Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat bei der IIHF-Weltmeisterschaft 2023 in Finnland (Tampere) und Lettland (Riga) Geschichte geschrieben: Erstmals seit 70 Jahren hat Deutschland wieder eine Medaille gewonnen, zum dritten Mal überhaupt ist es Silber geworden. Zuvor gelang das nur bei den WMs 1930 und 1953. NHL.com/de blickt auf diese WM-Triumpfe zurück…
Deutschland schreibt Eishockey-Geschichte
DEB-Team gewinnt erste WM-Medaille seit 70 Jahren und zum dritten Mal Silber

© Photo by Andrea Branca/Eurasia Sport Images/Getty Images
1930: Kanada ist für den Europameister eine Nummer zu groß
Schon beim ersten Silbermedaillengewinn einer deutschen Auswahl im Jahr 1930 hieß der Gegner im Endspiel Kanada. Doch der Reihe nach: Das Turnier war die erste Weltmeisterschaft, die abgekoppelt von den Olympischen Spielen stattfand und wurde fortan im jährlichen Turnus durchgeführt. Es war auch die erste und über 82 Jahre (bis 2012) die einzige WM, die in mehreren Ländern durchgeführt wurde: Da Mitte Januar im Austragungsort Chamonix in Frankreich Tauwetter einsetzte und das Natureis nicht bespielbar war, wurden die Wettkämpfe erst verschoben und später für die letzten beiden Spiele nach Berlin vergeben.
Der Modus war damals ebenfalls ein Novum: Unter den zwölf Teilnehmern wurde ein Gegner für Titelverteidiger Frankreich gesucht. Nach der Ausscheidungsrunde und dem Viertelfinale wurde zunächst ein Europameister gesucht. Deutschland, das damals noch als Deutsches Reich antrat, gewann in der Ausscheidungsrunde gegen Großbritannien (4:2), im Viertelfinale gegen Ungarn (4:1) und im Halbfinale gegen Neuling Polen (3:1). Im sogenannten EM-Finale schlugen die Deutschen dann die Schweiz (2:1) und durfte somit im WM-Finale gegen Kanada antreten.
Vor 8000 Zuschauern im Berliner Sportpalast ging die deutsche Nationalmannschaft sogar früh in Führung, musste sich dem turmhohen Favoriten am Ende aber doch deutlich mit 1:6 geschlagen geben. Deutschland war somit Europameister und Vize-Weltmeister und holte das erste WM-Silber überhaupt.
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1953: Silber mit nur einem einzigen Sieg
Die Weltmeisterschaft 1953 wurde in der Schweiz (Basel und Zürich) ausgetragen. Die Spiele gerieten aber zur Farce, denn es hatten sich nur vier Nationen angemeldet: Gastgeber Schweiz, Schweden, die Tschechoslowakei und die Bundesrepublik Deutschland (West-Deutschland). Eishockey-Nationen wie Kanada oder die USA nahmen nicht teil.
Die vier Mannschaften ermittelten den neuen Weltmeister in einem Gruppen-Modus mit Hin- und Rückspiel. Allerdings reiste die Tschechoslowakei nach dem Tod ihres Staatspräsidenten Klement Gottwald nach vier von sechs Spielen ab und wurde disqualifiziert.
Deutschland hatte bis dahin beide Spiele gegen die Tschechoslowakei (2:11, 4:9) sowie auch gegen Schweden (6:8) und die Schweiz (2:3) verloren. Da die Ergebnisse der Ost-Europäer nicht gewertet wurden, reichte den Deutschen ein einziger Erfolg im weiteren Verlauf, um Platz zwei in der Tabelle zu belegen: Gegen Schweden gab es erst eine 2:12-Packung, zum Abschluss aber einen 7:3-Sieg gegen die Schweiz. Damit war die deutsche Auswahl um den damaligen Stürmer und den späteren Kult-Trainer Xaver Unsinn punktgleich mit den Eidgenossen, gewann dank der besseren Tordifferenz aber ein zweites Mal Silber. Trotz nur vier gewerteter Spiele und nur einem einzigen Sieg.
2023: Peterka und Seider im All-Star-Team
70 Jahre später ist die Leistung der deutschen Nationalmannschaft nicht hoch genug einzuschätzen. Bei der WM in Finnland (Tampere) und Lettland (Riga) erlebte die DEB-Auswahl einen bitteren Start ins Turnier: Den Top-Nationen Schweden (0:1), Weltmeister und Olympiasieger Finnland (3:4) sowie den USA (2:3) begegnete Deutschland jeweils auf Augenhöhe, verlor aber jeweils mit einem Tor Unterschied. Der Wendepunkt war das vierte Gruppen-Spiel gegen Dänemark, das mit 6:4 gewonnen wurde. Es war der Startschuss für eine unglaubliche Serie mit sechs Siegen in Folge: In der Vorrunde gewannen die Deutschen noch gegen Österreich (4:2), Aufsteiger Ungarn (7:2) und Frankreich (5:0). Im Viertelfinale wurde die Schweiz (3:1), im Halbfinale die USA (4:3 n.V.) ausgeschaltet.
Im WM-Finale gegen Kanada war das Team von Bundestrainer Harold Kreis trotz der Rolle als krasser Außenseiter in den ersten zwei Dritteln die bessere Mannschaft. Mit dem schnellen und offensiven Stil gelang gleich zweimal eine Führung zum zwischenzeitlichen 1:0 und 2:1. Physisch starke und vor dem Tor eiskalte Kanadier aber glichen zweimal aus, drehten das Spiel und gewannen am Ende 5:2. Silber-Helden wurden auf deutscher Seite trotzdem geboren - immerhin war Deutschland nur mit drei NHL-Profis (Moritz Seider, JJ Peterka und Nico Sturm), ohne die NHL-Superstars Leon Draisaitl oder Philipp Grubauer angetreten und hatten darüber hinaus mit Absagen im zweistelliger Höhe planen müssen.
Umso höher ist der Wert dieser Vize-Weltmeisterschaft einzuschätzen. Als zusätzliches Zuckerl wurden Verteidiger Moritz Seider (Detroit Red Wings) und Stürmer JJ Peterka (Buffalo Sabres) ins WM-All-Star-Team gewählt. Peterka stellte mit zwölf Punkten (6-6-12) nicht nur einen neuen deutschen Rekord auf, sondern war länderübergreifend zweitbester Scorer bei dieser Weltmeisterschaft. Auch Debütant Nico Sturm (San Jose Sharks, 6-2-8) spielte ein herausragendes Turnier und ging als Musterprofi, Faceoff-Experte und Führungsspieler voran.

















