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Die NHL-Teams haben durch den späteren Beginn der Saison 2020/21 ihre unter Vertrag stehenden europäischen Spieler, insbesondere jüngeren Alters, teilweise an Mannschaften in Europa verliehen, um ihnen frühzeitig Spiel- und Trainingspraxis zu verschaffen. NHL.com/de wird in einer wöchentlichen Serie über einzelne dieser Spieler berichten, wie sie ihre Zeit bis zum Start der kommenden NHL-Saison überbrücken. In der heutigen Ausgabe: Denis Malgin.

Mit sechs Toren und drei Assists in acht Spielen dieser Saison 2020/21 ist Denis Malgin beim derzeitigen Spitzenreiter der Schweizer National League HC Lausanne gut gestartet. Der Schweizer Stürmer der Toronto Maple Leafs liegt mit seinen neun Punkten auf dem sechsten Platz der Scorerwertung und dem dritten Platz bei den Torschützen. Eine beachtliche Bilanz, die sich zeigen kann und sicher auch bei den Verantwortlichen in Toronto um General Manager Kyle Dubas wahrgenommen wird.
"Es ist nicht einfach, wenn man lange nicht gespielt hat. Ich habe es die ersten Spiele gemerkt", erzählt Malgin im Telefoninterview mit NHL.com/de. "Trainieren ist schließlich etwas anderes als Spielen. Aber ich fühle mich jedes Spiel besser. Langsam komme ich wieder rein."

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Damit ist genau der Effekt erfüllt, der mit seiner Ausleihe nach Lausanne erreicht werden soll. Am 2. Oktober verlängerte Malgin seinen auslaufenden Vertrag mit den Maple Leafs um ein weiteres Jahr mit einem Verdienst von 700.000 US-Dollar. Sein mit den Florida Panthers, die ihn im NHL Draft 2015 in der 4. Runde an insgesamt 102. Stelle gezogen hatten, im Sommer 2019 geschlossener Kontrakt wäre am 9. Oktober ausgelaufen. Das Arbeitspapier und die Rechte an dem Stürmer hatte Toronto im Rahmen eines Wechsels im Februar zur Trade Deadline übernommen.
Malgin war in seiner Jugend beim EHC Biel-Bienne und dann in der Organisation der ZSC Lions tätig, bei denen er 2014 auch sein Debüt in der National League feierte und so seinen Weg in die NHL ebnete. Doch warum hat er sich jetzt Lausanne angeschlossen, obwohl viele andere Schweizer Eishockeyspieler ihren Heimatklub verstärken?
"Es gab schon frühzeitig Planungen, dass wenn die Saison in der NHL nicht rechtzeitig anfangen sollte, ich dann woanders spielen kann. Das wäre gut für meine Entwicklung", führt Malgin aus. "Mein früherer Agent Petr Svoboda ist jetzt der Chef beim HC Lausanne. So ergab sich der Kontakt zu diesem Team. Wir hatten ein interessantes Gespräch. Ich habe auch mit anderen Teams gesprochen. Aber Lausanne war für mich die beste Lösung."
Mit Craig MacTavish verfügt Lausanne seit Februar 2020 außerdem über einen Trainer mit sehr viel NHL-Erfahrung und -Kontakten. Eine Tatsache, die Malgin entgegenkommen dürfte. Von 1980 bis 1996 war der jetzige Coach über 1.000 Spiele für die Boston Bruins, Edmonton Oilers, New York Rangers, Philadelphia Flyers und St. Louis Blues als Spieler aktiv. Vier Mal (1987, 1988, 1990 und 1994) gewann er in dieser Zeit den Stanley Cup. Als Trainer stand er unter anderem mit den Oilers 2006 im Stanley Cup Finale und wurde später von 2013 bis 2015 deren General Manager.

"MacTavish ist ein absoluter Fachmann, von dem man viel lernen kann", äußerst sich Malgin sehr positiv über den 62-jährigen Trainer. "Das kann mich in meiner Entwicklung und weitere Grundlagen für die NHL zu schaffen, nur fördern."
Dieser gibt das Lob indirekt zurück, indem er Malgin in der Top-Reihe neben Charles Hudon und Brian Gibbons einsetzt, die prächtig miteinander harmoniert. So will Malgin neben der Spielpraxis viel Selbstvertrauen für das anstehende Trainingscamp der Maple Leafs und die folgende Saison sammeln. Mit einem Vorteil für Spieler wie ihm, wie er feststellt.
"Ich denke Spielpraxis ist sehr wichtig", verdeutlicht Malgin. "Es gibt ja Spieler zum Beispiel aus Ottawa, Anaheim oder den Farmteams, die bis zum Beginn der Trainingscamps schon mindestens neun Monate nicht mehr gespielt haben werden. Es wird definitiv nicht einfach für sie zurückzukommen. Aber es gibt ja nicht nur mich, sondern viele andere versuchen ebenfalls Spielpraxis zu bekommen. Aber für alle, die es schaffen, wird es definitiv ein Pluspunkt sein. Wie ich schon sagte, Trainieren ist das eine, aber Spielen ist noch einmal etwas anderes."
In Toronto, bei der starken Konkurrenz in der Offensive um die Stars Auston Matthews, John Tavares und Mitch Marner, dürfte es für Malgin trotzdem nicht einfach werden, einen der begehrten Plätze im Kader zu erhalten. Doch kampflos will er das Feld nicht räumen.
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"Es ist eine gute Chance für mich, denn ich fühle mich wieder ein Jahr reifer", stellt Malgin heraus. "Wir werden sehen was am Ende rauskommt, aber ich bin bereit, um einen Platz zu kämpfen und werde alles dafür tun."
Schließlich haben die Maple Leafs mit der Verpflichtung von Joe Thornton im Oktober noch einen Coup gelandet. Der Kanadier ist ein bekennender Liebhaber der Schweiz und spielt derzeit und nicht zum ersten Mal in seiner Laufbahn beim HC Davos mit. Malgin ist begeistert, ihn zukünftig als Teamkameraden zu haben.
"Es ist cool, dass Toronto einen solchen Spieler verpflichtet hat", schwärmt er. "Ich habe bisher nur gegen ihn und nie mit ihm gespielt. Ich weiß, dass er den Sommer schon häufiger in Davos verbracht hat. Er ist ein sehr guter Eishockeyspieler und er wird nach seiner Karriere eine Legende sein. Von daher freue ich mich darauf, mit ihm in einem Team zu spielen."