In dieser Ausgabe: Die Entwicklung des Frauen-Eishockeys in Deutschland
In Deutschland flog Frauen-Eishockey lange unter dem Radar. In den letzten Jahren aber wurden Schritte eingeleitet, um das Thema besser in die Öffentlichkeit zu rücken und insbesondere mehr junge Frauen für diesen Sport zu begeistern.
"Frauen-Eishockey konnte sich lange nicht durchsetzen. Der Durchbruch kam für mich erst mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen 1998 in Nagano", blickt DEB-Sportdirektor Christian Künast zurück. "Mittlerweile hat es einen viel höheren Stellenwert bekommen, sowohl bei uns im Verband, als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Der Sport ist besser und professioneller geworden, das Tempo ist höher und das Spiel ist schön anzuschauen."
Künast selbst hat sich die Entwicklung des Eishockeys in Deutschland, insbesondere auch im Frauen-Bereich, auf die Fahnen geschrieben. "Natürlich ist es für uns ein sehr wichtiges Standbein im Sportverband", erklärt Künast im exklusiven Gespräch mit NHL.com/de. "Ich kann aus Überzeugung behaupten, in den letzten drei Jahren viele Dinge angeschoben zu haben. Wir haben die Zahl der Trainer und das des Staffs angehoben und wollen ähnlich wie bei den Männern regelmäßige Maßnahmen bis runter in die U16 planen. Wir haben also den Frauen-Bereich an den der Männer angeglichen."
Jede Menge Leidenschaft
Der DEB-Sportdirektor begleitet in seiner Funktion nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen und outet sich als großer Fan des Frauen-Eishockeys in Deutschland: "Ich schaue mir es gerne an. Früher war das anders, das gebe ich gerne zu. Jetzt fahre ich mit Freude zu den Spielen. Ich mag diesen Sport und das Umfeld. Mich beeindruckt, wie sie an die Sache herangehen. Ich sage nur ein Wort: Leidenschaft", so Künast. "Sie opfern viel für den Sport. Ein Beispiel: Ein Verein muss dreimal in der Woche in verschiedenen Stadien trainieren. Ich glaube, bei männlichen Nationalspielern wäre da der Aufschrei groß. Sie nehmen das aber hin und geben alles für ihren Sport. Sie sind nebenher berufstätig oder studieren und finden trotzdem immer einen Weg."
Um mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu generieren, braucht das deutsche Frauen-Eishockey aber auch vor allem auch eines: Erfolg.
"Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gibt es alle vier Jahre eine Bühne - und die heißt Olympia. Auch durch die öffentlich-rechtlichen TV-Sender gibt es dann eine ganz andere Wahrnehmung, was der Sportart Eishockey guttut", weiß Künast. "Es zählt also immer auch die Leistung. Die Mädels haben die Olympischen Spiele 2022 leider verpasst, was sehr schade ist, denn sie hätten sich das verdient gehabt. Unsere Aufgabe als Verband ist es, es hinzubekommen, dass sie in den nächsten Jahren wieder dabei sind."
Ambitionierte Ziele
Das internationale Frauen-Eishockey wird dominiert von Kanada und den USA. Der Unterschied zu Deutschland ist riesig.
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"Es geht über die Masse, auch wenn sich das hart anhört", erklärt Künast. "In Nordamerika gibt es mehr Spielerinnen und damit auch eine höhere Talentdichte. Sie haben da acht bis zehn Jahre Vorsprung. Es wird schwer, das aufzuholen, denn auch Kanada und die USA bleiben in ihrer Entwicklung ja nicht stehen. Wir sollten uns eher an anderen Nationen wie Tschechien, Finnland oder der Schweiz orientieren. Dort wollen wir in den nächsten Jahren aufholen."
Konkret will der DEB nicht nur die aktuelle Frauen-Nationalmannschaft stärken, sondern vor allem auch in den Junioren-Bereich investieren. Für dieses Projekt hat sich der Verband kurz-, mittel- und langfristige Ziele gesteckt.
"Kurzfristig wollen wir in der Altersstruktur zwischen 14- und 20-Jährigen etwas verbessern, Stützpunktsysteme und einen geregelten Spielbetrieb für Frauen in diesem Alter schaffen. Mittelfristig gilt es, einen Unterbau an Nachwuchsspielerinnen aufzubauen, um eine höhere Leistungsdichte und Breite zu haben. Langfristig wollen wir auch die Ligen-Struktur angehen und an die höchste Männer-Spielklasse DEL anlehnen. Sprich: Zwölf Mannschaften, die auf hohem Niveau spielen und trainieren können. Das sind sehr ambitionierte Ziele, die einen langen Atem und rund zwölf bis 14 Jahre brauchen", führt Künast aus. "Ein großes Ziel aber steht über allem: Wir wollen uns für die nächsten Olympischen Spiele qualifizieren."
Frauen als Vorbilder
Im Männer-Bereich sind Spieler wie Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), Tim Stutzle (Ottawa Senators), Moritz Seider (Detroit Red Wings) oder Philipp Grubauer (Seattle Kraken) längst internationale Superstars und damit auch Aushängeschilder und Vorbilder für den deutschen Eishockey-Nachwuchs. Insbesondere das Frauen-Eishockey braucht also auch Gesichter und Identifikationsfiguren, um mehr junge Mädels für den Sport zu begeistern.