hochkarätigen Möglichkeiten in Tore umzumünzen. Hin und wieder setzte auch Kasachstan mal einen Nadelstich.
Zwei Minuten vor Schluss nahmen die Kasachen Shutov für einen Extra-Angreifer vom Eis und gingen voll ins Risiko. Ehliz hatte den Empty Netter auf dem Schläger, setzte den Puck aber an den linken Pfosten (59.). Somit musste Deutschland bis zum Ende zittern, verteidigte aber den fünften Dreier in Folge und kann noch Gruppensieger in der Gruppe A werden.
Großbritannien - Lettland 3:4
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Großbritannien hat eine Überraschung gegen Lettland verpasst und trotz einer 2:0- und 3:1-Führung am Ende mit 3:4 verloren. Brett Perlini, der ältere Bruder von NHL-Stürmer Brendan Perlini von den Edmonton Oilers, traf für die Briten im Powerplay zum 1:0 (6.). Cade Neilson baute den Vorsprung auf 2:0 aus (13.). Oskars Batna brachte Lettland auf 1:2 heran (25.), doch Lewis Hook stellte den alten Abstand wieder her (27.). Im Powerplay besorgte Janis Jaks den lettischen Anschluss (35.). Im Schlussdrittel drehten die Balten schließlich die Partie mit zwei Treffern im Powerplay: Rihards Bukarts (52.) und Andris Dzerins (54.) machten aus einem 2:3 ein 4:3. Damit kann Lettland im Abstiegskampf in der Gruppe B aufatmen.
Schweiz - Frankreich 5:2
Am Abend tat sich die Schweiz lange schwer gegen Frankreich, setzte sich am Ende aber doch mit 5:2 durch und sprang zurück an die Spitze der Gruppe A.
Für die Schweizer liefen mit Kapitän Nico Hischier, Jonas Siegenthaler (beide New Jersey Devils), Dean Kukan (Columbus Blue Jackets), Philipp Kurashev (Chicago Blackhawks), Timo Meier (San Jose Sharks), J.J. Moser (Arizona Coyotes) und Pius Suter (Detroit Red Wings) gleich sieben NHL-Spieler auf. Bei den Franzosen war es mit Alexandre Texier lediglich einer.
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Lange Zeit fanden die Eidgenossen nicht zu ihrem rasanten Eishockey, denn die Franzosen hielten mit hartem Körperspiel dagegen, riegelten die eigene blaue Linie konsequent ab und hatten mit Sebastian Ylönen einen starken Torwart zwischen den Pfosten. Zudem spielten Frankreich zwei frühe Treffer in die Karten: Texier (5.) und Valentin Claireaux (14.) brachten den Außenseiter mit 2:0 in Führung.
Direkt nach Beginn des zweiten Drittels aber kam auch die Schweiz auf die Anzeigetafel: Nach nur 25 Sekunden verkürzte Hischier auf 1:2 (21.). Im weiteren Verlauf spielte sich die Nati zahlreiche Chancen heraus und machte den Gegner langsam aber sicher müde, was zu mehreren Strafen gegen Frankreich führte. AHL-Verteidiger Tobias Geiser (Hershey Bears, Farmteam der Washington Capitals) glich zum 2:2 aus (33.). Routinier Andres Ambühl schlug im Powerplay zu (36.) und sorgte so für eine 3:2-Führung zur zweiten Pause.
Im dritten Drittel zog die Schweiz Einbahnstraßen-Eishockey auf und drückte Frankreich über weite Phasen tief in deren Zone. Kukan stellte leistungsgerecht auf 4:2 (52.). 22 Sekunden vor dem Ende setzte Hischier mit einem Empty-Net-Goal den Schlusspunkt (60.).
Damit gewann die Schweiz bislang alle sechs Gruppenspiele bei der WM 2022 und grüßt weiter von Platz 1 in der Gruppe A.
Schweden - Norwegen 7:1
In einem Nord-Duell in der Gruppe B standen sich Tampere die Nachbarn Schweden und Norwegen gegenüber. Die Tre Kronor matchen es dabei deutlich und setzten sich mit 7:1 durch. Jacob Peterson (Dallas Stars, 12., im Powerplay), William Nylander (Toronto Maple Leafs, 28., im Powerplay), erneut Peterson (29.), Rasmus Asplund (Buffalo Sabres, 32.) und Lucas Wallmark (38., im Powerplay) erzielten fünf unbeantwortete Tore für Schweden. Im dritten Drittel gelang den Norwegern der Ehrentreffer durch Tobias Fladeby (41.), doch auch die Schweden ließen nicht locker und bauten ihren Vorsprung aus: Max Friedberg (44.) und Rasmus Asplund (60., im Powerplay) schraubten das Endergebnis auf 7:1.