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Das Ende der Joe Louis Arena

Mit dem Ende der Saison endet für die Detroit Red Wings auch die Ära in der legendären Eishalle

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

An diesem Wochenende nimmt die NHL, und die Detroit Red Wings im Speziellen, Abschied von der legendären Joe Louis Arena. Nun kann man das auf ganz unterschiedliche Art und Weise betrachten. Natürlich wird damit einerseits eine der wohl unattraktivsten Spielstätten der Liga in den scheinbar überfälligen Ruhestand versetzt. Andererseits verliert die Szene damit aber auch ein echtes Stück lebendiger Ligageschichte, werden unzählige Erinnerungen und Geschichten aus dem aktiven Sportgeschehen verabschiedet.

Zeit also auch für uns hier und heute noch einmal ein paar Zeilen zu Ehren der legendären 'Joe' zu verlieren, an die Sternstunden der Traditionsheimstätte der Original Six-Franchise aus der Autostadt zu erinnern, das optisch so wenig ansprechende Gebäude noch einmal hochleben zu lassen.

Denn obwohl der 'alte Kasten' in Hockeytown bekanntlich längst nicht mehr zeitgemäß erscheint, verbinden zahlreiche Fans und Aktive aus der Red Wings Organisation eben vor allem auch viele tolle Erinnerungen mit dem Bauwerk. So konnten dort ja u.a. auch vier Stanley Cup-Titel errungen werden. Größen wie Gordie Howe und Steve Yzerman erlebten dort ihre Glanzzeiten.

Wenn also heute Abend vor den rund 20.000 Beobachtern in der Halle beim letzten Heimspiel der 'Wings' an Ort und Stelle eine Ära zu Ende geht, dann werden vermutlich nicht wenige Tränen fließen. Und das eben nicht nur weil die Spieler erstmals seit über einem Vierteljahrhundert wieder einmal die Playoffs verpassen werden.

Die New Jersey Devils haben die Ehre die letzte Mannschaft in der langen Geschichte der Arena zu sein, die dort ihre Visitenkarte abgeben werden, bevor sich dann auch sie frühzeitig von dieser für sich wenig erfreulichen Spielzeit verabschieden werden. Irgendwie angemessen, möchte man meinen.

Begonnen hat diese Ära in der langen Geschichte der Red Wings übrigens mit der Saison 1978-80, als die Franchise aus dem altehrwürdigen Olympia Stadium in die Joe Louis Arena umsiedelte. Reporterlegende Doc Emerick erinnert sich auf NBC wehmütig: "Das Team war wahrlich keine Spitzenmannschaft als man hier hin kam."

Und irgendwie schließt sich somit auch diesbezüglich ein Kreis, denn nach äußerst erfolgreichen Jahren steht der Franchise nun ein abermaliger Neuaufbau bevor. Passender oder unpassender Weise dann erneut in völlig neuer Umgebung.

Höhepunkte in der Phase in dieser Halle waren sicherlich aus Sicht der Red Wings die beiden Stanley Cup-Erfolge in den Jahren 1997 und 2002, welche jeweils auf heimischem Eis vollendet werden konnten. Die Bilder davon haben jetzt sicherlich auch noch viele unserer Leser hier vor Augen.

Weit über 800 Siege alleine in einer NHL-Hauptrunde sin des für Detroit dann am Ende geworden. Über 100 weitere aus den Playoff-Spielen kommen noch hinzu. Unzählige Geschichten und Erlebnisse sind da noch präsent, können hier nun natürlich nicht im Ansatz einigermaßen erschöpfend ausgebreitet werden. Und sicherlich wird auch jeder Eishockeyfan da seine ganz persönlichen Schwerpunkte und Ansichten haben.

Legende Nicklas Lidstrom ist der Rekordspieler in der Ära der Arena. 789 Mal betrat er dort das Eis während der Regular Season. Steve Yzerman mit 330 Treffern der erfolgreichste Torschütze dort. Auch in der Punkteproduktion liegt er mit stolzen 897 weit vorne.

Erfolgreichster Torschütze aus Sicht der Gastmannschaften ist übrigens Brett Hull. Ihm gelangen 26 Erfolgserlebnisse an Ort und Stelle. In Sachen Punkteproduktion hat niemand mehr vorzuweisen als Wayne Gretzky. 65 waren es für ihn in der Joe Louis Arena.

Nach dem Vergleich mit den New Jersey Devils zum Saisonschluss wird Teamkapitän Henrik Zetterberg mit dann 1000 Spielen in der Halle ein tolles rundes Abschlussjubiläum feiern können. Nicht überraschend, verbrachte der 36-Jährige doch seine komplette bisherige NHL-Laufbahn in der wirtschaftlich so gebeutelten Region, welche für ihre Eishockeyleidenschaft berühmt ist.

Auch sein anstehendes Jubiläum prägte die letzten Tage in Detroit. So sagte zum Beispiel Teamkamerad Gustav Nyquist über ihn: "Wenn es einmal nicht so recht läuft, dann hat man so jemanden gerne im eigenen Team mit auf dem Eis. Mit ihm hat man immer noch alle Möglichkeiten, wenn man ihn anspielt. Er hat ein ganz tolles Auge im Spiel."

Unvergessen in der langen Geschichte der Halle ist z.B. aber auch der letzte Auftritt von Gordie Howe, der nach seiner Zeit mit den Wings am 5. Februar des Jahres 1980 bei seinem Gastauftritt im Rahmen eines All Star-Games, in Diensten der Hartford Whalers (den heutigen Carolina Hurricanes), noch einmal nach Detroit zurückkehrte und emotional gefeiert wurde. Ein kurioser Zufall übrigens, dass dieses Spiel zugleich auch das erste All Star-Spiel des jungen Wayne Gretzky war.

Am 16. Mai des Jahres 1996 fand hier ein legendäres Spiel zwischen den Red Wings und den St. Louis Blues statt. Im Finale der Western Conference ging es über volle sieben Spiele und ab in die zweite Overtime, bevor der damalige Kapitän Yzerman die Entscheidung zu Gunsten der Hausherren besorgte.

Im März 1996, genau gesagt am 26. des Monats, kam es auf diesem Eis zu einem der seltenen Torhüterfaustkämpfe. Patrick Roy von den Colorado Avalanche und Mike Vernon lieferten sich den legendären Kampf. Das Ganze Spiel ging als 'Blutiger Mittwoch' in die Hockeygeschichte ein.

Hier endete auch die damals seit zweiundvierzig Jahren andauernde Durststrecke der Franchise in Sachen Titelgewinn, als man am 7. Juni des Jahre 1997 endlich einmal wieder den Stanley Cup gewinnen konnte. Mit einem glatten 4:0 in Serie gegen die Philadelphia Flyers. McCarty traf gegen Torhüter Ron Hextal zur endgültigen Entscheidung für die Jungs aus Hockeytown.

Ähnliche Jubelarien dann auch am 13. Juni 2002. Die Finalserie gegen den Überraschungsfinalisten aus Raleigh, die Carolina Hurricanes, ging am Ende klar an Hockeytown.

Es war der dritte Erfolg beim Kampf um den begehrten Silberling innerhalb von sechs Jahren. Es war vielleicht die Glanzzeit der Franchise. Man hatte ein Team beisammen, von dem heute nicht weniger als bereits neun Spieler in der Eishockey Hall of Fame in Toronto vertreten sind.

Scotty Bowman war der Vater des Erfolges, sorgte als Erfolgstrainer für zahlreiche unvergessene Erlebnisse in und um Detroit. Bowman gab sich angesprochen auf das Ende der 'Joe' übrigens ebenfalls schon im Vorfeld sehr betroffen: "Diese Halle war für uns sehr häufig eine große Verstärkung. Die Gegner hatten häufig sehr viel Respekt, wenn sie hier antreten mussten."

Emotional auch die Rückkehr von Vladimir Konstantinov am 2. Januar 2007. Im Rahmen der Feierlichkeiten rund um die Ehrung für Steve Yzerman, des Trikot unter das Hallendach gezogen wurde, stattete auch der verunglückte Konstantinov der 'Joe' noch einmal einen gefeierten Besuch ab. Dort hatte man ihn seit seinem Autounfall zehn Jahre zuvor nicht mehr gesehen.

Am Rande sei hier auch noch angemerkt, dass die Liga mit der Schließung der Halle in diesen Tagen auch ihre vorletzte Halle verliert, die nicht nach einem Sponsor benannt ist. Nun bleibt nur noch der legendäre Madison Square Garden in dieser Kategorie übrig. Zudem ist die bisherige Heimstätte der Red Wings das derzeit zweitälteste Gebäude in der besten Eishockeyliga der Welt gewesen. Auch hier liegt nur noch der 1968 eröffnete, zuletzt aber deutlich um- und ausgebaute MSG in New York vor der Halle. Und dieser bleibt der Liga ja noch über Jahre hinweg erhalten, kann sich in Sachen Komfort und Ausstattung allerdings auch tatsächlich einer ganz anderen Kategorie rühmen.

Wahrlich mehr als genug emotionale Gründe also um in nächster Zeit schon etwas wehmütig auf diese zumindest optisch doch eher wenig gelungene Halle in Detroit zurückzudenken.

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