Greiss, Daws Grubauer liefern starke Spiele

Wenn bei einer Sportart ein Torwart mit im Spiel ist, dann ist es in Deutschland Tradition, dass von dort gute Keeper kommen. Eishockey macht da selbstverständlich keine Ausnahme. Am Samstag zeigten die deutschen Keeper in der NHL einmal mehr, was sie drauf haben. Doch nur für zwei reichte es am Ende auch zu einem Sieg.

Dass Philipp Grubauer NHL-Format hat, hat der gebürtige Rosenheimer schon hinlänglich unter Beweis gestellt. Seit der Saison 2012/13 spielt er auf höchstem Niveau in der besten Liga der Welt. Mit den Washington Capitals gewann er 2017/18 den Stanley Cup. Im Juli vergangenen Jahres entschied er sich, den Colorado Avalanche den Rücken zu kehren und als Unrestricted Free Agent einen Vertrag beim Expansionsteam Seattle Kraken zu unterschreiben.
Womöglich hatte er gehofft, dass die Kraken eine ähnliche Entwicklung nehmen wie die Vegas Golden Knights und von Anfang an im Kampf um den Titel ein Wörtchen mitreden. Nun, die erste Saison gleicht eher der typischen Debütsaison einer neuen Mannschaft in der NHL. Seattle "ziert" das Ende der Tabelle der Pacific Division. Das schlechteste Team in der Liga ist die Truppe von Coach Dave Hakstol allerdings nicht.

SEA@MTL: Grubauer stoppt Chiarot

Was die Punkte betrifft, so sind das die Montreal Canadiens. Bei eben diesen beendeten die Kraken am Samstag einen Roadtrip von fünf Spielen. Und dass sie sich nach vier Niederlagen zuvor wenigstens mit einem Sieg im Gepäck auf die Heimreise an die Pazifikküste machen können, lag zum Großteil an Grubauer. Der gab beim 4:3-Sieg nach Penaltyschießen in Montreal wie immer alles, um seiner Mannschaft die Chance auf den Sieg zu geben. Lediglich vor dem 1:1 der Canadiens durch Michael Pezzetta zeigte er eine kleine Unsicherheit. Er ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als ihn beim 3:3 mit Adam Larsson sein eigener Verteidiger überwand. 2:12 Minuten waren da im dritten Drittel noch zu spielen.
In der Verlängerung hielt Grubauer Seattle mit einem fantastischen Fanghandsave gegen Ben Chiarot im Spiel. Der Verteidiger der Canadiens hatte zuvor Calle Jarnkrog den Puck abgejagt und lief alleine auf den Deutschen Keeper zu. Im Penaltyschießen war dann kein Vorbeikommen am Oberbayern. Er hielt seinen Kasten bei allen sieben Versuchen sauber. Im Penaltyschießen hatte er gegen Pezzetta auch ein bisschen Hilfe vom Pfosten, ehe Marcus Johansson als 14. Schütze den Bonuspunkt für die Gäste holte. Am Ende hatte Grubauer 30 Saves auf seinem Konto. Seattle gewann damit beide Spiele gegen die Canadiens in dieser Saison. Es war erst das zweite Mal seit 1967, dass ein Team im ersten Jahr die Canadiens zweimal besiegte.
"Wir haben heute einen guten Job gemacht, gut Druck aufgebaut, gut geklärt, und wir haben wichtige Saves in Unterzahl bekommen", sagte Hakstol. Das sei die Formel, die einem eine Chance gebe, selbst, wenn man sechs Strafzeiten nehme, was definitiv zu viel sei.
"Wir wollten nicht ohne einen Sieg nach Hause fahren. Den Erfolg haben wir uns hart erarbeitet", meinte Grubauer. Im dritten Drittel habe man es aber etwas zu spannend gemacht, spielte er darauf an, dass Seattle nach dem zweiten Abschnitt schon 3:1 vorne lag. Das Momentum müsse man nun mitnehmen.

ANA@NJD: Daws stoppt Zegras, Terry im Penaltyschießen

Das Momentum auf seiner Seite hatte auch Nico Daws. Der junge Keeper der New Jersey Devils musste mit seinem Team im Heimspiel gegen die Anaheim Ducks ebenfalls ins Penaltyschießen, bevor die Gastgeber mit 2:1 beide Zähler unter Dach und Fach hatten. Während Grubauer mit knapp 260 NHL-Partien in der regulären Saison und über 30 Spielen in den Stanley Cup Playoffs schon ein alter Hase ist, steht Daws, geboren in München und in der Saison 2020/21 zehnmal für den ERC Ingolstadt in der DEL auf dem Eis, mit gerade mal einem Dutzend Einsätzen noch am Anfang seiner NHL-Karriere.
Doch mit solchen Leistungen wie gegen Anaheim werden es mit Sicherheit noch viel mehr werden. 33 Paraden hatte er in der Statistik stehen. Wie Grubauer, so war auch Daws, der sowohl die deutsche als auch die kanadische Staatsbürgerschaft hat, mit dem Pfosten im Bunde - gegen Adam Henrique im ersten Drittel. In diesem musste er auch das einzige Mal hinter sich greifen. Beim Schuss von Troy Terry genau in den Winkel war er machtlos.
Doch danach brachte er die Ducks-Angreifer regelmäßig zur Verzweiflung. Vor allem gegen Henrique und Terry zeigte er seine Klasse. In der Verlängerung war er in einer Szene gleich doppelt gegen Henrique und Trevor Zegras zur Stelle. Anschließend hielt er in seinem ersten Shootout auf NHL-Level seinen Kasten sauber, entschärfte die Penaltys von Zegras und Terry. Auf der anderen Seite trafen Tomas Tatar, der auch das 1:1 erzielt hatte, und Jesper Bratt, sodass sich Daws und die Devils über einen weiteren Sieg freuen durften.
"Zu gewinnen fühlt sich wirklich gut an", meinte Daws nach dem Spiel. Es sei ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt gewesen. Mal sei es für die Devils nach oben gegangen, und ein bisschen auch nach unten. "Aber unterm Strich hat es viel Spaß gemacht."
Spaß hätten eigentlich auch Thomas Greiss und die Detroit Red Wings haben können. An der Leistung des gebürtigen Füsseners lag es auch nicht, dass die Red Wings 0:3 bei den Calgary Flames verloren. 40 Paraden hatte der Routinier am Ende in seiner Statistik stehen. Lange gab er den Gästen im Scotiabank Saddledome die Chance, Zählbares aus Alberta mitzunehmen. Im ersten Drittel rettete er unter anderem gegen Michael Stone, Rasmus Andersson und Dillon Dube. Lediglich der Schuss von Elias Lindholm nach gut neun Minuten war zu platziert.
Im zweiten Drittel entschärfte er ein Break von Nikita Zadorov und hatte auch etwas Glück, als ihm der Schuss von Matthew Tkachuk durch die Schoner schlüpfte, der Schweizer Pius Suter aber für ihn kurz vor der Torlinie klärte. "Ich denke, Greiss hat richtig gut gespielt", lobte Detroits Coach Jeff Blashill seinen Schlussmann. "Er hat uns im Spiel gehalten und ein paar richtig starke Paraden gezeigt, als wir zusammengebrochen sind."
Die Flames machten dann im dritten Drittel alles klar. Zuerst überwand Tyler Toffoli Greiss aus kurzer Distanz. Und beim dritten Treffer der Gastgeber, den Blake Coleman gutgeschrieben bekam, ging die Scheibe zuerst an den Pfosten, von da prallte sie an das Bein des Keepers und dann ins Tor. Hinzu kam noch, dass Greiss' Gegenüber, Jacob Markstrom, seinen Kasten erneut sauber hielt. Für den Schweden war es bereits der neunte Shutout in der Saison, womit er einsame Spitze in der NHL ist.