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Am 11. Februar beginnt das Eishockeyturnier bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026. Die Schweiz trifft in der Vorrunde in der Gruppe A auf Frankreich, Kanada und Tschechien. Folgende drei Fragen sind für die „Nati“ von besonderer Bedeutung.

1. In welcher Verfassung befindet sich die Topreihe?

Nominell verfügt die Schweiz mit Linksaußen Kevin Fiala (Los Angeles Kings), Center Nico Hischier und Rechtsaußen Timo Meier (beide New Jersey Devils) über eine vielversprechende Topreihe. Dennoch gibt es Unwägbarkeiten, was dieses Trio betrifft.

Hischier hatte jüngst mit einer Krankheit zu kämpfen, die ihn laut Klubangaben fünf Kilo Gewicht kostete. Es bleibt deshalb abzuwarten, in welcher körperlichen Verfassung er nach der Ankunft in Mailand aus dem Flieger steigt und ob die eine Woche bis zum Auftaktmatch am 12. Februar gegen Frankreich für ihn ausreicht, um wieder in Vollbesitz der Kräfte zu gelangen. Immerhin machte Hischier beim letzten Auftritt der Devils vor der Abreise zu Olympia als Torschütze von sich reden.

NYI@NJD: Hischier und Bratt im Zusammenspiel

Sein Teamkollege Meier steckt seit längerer Zeit in einem Formtief. Vom erfolgreichen Scoring der vergangenen Spielzeiten ist er derzeit meilenweit entfernt. Nach 52 Einsätzen in der laufenden Saison stehen für New Jerseys Power Forward gerade einmal 28 Punkte (14 Tore, 14 Assist) zu Buche. Dass diese unbefriedigende Ausbeute am Selbstvertrauen nagt, versteht sich von selbst. Hinzu kommt, dass auch die Devils ihren eigenen Ansprüchen gewaltig hinterherhinken. Nach aktuellem Stand würden sie die Stanley Cup Playoffs klar verpassen. Zuletzt setzte es fünf Niederlagen in sechs Begegnungen. Rückenwind für Olympia sieht anders aus.

Die Kings tun sich im Playoff-Rennen ebenfalls schwerer als erwartet und wären Stand heute wie die Devils nicht in der Postseason vertreten. Fiala reist mit der Hypothek von vier Niederlagen aus den letzten fünf Spielen zur „Nati“. Drei Assists gelangen dem Flügelstürmer in diesem Zeitraum. Alles in allem 40 Punkte (18 Tore, 22 Assists) hat er nach 56 Vorstellungen auf dem Konto. Mit einem Schnitt von 0,7 Zählern bewegt er sich auf dem Niveau der Vorsaison, die er mit 60 Punkten aus 81 Spielen abschloss. Allerdings hat er das Zeug zu mehr, wie er die drei Jahre davor mit jeweils mehr als 70 Punkten unter Beweis stellte.

Nationaltrainer Patrick Fischer wird aus den genannten Gründen bei den drei Topangreifern zunächst als Seelenmasseur gefragt sein. Doch vielleicht sorgen die Luftveränderung und der olympische Spirit von selbst für den nötigen Energieschub bei Hischier, Meier und Fiala.

2. Welcher Torwart macht das Rennen?

Ein Luxusproblem hat der Schweizer Coach bei der Besetzung des Torhüterpostens. Alle drei Goalies im Kader befinden sich in guter Verfassung und hätten sich den Startplatz unisono verdient. Und jeder hat ein gewichtiges Argument, das für ihn spricht.

Bei Reto Berra (Fribourg-Gottéron) sind es die besten Statistiken aller drei in den für einen Torwart relevanten Bereichen. Nach 33 Spielen in der National League (32 Starts) hat er einen Gegentorschnitt von 1,98 und eine Fangquote von 92,1 Prozent vorzuweisen. Darüber hinaus feierte er fünf Shutouts. Leonardo Genoni (EV Zug) lief 34-mal auf (33 Starts). Sein Gegentorschnitt beträgt 2,38 und die Save-Quote liegt bei 91,5 Prozent. Er hielt seinen Kasten viermal sauber. Akira Schmid (Vegas Golden Knights) stand 29-mal zwischen den Pfosten (25 Starts) und hatte einen Gegentorschnitt von 2,53, eine Fangquote von 89,5 Prozent und zwei Zu-Null-Spiele zu verzeichnen.

VAN@VGK: Schmid rettet gegen Joseph mit einem Hechtsprung

Der Pluspunkt von Genoni ist dessen Zuverlässigkeit bei großen internationalen Turnieren. Bei Weltmeisterschaften und Olympia war er oft der große Rückhalt der Schweiz. Schmid wiederum kann für sich in Anspruch nehmen, täglich gegen die Spieler aus der besten Liga der Welt gefordert zu sein und die Stärken und Schwächen der bei Olympia vertretenen NHL-Akteure aus den gegnerischen Teams genau zu kennen.

Man darf gespannt sein, was für Trainer Fischer am meisten zählt oder ob er vielleicht eine salomonische Lösung bevorzugt und allen drei Schlussmännern eine Einsatzchance gibt.

3. Reicht die Kadertiefe für eine Medaille?

Der große Traum der Schweiz ist es, nach 1928 und 1948 (jeweils Bronze) die dritte Medaille bei Olympischen Spielen zu holen. Der Kader der Schweiz verfügt über jede Menge NHL-Erfahrung. Das ist ohne Zweifel ein enormer Pluspunkt. Im Grunde ist Fischer in der Lage, bis auf ein, zwei Ausnahmen ein komplettes Team mit aktuellen und ehemaligen NHL-Spielern aufs Eis zu schicken. Doch die Konkurrenten im Kampf um Edelmetall sind nicht minder gut bestückt. So muss sich erst noch zeigen, ob die Kadertiefe der Schweiz ausreicht, um mindestens zwei der fünf heißen Medaillenfavoriten Kanada, USA, Schweden, Finnland und Tschechien auszustechen.

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