77HabsPrimary712

Die Tampa Bay Lightning haben mit dem zweiten Stanley-Cup-Sieg in Folge Geschichte geschrieben. Angesichts dieses Erfolges blickt NHL.com/de auf die besten Meisterschaftsteams aus jedem Jahrzehnt der Post-Expansion-Ära zurück.

In dieser Folge: 1971 bis 1980 - Die Montreal Canadiens von 1977
Das Selbstverständnis der Canadiens in der Saison 1976/77 wird durch eine von Kapitän Yvan Cournoyer überlieferte Aussage deutlich. Wenn die Mannschaft sich auch nur die kleinste Nachlässigkeit erlaubt hätte und etwa in zwei Spielen nacheinander als Verlierer vom Eis gegangen wäre, hätte er sofort eine Krisensitzung einberufen, ließ er einmal über jenes überaus erfolgreiche Jahr verlauten.
Ein solches Tribunal war jedoch nicht notwendig. Der genannte Fall trat nie ein. Sechzig Siege, acht Niederlagen und zwölf Unentschieden lautete die Matchbilanz der Canadiens nach achtzig Partien der regulären Saison. Am Ende hatte Montreal 132 Punkte auf dem Konto, eine bis heute unerreichte Ausbeute. Der Vorsprung auf die Philadelphia Flyers, die in der Ligatabelle den zweiten Platz belegten, betrug 20 Zähler.

1977_cournoyer2

Sowohl in der Offensive als auch in der Defensive konnte keiner den Canadiens das Wasser reichen. Sie schossen sage und schreibe 387 Tore und mussten nur 171 Gegentreffer hinnehmen, was einer beeindruckenden Tordifferenz von +216 entsprach. Mit Steve Shutt (60 Treffer) und Guy Lafleur (56) führten nach der Hauptrunde zwei Angreifer von Montreal die Torschützenliste der NHL an. Lafleur war darüber hinaus mit 136 Punkten der Topscorer. Torhüter Ken Dryden rangierte in der Gesamtwertung der Liga mit zehn Shutouts und einer Fangquote von 92,0 Prozent auf Platz eins.
Vor heimischem Publikum musste die Mannschaft von Trainer Scotty Bowman in 40 Spielen lediglich eine Niederlage hinnehmen. Am 30. Oktober unterlag sie den Boston Bruins mit 3:4. "Das war der Abend vor Halloween", merkte der Coach rückblickend mit einem Schmunzeln an. Ansonsten gab es 33 Heimsiege und sechs Remis.
Folge uns auf [Facebook und Twitter für exklusiven Inhalt und NHL-Neuigkeiten!]
In der zweiten Saisonhälfte biss sich die Konkurrenz fast durchweg die Zähne an den bärenstarken Canadiens aus. Nach einer 3:7-Auswärtspleite am 17. Januar bei den Bruins zog Montreal im weiteren Verlauf der Hauptrunde nur noch ein einziges Mal in 34 Spielen den Kürzeren, am 6. März mit 1:4 bei den Buffalo Sabres.
Als Gewinner der Norris Division waren die Canadiens bereits für Viertelfinale der Stanley Cup Playoffs qualifiziert. Vier Teams mussten dafür erst den Umweg über die Vorrunde gehen. In der Runde der letzten Acht trafen die Canadiens auf die St. Louis Blues. Der Favorit machte mit seinem Kontrahenten kurzen Prozess. Mit einem Sweep (7:2, 3:0, 5:1, 4:1) und einem imposanten Torverhältnis von 19:4 zog Montreal ins Halbfinale ein.
Dort hatten es die Canadiens mit den New York Islanders zu tun. Die Vertretung aus Long Island war zwar ein härterer Gegner als zuvor St. Louis, aber das Weiterkommen war nie gefährdet. Die Schützlinge von Coach Bowman lagen in der Best-of-7-Serie zu keinem Zeitpunkt hinten. Nach zwei Heimsiegen der Canadiens (4:3, 3:0) im Forum de Montreal folgten eine Niederlage und ein Sieg im Nassau Coliseum (3:5, 4:0). Nach einem 3:4 n.V. vor eigenem Publikum machten sie den Einzug ins Stanley Cup Finale mit einem 2:1 in Spiel 6 bei den Islanders perfekt.

montreal-1977

Die Finalserie ging den Canadiens wieder leichter von der Hand. Wie schon gegen die Blues entschieden sie das Duell mit den Bruins durch einen Sweep zu ihren Gunsten. Die ersten drei Begegnungen gewannen sie mit 7:3, 3:0 und 4:2. Das vierte Aufeinandertreffen ging in die Verlängerung, in der Jacques Lemaire mit seinem Tor zum 2:1 den Sieg und damit zugleich den 20. Triumph von Montreal im Stanley Cup sicherstellte.
Zum Topscorer in den Playoffs avancierte wie in der regulären Saison Canadiens-Angreifer Lafleur. Er brachte es auf 26 Punkte (neun Tore, 17 Assists). Für seine starken Darbietungen in der Endrunde erhielt er die Conn Smythe Trophy als Playoff-MVP.
Bester Torhüter der Postseason war Montreals Dryden. Er stand in allen 14 Spielen zwischen den Pfosten und kam auf eine Matchbilanz von 12-2, eine Fangquote von 93,2 Prozent, einen Gegentorschnitt von 1,56 und vier Shutouts.

MTL_22417

"Unsere Offensive und Defensive hat für eine unglaubliche Differenz von 216 Treffern gesorgt. Das muss man sich einmal vorstellen. 22 Spiele haben wir mit mehr als vier Toren gewonnen. Und hinten drin hatten wir Dryden stehen. Uns hat nichts gefehlt", fasste Bowman die Gründe für den Durchmarsch zum Meistertitel zusammen.
Neun Spieler aus dem Kader der Canadiens 1976/77 sind im Laufe der Jahre in die Hockey Hall of Fame aufgenommen worden. Wenn man General Manager Sam Pollock und Trainer Bowman hinzurechnet, sind es sogar elf Akteure jenes Jahres, die mittlerweile Eingang in die Ruhmeshalle gefunden haben.