Schon im Vorfeld des Spiels der Edmonton Oilers gegen die New York Rangers am Freitag war klar, dass die Chancen auf ein Spektakel für die Zuschauer gutstanden. Dass Edmontons Superstars Leon Draisaitl und Connor McDavid die Torschützenliste der NHL für die Oilers anführten, die zuletzt drei Spiele in Folge gewonnen hatten und an der Spitze der Pacific Division lagen, war wenig überraschend. Dass die Rangers, der jüngste Gegner im Rogers Place vor dem Aufeinandertreffen die Führung in der Metropolitan Division mit vier Punkten Rückstand auf die Carolina Hurricanes in Sichtweite haben würden, war schon unerwarteter. Beide Teams waren also mit viel Selbstvertrauen in das Duell gegangen, was man der Begegnung auch über die volle Distanz anmerken konnte.

Was beide Mannschaften auf dem Eis im Rogers Place in Edmonton ablieferten, kann im Rückblick nur als Eishockeyspektakel der Spitzenklasse tituliert werden. Dass ausgerechnet Draisaitl den entscheidenden Treffer zum 6:5-Sieg Edmontons in der Verlängerung erzielte, krönte einen Abend, an den sich die Fans beider Lager im schnelllebigen Alltag der Liga noch eine ganze Weile erinnern werden.
"Ich denke, wir haben im dritten Drittel einen großartigen Job gemacht und uns zurück ins Spiel gebracht", erinnerte sich McDavid hinterher. "Ich fand es nicht gut, dass wir ihnen nach dem Ausgleich die Führung zurückgeschenkt haben. Das Publikum war wirklich bei der Sache und es war ein aufregender Abend. Ich denke, es ist am Ende einfach alles eskaliert."
Man hätte sich im Rückblick wohl auch kein besseres Spiel wünschen können, um mit den Fans in der Arena zu feiern, dass Kevin Lowes legendäre Nummer 4 zu den Oilers-Größen hinzugefügt wird, deren Rückennummern von der Organisation zukünftig nicht mehr an einen anderen Spieler vergeben wird. Vor der Begegnung war in einer extra dafür anberaumten Zeremonie das entsprechende Banner mit der '4' unter das Hallendach gezogen worden, wie es in der NHL für besonders verdiente Spieler der Vergangenheit seit jeher Tradition ist.
Es folgten knapp 65 Minuten voller Action. Der Teamkapitän der Oilers, McDavid, erzielte dabei erst rund drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit den 5:5-Ausgleich, bevor Draisaitl in der Verlängerung mit seinem zehnten Saisontreffer den Sieg der Oilers gegen die Rangers offiziell machte. Ein irres Spektakel fand damit aus Sicht der Gastgeber das erhoffte Ende.

NYR@EDM: Draisaitl trifft durch die Beine zum Sieg

Die Oilers der Saison 2021/22 bestehen jedoch aus deutlich mehr, als ihren beiden Top-Stars im Angriff, wie sie gegen New York einmal mehr unter Beweis stellten. Jesse Puljujarvi erzielte an diesem Abend zwei Tore. Tyson Barrie gelang ein Tor und ein Assist, so dass Edmonton letztendlich noch mit dem vierten Sieg in Folge die Saison-Bilanz auf 9-1-0 verbessern konnte.
Danach sah es lange Zeit nicht aus. Die Rangers schlugen bereits in den ersten zwei Minuten der Begegnung zu. Verteidiger Nils Lundkvist ließ einen Schuss von der Mittellinie los. Dieser wurde zwar abgewehrt, aber der Puck fiel genau vor die Füße von Stürmer Filip Chytil, der die Scheibe über Torhüter Mikko Koskinen hinweg zur frühen 1:0-Führung ins Tor schob. Zach Hyman glich mit seinem siebten Saisontreffer noch vor dem Drittelende aus.
Im zweiten Spielabschnitt übernahmen die New Yorker zunächst eindeutig das Heft des Handelns. Durch drei Tore in direkter Folge von Kevin Rooney (23.), Chris Kreider (25.) und Mika Zibanejad (27., pp) stellten die Rangers den Spielstand auf 4:1 zu ihren Gunsten. Puljujarvi (35., pp) verkürzte noch vor dem zweiten Pausentee für die Gastgeber, die sich im folgenden Schlussdrittel noch einmal voll reinhängten und dafür reich belohnt wurden.
Barrie (42., pp) und erneut Puljujarvi (44.) stellten das Ergebnis im dritten Spielabschnitt rasch auf 4:4. Doch die Rangers konterten die Bemühungen der Oilers durch den erneuten Führungstreffer durch Zibanejad (48.). Es folgte der abermalige Ausgleich durch McDavid (58.), bevor Draisaitl das Comeback der Hausherren in der fälligen Verlängerung perfekt machte und die Halle erbeben ließ.
"Die Atmosphäre war elektrisierend. Für ein Spiel im November fühlte es sich an wie ein Playoff-Spiel. Es war einfach fantastisch", sagte Hyman. "Es hat wirklich Spaß gemacht, dabei zu sein, und wenn man so ein Spiel gewinnt und ein Team ist, das nicht aufgibt und weiter Druck macht und an sich glaubt, ist es einfach aufregend, dabei zu sein."
Neben Draisaitl, der für den spielentscheidenden Treffer von den Fans entsprechend begeistert gefeiert wurde, verdiente sich vor allem auch McDavid einmal mehr die Anerkennung der Fans. Mit einem unglaublichen Spielzug gegen gleich vier Rangers-Verteidiger, mit dem er den späten Ausgleich erzielte, erstaunte er die Zuschauer. Der Kapitän fügte zudem an diesem Abend seiner Statistik noch zwei Assists hinzu und kommt nun auf acht Tore und 14 Assists in den zehn Spielen dieser Saison.

NYR@EDM: McDavid umspielt die Abwehr

"Es war ein unterhaltsames Spiel", befand Edmontons Trainer Dave Tippett. "Es gab viele Höhen und Tiefen. Koskinen hat in dieser Phase so gut gespielt, und wir haben einige Fehler gemacht, die uns fast das Spiel gekostet hätten. Aber unsere Jungs haben durchgehalten und wir haben einen Weg gefunden, um zu gewinnen. Das ist es, worüber wir das ganze Jahr über gesprochen haben, einen Weg zu finden, um solche Spiele am Ende zu gewinnen."
Die nächste Chance ihre herausragende Klasse und ihren großen Kampfgeist zu beweisen, bekommen McDavid, Draisaitl und ihre Mitspieler am Dienstag (7.30 p.m. ET; NHL.TV; Mi. 1.30 Uhr MEZ), wenn die Oilers bei den Detroit Red Wings von Thomas Greiss zu Gast sein werden.