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Ist den Caps eine Titelverteidigung zuzutrauen?

Noch ist die Titeleuphorie in Washington nicht verflogen, da richtet sich der Blick bereits auf die kommende Spielzeit

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Die großen Feierlichkeiten der Washington Capitals zu ihrem ersten Stanley Cup Erfolg in der Franchise-Geschichte sind noch nicht verebbt, nachdem am kommenden Dienstag die traditionelle Stanley Cup-Parade in den Straßen der Hauptstadt über die Bühne gehen wird, da stellt sich bereits die Frage, ob das Team seinen Erfolg im kommenden Jahr wiederholen kann. Das Selbstvertrauen der Capitals ist frisch gestärkt, weil sie der Eishockeywelt erfolgreich bewiesen haben, in den Stanley Cup Playoffs den ganzen Weg erfolgreich gehen und ihr Verlierer-Image abschütteln zu können.

Die Vergangenheit lehrt jedoch, dass eine Titelverteidigung in der NHL in den letzten 25 Jahren ein äußerst seltenes Kunststück geworden ist und in diesem Zeitraum nur den Detroit Red Wings (1997, 1998) sowie den Pittsburgh Penguins (2016, 2017) gelang. Die Gründe dafür dürften in erster Linie der Ausgeglichenheit der Liga geschuldet sein, aber allzu häufig lässt ebenso die Motivation und Konzentration eines frisch gebackenen Champions im Anschluss an die errungene Meisterschaft um ein paar, womöglich entscheidende Prozente nach. Eine völlig menschliche Reaktion, die nur in den seltensten Fällen ausgeglichen werden kann.

Positiv ist, dass in der NHL ein schwacher Saisonstart im Herbst im Laufe der Monate über eine komplette Hauptrunde mit ihren 82 Spieltagen leichter wettgemacht werden kann und in den Stanley Cup Playoffs die Karten ohnehin stets ganz neu gemischt werden. Im KO-System werden die Leistungen der Monate Oktober bis April storniert, wenn ein Team den Sprung unter die verbleibenden 16 Mannschaften erst einmal erfolgreich geschafft hat.

Video: WSH@VGK, Sp5: Capitals mit dem Stanley Cup

Trotzdem stehen die Chancen der Capitals hierfür nicht gerade ideal. So sehen es auch die Buchmacher, denn in den ganz aktuell veröffentlichten Wettquoten rangieren nämlich die Tampa Bay Lightning mit einer Quote von 9:1 an der Spitze. Die frisch gekürten Champs sind dort in den Top 5 nicht vertreten. Stattdessen wurden die Teams der Boston Bruins, Toronto Maple Leafs, Vegas Golden Knights und Winnipeg Jets mit 10:1 auf den Folgeplätzen genannt. Die Capitals hingegen notieren lediglich auf Platz 8 mit 14:1.

Liegen die Wettanbieter so falsch? In diesen Tagen ist die Ausgangslage der Teams für die neue Saison, wie auch in Washington, jedoch in vielen Punkten ungeklärt. So läuft unter anderem der Vertrag von Meistertrainer Barry Trotz in diesem Sommer aus.

Dieser hat allerdings im Zuge der Feierlichkeiten bereits klar durchblicken lassen, dass er seine berufliche Zukunft durchaus in Washington sieht. Sein Gehalt soll, damit sich Trotz auch entsprechend wertgeschätzt fühlt, dem Vernehmen nach von derzeit rund US$ 1,5 Mio. auf zukünftig rund US$ 5 Mio. mehr als verdreifacht werden.

Neben Trotz gilt es vor allem den Vertrag mit John Carlson, der kürzlich mit 20 Zählern den Punkterekord (5 Tore 15 Assists) für einen Verteidiger der Capitals in den Playoffs aufstellte, zu verlängern. Zudem dürfen sich auch Devante Smith-Pelly, Michal Kempny und Jay Beagle darüber Gedanken machen, ob sie ihre zum 1. Juli auslaufenden Verträge in der US-Hauptstadt verlängern möchten, oder ob sie ihre Chancen auf dem Free Agent-Markt austesten wollen.

 

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Außerdem wäre unter anderem die Zukunft von Philipp Grubauer zu klären. Der Deutsche, der bereits im vergangenen Sommer zum Gegenstand etlicher Spekulationen wurde, dürfte nach wie vor bestrebt sein, eine Rolle als Nummer 1-Torhüter in der NHL zu ergattern. Nachdem sich sein Konkurrent Braden Holtby nach Schwächeperioden in der regulären Saison im Laufe der Playoffs wieder zum sicheren Rückhalt der Caps entwickelt hat, dürften die Chancen Grubauers auf den Job derzeit nicht allzu günstig stehen. Ein Tapetenwechsel erscheint daher wahrscheinlich, wenngleich die Organisation weiterhin seine Rechte hält.

 

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Doch diese Personalunsicherheiten müssen die Verantwortlichen der Capitals grundsätzlich nicht wirklich beunruhigen. Schließlich haben die Entscheidungsträger erst im vergangenen Sommer, als Washington mit Justin Williams, Marcus Johansson, Nate Schmidt, Karl Alzner, Kevin Shattenkirk und Daniel Winnik gleich ein halbes Dutzend Stammkräfte verlor, gezeigt, dass ein Kader-Umbruch durchaus in der Kürze der Zeit zum Erfolg führen kann.

Warum soll das in ähnlicher Art und Weise nicht im Frühjahr 2019 wieder gelingen?

Das Einzige das dagegen spricht ist ein mögliches Sättigungsgefühl der Beteiligten. Diesem würden jedoch gerade einige personelle Veränderungen im Teamkader durchaus erfolgreich entgegenwirken können. Moderate Anpassungen helfen schließlich auch anderen Sportteams auf aller Welt sich ihren Erfolgshunger zu bewahren.

Und nach einer dermaßen langen Durststrecke müsste der Erfolgshunger bei den Capitals und in der gesamten Stadt Washington doch eigentlich so groß sein wie bei kaum einem anderen Team auf der Welt. Warum also nicht wirklich den Titel am Ende erfolgreich verteidigen?

Allerdings kann eine intakte Mannschaft, wie sie die Capitals offenbar in den Playoffs 2018 waren, schon durch ein paar Veränderungen auch schnell, Probleme bekommen. Hier muss das Management um General Manager Brian MacLellan nicht nur die sportliche, sondern auch die menschliche Qualität potenzieller Neuzugänge beachten.

 

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In und um Washington werden sie natürlich trotzdem alles daran setzen, dass das Erfolgsteam des Jahres 2018 auch im Frühsommer 2019 wieder so herrlich ausgelassen feiern kann, wie es Alex Ovechkin & Co. in diesen Tagen erstmals dürfen, als sie die Golden Knights mit 4:1-Siegen in ihre Schranken wiesen und ausgerechnet in deren T-Mobile Arena den größten Erfolg der Teamgeschichte feiern durften.

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