draisaitl 6-13

Erneut lieferten die Edmonton Oilers ein gutes Spiel ab. Erneut waren sie über weite Strecken die aktivere Mannschaft. Erneut aber gingen sie aufgrund von schwacher Chancenverwertung als Verlierer vom Eis. Durch das 3:4 in Spiel des Stanley Cup Finals 2024 gegen die Florida Panthers liegen die Oilers in der Best-of-7-Serie mit 0-3 zurück und dürfen sich keine weitere Niederlage mehr erlauben. Der Glaube in Edmonton ist aber nach wie vor groß.

Durchschlagskraft als Dauerthema

Mit 35 Torschüssen stellten die Oilers den bisherigen Bestwert in den Stanley Cup Finals 2024 auf. Gleiches gilt auch für die Anzahl der geschossenen Tore: Waren in den ersten beiden Partien nur ein Tor gelungen, gab es nun drei Treffer in Spiel 3. Und trotzdem muss Edmonton vor allem an der Chancenverwertung arbeiten.

„Wir feuern viele Schüsse ab, kriegen den Puck aber nicht über die Torlinie. Wir machen einfach nicht genug Druck“, sagte der deutsche Mittelstürmer Leon Draisaitl nach dem Spiel. 

Die Oilers gaben insgesamt 63 Schüsse ab, 35-mal entschärfte Floridas Torwart Sergei Bobrovksy, elfmal blockte ein Panthers-Spieler (Bestwert: Aaron Ekblad, drei Blocks), 17-mal zielten Edmontons Spieler am Tor vorbei. Zurück bleibt ein ernüchterndes Gefühl.

FLA@EDM SCF, Sp3: Bobrovsky hält die Führung im 3. fest

„Wir hatten viele Chancen, haben viele Spieler und Schüsse zum Tor gebracht“, so Kapitän Connor McDavid.

Das dritte Drittel macht Hoffnung

Was Hoffnung macht, ist die Effektivität im dritten Drittel, als jeder dritte Torschuss von Erfolg gekrönt war (zwei Tore auf sechs Schüsse). Mit Verteidiger Philip Broberg (zweiter Playoff-Treffer) und Stürmer Ryan McLeod (zweiter Playoff-Treffer) trafen zwei Spieler, die zuvor nicht als Torjäger in Erscheinung getreten waren. Das schürt Hoffnung auf mehr Secondary Scoring.

„Es hat auch immer etwas mit Glück zu tun“, so Trainer Kris Knoblauch. „In zwei von drei Spielen waren wir mindestens auf Augenhöhe, wenn nicht sogar besser. In den Spielen 1 und 3 waren wir eigentlich gut genug, um mehr Tore zu schießen. Abschluss hat viel mit Selbstvertrauen zu tun. Hoffentlich gibt uns das dritte Drittel mehr Vertrauen in uns. Du brauchst Verkehr und Spieler vor dem Tor. Wir haben diese Hingabe heute gezeigt und müssen das fortsetzen.“

Die Top-Spieler Connor McDavid (fünf Torschüsse), Leon Draisaitl (drei Schüsse), Zach Hyman (drei Schüsse) oder Evan Bouchard (sechs Schüsse) waren engagiert, jedoch auch glücklos im Abschluss. Dieses Quartett ist im Stanley Cup Final noch ohne einen einzigen Torerfolg.

„Sie spielen gut, sie haben gute Spielzüge, aber der Puck will einfach nicht für sie reingehen“, hadert Knoblauch. „Für diese Jungs ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie treffen.“

Eigene Fehler kosten den ersten Sieg

Dass Edmonton das erste Stanley-Cup-Finals-Heimspiel seit 2006 trotz dreier Tore nicht gewinnen konnte, lag auch an eigenen Fehlern und einer gnadenlos effektiven Mannschaft aus Florida.

„Es hat unser Momentum geraubt“, musste Knoblauch eingestehen. 

Die Panthers-Treffer resultierten nach gegnerischem Forechecking (1:0), nach einem Torwart-Ausflug (2:1), nach einem Verteidiger-Fehlpass (3:1) und einem schlechten Stellungsspiel nach einem Konter (4:1).

„Das ist sehr frustrierend“, befand auch Draisaitl. „Ich finde, dass wir uns heute selbst in den Fuß geschossen und ein paar individuelle und kollektive Fehler gemacht haben, die sie sofort ausnutzen konnten.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt   

Sowohl in Spiel 1 als auch in Spiel 3 dürfen die Oilers als bessere Mannschaft bezeichnet werden, gingen aber leer aus und stehen nun mit dem Rücken zur Wand.

„Ich bin sehr dankbar jetzt hier sein und diese Fragen beantworten zu dürfen“, sagte Torwart Stuart Skinner. „Wir spielen noch Eishockey im Juni, was toll ist. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, denn wir liegen auch mit 0-3 zurück. Wir müssen die Realität wirken lassen. Ich bin mir nicht sicher, wie die Chancen stehen, noch ein Comeback zu schaffen, aber wenn es irgendjemand schaffen kann, dann die Oilers.“

 Teams, die in einer Best-of-7-Serie im Stanley Cup Finale mit 0-3 in Rückstand liegen, haben statistisch gesehen nur noch eine 3,6-prozentige Chance auf den Titel. Dieses Kunststück gab es überhaupt erst einmal in der Geschichte der Stanley Cup Playoffs (1942: Toronto Maple Leafs vs. Detroit Red Wings 4-3; Bilanz: 1-27).

„Wir sind frustriert, weil wir hinten liegen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Frustration und Aufgabe“, betont Knoblauch. „Unser Glaube ist groß. Wir haben viele Siegesserien in dieser Saison starten können. Es gibt keinen Zweifel in unserer Kabine.“

Für Spiel 4 am Samstagabend (8 p.m. EDT; Sonntag, 2 Uhr MESZ; live auf Sky Sport, MySports, NHL.tv) im Rogers Place in Edmonton müssen die Oilers also dringend zwei Baustellen schließen, um nicht gesweept zu werden: Weniger Fehler in der Defensive sowie mehr Effektivität in der Offensive. Die Statistik spricht in diesem Fall für die Oilers: Seit 1998 (Detroit Red Wings vs. Washington Capitals 4-0) gab es keinen Sweep in einem Stanley Cup Finale mehr.