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Toronto so stark wie schon lange nicht mehr

Mit der Verpflichtung von Tavares haben die Maple Leafs einen Coup gelandet, der sie zu einem Titelaspiranten macht

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Es ist noch gar nicht einmal so lange her, da schien das alljährliche Streben der Toronto Maple Leafs aussichtslos eine wettbewerbsfähige Mannschaft für das Rennen um den Stanley Cup aufzubieten. In den ersten elf Jahren nach Einführung der Gehaltsobergrenze zur Spielzeit 2005/06 verpasste der Traditionsklub zehn Mal die Stanley Cup Playoffs. Bei ihrem einzigen Playoff-Abenteuer in diesem Zeitraum - in der verkürzten Saison 2012/13 schlossen sie die Northeast Division als Dritter und die Eastern Conference als Fünfter ab - war bereits in der ersten Runde gegen die Boston Bruins Schluss. In den folgenden zwei Spielzeiten rückte der Traum vom langersehnten Titelgewinn immer weiter in die Ferne. Die NHL strukturierte ihre Divisionen um, die Maple Leafs gingen in der Atlantic Division an den Start und belegten im Osten, weit von einem Playoffplatz entfernt, den zwölften und im Folgejahr den 15. Platz.

Im Anschluss dieser enttäuschenden Jahre, entschloss sich Torontos Präsident Brendan Shanahan eine neue Führungsriege zu installieren. Mike Babcock übernahm im Mai 2015 das Amt des Cheftrainers und Lou Lamoriello zwei Monate darauf jenes des General Managers. Nur noch ein Jahr mussten die Verantwortlichen, und selbstverständlich auch die Fans der Maple Leafs, Geduld aufbringen, ehe erste Erfolge sichtbar wurden. Nachdem Toronto die Saison 2015/16 als Tabellenletzter mit nur 69 Punkten (29-42-11) abgeschlossen hatte, gewannen sie die Lotterie für den NHL Draft 2016. Mit ihrem Recht auf den ersten Zug des Drafts entschieden sie sich für Auston Matthews. Der hochtalentierte Center entwickelte sich zu einem wichtigen Baustein beim Neuaufbau des Kaders. Schon ihre Playoff-Qualifikationen in den letzten zwei Saisons zeigten ganz klar auf, dass sie sich auf dem richtigen Weg befinden.

 

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Durch die Verpflichtung von John Tavares, der am 1. Juli als Unrestricted Free Agent einen mit $77 Millionen dotierten 7-Jahres-Vertrag unterschrieb, dürfte den Maple Leafs jener Coup geglückt sein, der sie schon kurzfristig zu einem ernstzunehmenden Anwärter auf den Titelgewinn macht. Der Center hat in den ersten neun Jahren seiner NHL-Karriere bei den New York Islanders immer wieder bewiesen, dass er zu den besten Spielmachern und Scorern zählt. Seit der Saison 2009/10, seinem Debütjahr in der Liga, konnten nur vier Spieler mehr Tore als Tavares (272) erzielen und nur acht kamen auf mehr Scorerpunkte als die 621 des Ausnahmestürmers. Tavares befindet sich mit seiner Ausbeute unter den Top-10 dieses Zeitraums in einem illustren Kreis von sieben Stanley Cup Champions, obwohl er eine Mannschaft anführte, die mit ihm im Kader sechsmal die Playoffs verpasste.

Noch Fragen über die Qualität des 27-Jährigen und dessen Wert für die Maple Leafs?

Dass es Tavares nicht alleine richten kann ist klar, doch Toronto ist mittlerweile in jedem Mannschaftsteil überdurchschnittlich gut besetzt, wobei auch die Balance zwischen jungen aufstrebenden Spielern und Routiniers stimmt. Einer ihrer größten Vorteile gegenüber der Konkurrenz wird ihre Unberechenbarkeit sein. Mit Mitchell Marner, Matthews und William Nylander hatten die Maple Leafs bereits vergangene Saison drei Stürmer unter 23 Jahren, die die 60 Punkte-Marke knacken konnten. Kämpfernatur Nazem Kadri erzielte mit 32 Treffern die drittmeisten Tore und NHL-Routinier Patrick Marleau warf nicht nur seine Erfahrung sondern auch noch 47 Scorerpunkte (27 Tore, 20 Assists) in die Waagschale.

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Wenngleich Torontos Paradeabteilung der Sturm ist, verfügen sie auch in der Defensive über Hochkaräter, die noch lange nicht ihren Leistungszenit überschritten haben. Mit Morgan Rielly, 24, und Jake Gardiner, 27, konnten gleich zwei ihrer Verteidiger mehr als 50 Scorerpunkte verbuchen. Von keinem anderem Team der Liga standen gleich zwei Spieler unter den zehn besten Bluelinern bei den Assists. An die Mannschaft herangeführt wurde der 21-Jährige Travis Dermott, der zum Saisonende hin zu 37 Einsätzen kam und mit +16 den besten +/-Wert aller Leafs-Verteidiger vorwies.

 

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Als eine echte Nummer 1 erwies sich Torontos Schlussmann Frederik Andersen. Der 28-jährige Däne bestritt 66 Partien und fuhr die drittmeisten Sieger (38) aller NHL-Goalies ein. Im Osten war nur noch Andrei Vasilevskiy (44 Sieger) vom Conference Finalisten Tampa Bay Lightning erfolgreicher als der Däne in Diensten der Ahornblätter. Auch mit seiner Fangquote von 91,8 Prozent stand Andersen dem russischen Torwartkollegen vom Divisionskonkurrenten, der es auf 91,9 Prozent brachte, nur wenig nach.

Die letzte von 13 Championships der Maple Leafs liegt bereits 51 Jahre zurück. Die Chancen auf einen Cup-Gewinn waren in diesem guten halben Jahrhundert selten so groß, wie mit dieser durch und durch hochkarätig besetzten Mannschaft in der nahen Zukunft.

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