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NHL-History: Das Jahrzehnt von 2000 bis 2009

Zwei neue Franchises, drei neue Champions und zwei Veteranen mit Cup-Freuden zum Karriereende

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Die NHL feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum blickt NHL.com/de an jedem ersten Samstag eines Monats in chronologischer Reihenfolge auf jeweils ein Jahrzehnt in der ruhmreichen Geschichte der NHL zurück.

Die Jahre 2000 bis 2009:

Die 2000er Jahre waren eine Dekade der Zäsuren auf der Spielwiese der Politik und der Wirtschaft, aber auch im Sport. Am 1. Januar 2002 wurde der Euro in zwölf Ländern der Europäischen Union als Barwährung eingeführt, die Volksrepublik China entwickelte sich in diesem Jahrzehnt zu einer der führenden Exportnationen und Ende des Jahres 2007 platzte eine Immobilienblase, die zu einer Wirtschaftskrise führte, wodurch der Glaube an die Finanzwelt erschüttert wurde. Im Juni 2006 wurde in Deutschland während der Fußball-Weltmeisterschaft ein Sommermärchen gefeiert. Im gleichen Jahr gab der siebenfache Weltmeister Michael Schuhmacher sein Karriereende bekannt. Später wagte er ein Comeback und stieg 2010 erneut in einen Formel-1-Boliden. Usain Bolt stellte mit 9,58 Sekunden im 100-Meter-Lauf der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin einen Fabel-Weltrekord auf, der bis zum heutigen Tage Bestand hat.

Zu einem einschneidenden Ereignis mit Auswirkungen sowohl auf den Spielbetrieb, als auch die Kader-Zusammensetzung der Franchises kam es auch in der NHL. Zur Spielrunde 2000/01 begrüßte die NHL die Minnesota Wild und die Columbus Blue Jackets als 29. und 30. Franchisenehmer. Die Blue Jackets belegten am Saisonende den letzten Platz in der Central Division und die Wild standen am Tabellenende der Northwest Division, die von den Colorado Avalanche souverän als punktbeste Mannschaft der Liga angeführt wurde. Das mit einer guten Handvoll Stars gespickte Team des Favoriten aus Denver setzte sich in den Stanley Cup Playoffs 2001 gegen die Vancouver Canucks, die Los Angeles Kings, die St. Louis Blues und im Finale in sieben Spielen gegen die als Titelverteidiger angetretenen New Jersey Devils durch. Rund um den Globus freuten sich Eishockeyanhänger, unabhängig davon, ob sie nun Fans der Avalanche waren oder nicht, über den damit einhergehenden ersten Titelgewinn von Ray Bourque. Das Bostoner Verteidiger-Urgestein hatte im März 2000 um einen Trade gebeten. Er wollte noch einmal in seiner Karriere die Chance auf einen Cup-Gewinn bekommen. Am 6. März 2000 wurde der Deal mit den Avalanche verkündet. Bourque übernahm postwendend eine Führungsrolle bei seinem neuen Team und leistete einen nicht unerheblichen Beitrag dazu, dass sein größter Wunsch in Erfüllung gehen sollte. Am 9. Juni 2001 nach dem 3:1 Heimerfolg im siebten Spiel gegen die Devils durfte er im Pepsi Center von Denver zum ersten Mal in seiner 23-jährigen NHL-Karriere den begehrten Pokal in die Höhe hieven. Nicht nur ihm, sondern auch Millionen von Zuschauern, die dem 41-jährigen Verteidiger diesen Erfolg gönnten, standen in jenem Moment die Tränen in den Augen.

Zusammen mit Bourque war auch Dave Andreychuk zu den Avalanche getradet worden. Der damals 37-jährige Außenstürmer, der ebenfalls noch auf seinen ersten Stanley Cup Gewinn wartete, entschied sich jedoch im Sommer 2000 zu den Buffalo Sabres zu wechseln und ab 2001/02 sein Glück bei den Tampa Bay Lightning zu suchen. Dieses Team hatte die Spielzeit 2000/01 als Letzter der Southeast Division abgeschlossen hatte. "Dort wird es doch nie etwas mit einem Titelgewinn", prophezeiten ihm seine Gönner und seine Neider gleichermaßen.

Andreychuk beteiligte sich daran, im Hillsborough County eine Mannschaft aufzubauen, die konkurrenzfähig ist. In nur drei Jahren hatten es Andreychuk, Cheftrainer John Tortorella und die Lightning geschafft. In einer elektrisierenden Finalserie kochten die Emotionen der Protagonisten hoch. Einmal ließen die beiden Kapitäne Jarome Iginla von den Flames und Lightnings Vincent Lecavalier sogar die Handschuhe fallen, um per Faustkampf Argumente auszutauschen. Am Ende bezwangen die Lightning die Flames in sieben Spielen und gewannen den Cup. Die Fans der Lightning konnten es nicht glauben, dass Lord Stanleys Trophäe ihrem Team überreicht wurde. "Tampa holt den Stanley Cup, das ist ja so als würde Arizona im Fischen gewinnen", kommentierte ungläubig ein hocherfreuter Anhänger vor der Arena den Triumph seiner Lightning.

Die anschließende Saison wurde am 16. Februar 2005 abgesagt, da sich die Liga und die Spielergewerkschaft NHLPA nicht rechtzeitig auf ein neues Collective Bargaining Agreement einigen konnten, das unter anderem einen Salary Cap (Gehaltsobergrenze) beinhalten sollte. Seit elf Jahren ist der Salary Cap nun Realität in der NHL. In den ersten zwei Jahren nach dessen Einführung gab es erneut überraschende Titelgewinner. Die Carolina Hurricanes bezwangen 2006 die Edmonton Oilers in einer über die volle Distanz gehende Finalserie. 2007 brachten die Anaheim Ducks zum ersten Mal in der Geschichte der NHL den Cup nach Kalifornien. Sie gewannen die Serie gegen die Ottawa Senators mit 4:1.

Ab Mitte des Jahrzehnts stießen hochbegabte Nachwuchsspieler in die Liga, die bis zum heutigen Tage das Geschehen in der NHL bestimmen. Alex Ovechkin wurde 2004 von den Washington Capitals gedraftet, Sidney Crosby 2005 von den Pittsburgh Penguins. Zwei Jahre darauf entschieden sich die Chicago Blackhawks für Patrick Kane an Nummer 1 und 2008 zogen die Lightning ihren jetzigen Teamkapitän Steven Stamkos an erster Stelle.

In den Jahren 2008 und 2009 erreichten die Penguins, angeführt von Crosby, zweimal das Stanley Cup Finale. Beim ersten Finaleinzug mussten sie sich noch den Detroit Red Wings geschlagen geben, doch zwölf Monate später war es soweit: Crosby nahm mit seinen Penguins Revanche gegen die Red Wings und zum ersten, aber nicht letzten Mal den Stanley Cup in Empfang.

Namhafte Spieler aus dieser Epoche:

Daniel Alfredsson, Stürmer, Stanley Cup Champion (-), HHOF ()
Jason Arnott, Stürmer, Stanley Cup Champion (2000), HHOF (-)
Rob Blake, Verteidiger, Stanley Cup Champion (2001), HHOF (2014)
Rod Brind'Amour, Stürmer, Stanley Cup Champion (2006), HHOF ()
Martin Brodeur, Torwart, Stanley Cup Champion (1995, 2000, 2003), HHOF ()
Peter Forsberg, Stürmer, Stanley Cup Champion (1996, 2001), HHOF (2014)
Jean-Sebastien Giguere, Torwart, Stanley Cup Champion (2007), HHOF ()
Sergei Gonchar, Verteidiger, Stanley Cup Champion (2009), HHOF ()
Jarome Iginla, Stürmer, Stanley Cup Champion (-), HHOF ()
Paul Kariya, Stürmer, Stanley Cup Champion (-), HHOF (2017)
Saku Koivu, Stürmer, Stanley Cup Champion (-), HHOF (-)
Nicklas Lidstrom, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1997, 1998, 2002, 2008), HHOF (2015)
Mike Modano, Stürmer, Stanley Cup Champion (1999), HHOF (2014)
Markus Naslund, Stürmer, Stanley Cup Champion (-), HHOF ()
Scott Niedermayer, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1995, 2000, 2003, 2007), HHOF (2013)
Brad Richards, Stürmer, Stanley Cup Champion (2004), HHOF (-)
Teemu Selanne, Stürmer, Stanley Cup Champion (2007), HHOF (2017)
Martin St. Louis, Stürmer, Stanley Cup Champion (2004), HHOF ()
Sergei Zubov, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1994, 1999), HHOF ()

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