Die IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft 2023 in Finnland und Lettland wird in die Geschichte eingehen. Deutschland verpasste zwar die Sensation im Finale gegen Kanada, gewinnt aber erstmals nach 70 Jahren wieder eine Medaille bei einer WM. Im Spiel um Platz 3 setzte sich der Außenseiter Lettland gegen die USA durch und gewinnt erstmals in ihrer Geschichte eine WM-Medaille.
Deutschland verpasst Sensation und Kanada krönt sich zum Weltmeister
DEB-Auswahl leistet großen Kampf, doch der Favorit setzt sich im 3. Drittel durch; Lettland holt Bronze gegen USA

© DeFodi Images/Getty Images
Finale: Kanada - Deutschland 5:2 (1:1/1:1/3:0)
Kanada ist zum 28. Mal Sieger bei einer Eishockey-Weltmeisterschaft. Im Finale setzten sie sich durch drei Tore im dritten Drittel mit 5:2 gegen Deutschland durch. Samuel Blais drehte als doppelter Torschütze die hart umkämpfte Partie, nachdem die DEB-Auswahl zweimal in Führung gegangen war und lange Zeit vom großen Triumph träumen durfte.
"Die Jungs sind natürlich enttäuscht, dass wir heute verloren haben", betonte Bundestrainer Harold Kreis. "Aber wenn wir morgen zurückblicken, wird die Mannschaft sehen, was sie alles erreicht hat. Die können sich wirklich auf die Schulter klopfen und sehr stolz sein. Ein Dank geht auch an den gesamten Staff, das war unglaublich, was die geleistet haben. Es war eine schöne Zeit, wir haben hart gearbeitet und alles gegeben und das sehen und schätzen auch die Eishockey-Anhänger in Deutschland. Diese Medaille hat auf jeden Fall eine sehr große Bedeutung für das deutsche Eishockey."
Das DEB-Team hatte eine starke Anfangsphase und wollte sich auf keinen Fall überrumpeln lassen wie im Halbfinale gegen die USA, als sie frühzeitig mit 0:2 in Rückstand gerieten. Das gelang ihnen gut und Kanada kam erst in der 4. Minute zu einer ersten Möglichkeit. Parker Tuomie mit einem Schuss und Wojciech Stachowiak hatten die besten Möglichkeiten zur Führung von Deutschland, die kurz darauf JJ Peterka bei 7:44 Minuten besorgte. Er wurde bei einem Wechsel der Kanadier mit einem scharfen Pass von Moritz Seider aus dem eigenen Drittel an der gegnerischen Blauen Linie bedient, zog schnell ins gegnerische Drittel und schloss mit einem platzierten Schuss ins lange Eck zum 1:0 ab.
Kanada monierte eine Abseitsstellung durch Videobeweis zu überprüfen, doch die Wiederholung zeigte, dass Peterka den Puck unter Kontrolle hatte, als er über die Blaue Linie fuhr, daher wurde das Tor gegeben und Deutschland hatte eine erste Überzahl, die allerdings nichts einbrachte.
Danach kamen die Kanadier besser ins Spiel und belohnten sich nach einer Unachtsamkeit in der deutschen Defensive bei 10:47 Minuten mit dem Ausgleich. Payton Krebs bediente Blais mit einem Querpass und dieser ließ Torhüter Mathias Niederberger keine Chance.
Im weiteren Verlauf des ersten Drittels gab es auf beiden Seiten gute Möglichkeiten und Deutschland zeigte sich weiter mehr als ebenbürtig. Kanada hatte vor allem in der letzten Minute des Auftaktdrittels eine gute Druckphase. Mit 12:7 Torschüssen für Kanada ging es in die Pause.
Nach dem Wechsel war wieder zunächst das DEB-Team an der Reihe, auch bedingt durch ein weiteres Powerplay, das dieses Mal effektiver gespielt wurde, aber ohne Torerfolg blieb. In den ersten neun Minuten des Drittels hatte Deutschland 7:1 Torschüsse, ehe Kanada wieder gefährlicher wurde. In diese Druckphase fiel das 2:1 für Deutschland. Daniel Fischbuch zog bei 33:47 Minuten nach Vorarbeit von Maximilian Kastner und Seider ab und überwand Torhüter Samuel Montembeault.
Kanada ging bei 36:01 Minuten in Überzahl und machte gehörig Druck, doch Niederberger und mehrfach gute Blocks verhinderten zunächst den Ausgleich. Schließlich fand Kanada doch noch die Lücke, als Krebs Lawson Crouse in der Mitte bediente und dieser die Scheibe perfekt ins Netz abfälschte. Deutschland hatte im Mitteldrittel mit 9:7 mehr Torschüsse.
Deutschland hatte sich im Schlussabschnitt viel vorgenommen, doch die Kanadier wurden immer stärker und ließen vor allem in der Verteidigung kaum noch etwas zu. Die deutschen Jungs gaben alles, doch Kanada übernahm zunehmend das Kommando. Das verstärkte sich als Blais bei 44:51 Minuten zur ersten Führung des Favoriten kam. Maksymilian Szuber spielte hinter dem Tor einen Fehlpass, den der Torschütze im Nachfassen eiskalt ausnutzte.
Nur 25 Sekunden später hätte Milan Lucic fast erhöht, doch der Pfosten rettete. Die Aufgabe für Deutschland, die jetzt kaum noch in der Offensive durchkamen, wurde noch schwieriger, als Tyler Toffoli einen Konter bei 51:52 Minuten mit einem trockenen Schuss durch die Beine von Niederberger zum 4:2 abschloss. Zuvor hatte Marcel Noebels die Scheibe im gegnerischen Drittel verloren und den Gegenzug ermöglicht.
Deutschland warf alles nach vorne, aber Kanada spielte weiterhin defensiv stark und Montembeault war nicht mehr zu überwinden. Als DEB-Trainer Kreis seinen Torhüter Niederberger bereits mehr als drei Minuten vor dem Ende zugunsten eines weiteren Stürmers zog, baute Deutschland noch einmal Druck auf, doch Scott Laughton machte mit einem Schuss ins leere Tor bei 58:06 Minuten zum 5:2 alles klar.
Zum Abschluss wurden Peterka und zum zweiten Mal nach 2021 Seider ins All-Star Team der Weltmeisterschaft berufen.
"Wir können sehr viel Positives aus dem Turnier mitnehmen und ich bin mir sehr sehr sicher, dass wir nicht das letzte Mal in so einer Position sind", verdeutlichte Seider zum Abschluss. "Aber jetzt sind wir erst einmal sehr stolz auf die Mannschaft, wir haben Geschichte geschrieben und das kann uns keiner mehr nehmen. Wir waren wie eine Familie. Das wird nicht einmalig sein, wir werden hier wieder stehen und dann werden wir die kleinen Fehler, die uns heute unterlaufen sind, korrigiert haben."
Spiel um Platz 3: USA - Lettland 3:4 n. V. (2:2/0:0/1:1/0:1)
Der erste Schuss brachte in der Verlängerung die Entscheidung, die die USA in ein Tal der Tränen schickt und Lettland in den siebten Himmel. Der Co-Gastgeber holte im finnischen Tampere sensationell die Bronzemedaille durch das Siegtor von Kristians Rubins, der sowohl den späten Ausgleich zum 3:3 erzielte, als auch nach 1:22 Minuten in der Verlängerung mit dem 4:3 für die Entscheidung sorgte. Es ist die erste IIHF-Medaille für das kleine baltische Land überhaupt.
In der Verlängerung trug der lettische Kapitän Kaspar Daugavins den Puck in die US-Zone und spielte einen Pass mit der Rückhand auf den Schlittschuh von Verteidiger Lane Hutson. Der Puck prallte zu Rubins, der ihn mit einem unvergesslichen Tor hoch einschoss.
Angetrieben von der unglaublichen Unterstützung der Fans in der Nokia-Arena am Sonntag wollten die Letten unbedingt diese historische Bronzemedaille. Sie spielten mit Herz und Verzweiflung, gingen im ersten Drittel zweimal in Führung und schafften dann sechs Minuten vor Ende der regulären Spielzeit den Ausgleich.
Die USA waren angetreten, ihre 63-jährige Goldmedaillen-Durststrecke bei Eishockey-Weltmeisterschaften zu beenden und fahren nach den Niederlagen gegen die Außenseiter Deutschland am Samstag im Halbfinale (3:4 n.V.) und Lettland am Sonntag mit leeren Händen nach Hause. Das Team mit den meisten Toren des Turniers spielte hart, aber es reichte nicht. Ein enttäuschendes Ergebnis, nachdem sie in ihren ersten acht Spielen ungeschlagen geblieben waren.

















