VGK@MTL, Sp3: Price rettet gegen Tuch

Nach dem hart erkämpften 3:2-Sieg nach Verlängerung in Spiel 3 des Stanley Cup Halbfinales gegen die Vegas Golden Knights richteten sich die Blicke bei den Montreal Canadiens zunächst auf den doppelten Torschützen Josh Anderson. Dieser hatte nicht nur für den vielumjubelten Siegtreffer in der 13. Minute der fälligen Overtime gesorgt, sondern seine Mannschaft mit dem späten Ausgleichstreffer zum 2:2, knapp zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit, auch überhaupt erst in die Extraschicht befördert.

Doch der eigentliche Held des Abends im Bell Centre war am Freitagabend ein anderer: Torhüter Carey Price hatte die Canadiens, die einen ungewöhnlich schwachen Start in das Spiel erwischt hatten, mit einer bärenstarken Leistung lange Zeit im Spiel gehalten und das Comeback der Hausherren damit erst ermöglicht.
Nachdem die Gäste aus Las Vegas deutlich besser in das Spiel gefunden hatten als die Canadiens, betrug das Torschussverhältnis aus Sicht der Gastgeber nach 40 Minuten acht zu 30. Dass es zu diesem Zeitpunkt, nach Toren von Nicolas Roy (25.) für die Golden Knights und Cole Caufield (24.) für Montreal 1:1-Unentschieden stand, war eigentlich nicht zu glauben.
"Ihr habt es doch auch alle gesehen. Seine Leistung war unglaublich. Man kann es gar nicht überbewerten, was er heute Abend für uns gemacht hat. Da waren diesmal wieder ein paar unglaubliche Paraden mit dabei. Ohne ihn hätten wir dieses Spiel nicht gewonnen, schätze ich", lautete daher auch das Fazit des Doppeltorschützen Anderson mit Hinblick auf die Leistung des eigenen Torhüters nach dem wichtigen Sieg.
Der Torwart von Montreal hielt sein Team, trotz der anfänglichen Unterlegenheit, im gesamten Spiel in Schlagdistanz, indem er etliche Großchancen, unter anderem von Alex Tuch (mit einem großartigen Pad-Stopp) oder auch vom ehemaligen Canadiens-Kapitän Max Pacioretty spektakulär stoppte.
Lobende Worte kassierte Price dafür hinterher auch von Abwehrveteran Shea Weber: "Er war heute wirklich unglaublich. Wir haben den Start in das Spiel leider komplett verschlafen. Erst später fanden wir dann besser ins Spiel. Carey hat uns dieses Spiel gerettet, gar keine Frage."
Am Ende betrug das Torschussverhältnis 45 zu 27 zu Gunsten der Golden Knights, sah damit nicht mehr ganz so trostlos aus Sicht der Kanadier aus, wie noch zu Spielbeginn, als Montreal offensiv so gut wie gar nichts gelungen war. Price verzeichnete in der Endabrechnung mit 43 Saves deutlich mehr Paraden als sein Gegenüber Marc-Andre Fleury, dem an diesem Abend offiziell 24 Rettungstaten gutgeschrieben wurden.

VGK@MTL, Sp3: Fleury stoppt den Versuch von Caufield

Besonders machte diesen Sieg der Canadiens auch die Tatsache, dass Trainer Dominique Ducharme, nachdem er wenige Stunden vor der Begegnung am Abend positiv auf COVID-19 getestet wurde, diesmal nicht an der Bande stehen durfte. Luke Richardson gab in Abwesenheit seines Chefs vor 3.500 Fans im Bell Centre sein Debüt als Hauptverantwortlicher in der NHL.
"Das war ein komischer Tag heute", befand er hinterher. "Als ich im Laufe des Morgens mitbekommen habe, dass ich heute die Verantwortung hinter der Bande hätte, da habe ich mich sofort an die Arbeit gemacht. Am Ende war der Ablauf gar nicht so viel anders als sonst. Mit dem Ausgang sind wir natürlich sehr glücklich. Der Sieg war auch für 'Dom', der sich sicherlich auch sehr gefreut haben dürfte."
Ganz ohne Ducharme lief der Tag auch nicht ab, wie Weber schilderte: "Der Coach war uns noch vor dem Spiel per Computer zugeschaltet und hat ein paar Sachen gesagt. Das hat uns geholfen, auch wenn 'Luke' es gut gemacht hat uns wir uns sehr wohl mit ihm in der Rolle gefühlt haben."
Dass die Stimmung im Lager der Canadiens hinterher so gut war, war lange Zeit nicht zu erwarten. "Das war wirklich ein verrücktes Spiel", fand auch Andersen. "Natürlich wollten wir besser starten. Price hat uns anfangs im Spiel gehalten. Zum Glück haben wir es im dritten Drittel noch hinbekommen das Spiel auszugleichen. Und am Ende waren wir die Glücklicheren, das muss man zugeben."
Matchwinner Price gab sich nach dem Spiel bescheiden, sprach statt von der eigenen Glanzleistung lieber vom Großen und Ganzen und der Situation, in der sich seine Mannschaft aktuell befindet. "Wir mussten im Laufe der Saison ja schon viele Rückschläge meistern. Dass der Coach heute nicht mit dabei sein konnte, passt da ins Bild. Aber wir bewältigen solche Situationen immer. Das ist eine besondere Mannschaft hier, mit viel Charakter. Das hat man auch heute wieder gesehen."
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Etwas Extra-Lob für den Keeper gab es dafür noch vom kurzfristigen Ersatzcoach. Dieser befand in Bezug auf den Galaauftritt des Torhüters: "Carey hat schon in den gesamten Playoffs hervorragend gehalten. Seine Leistung heute hat mich daher nicht überrascht. Es ist gut einen Torhüter wie ihn im eigenen Tor zu wissen", gab Richardson zu Protokoll.
Dieses Wissen dürfte den Canadiens auch am Sonntag zusätzliche Sicherheit verleihen, wenn es in Spiel 4 der Serie gegen die Golden Knights (8 p.m. ET; NHL.tv, DAZN; Mo. 2 Uhr MESZ) darum gehen wird den Vorsprung vor den eigenen Fans in Montreal weiter auszubauen, bevor es dann im Anschluss zu Spiel 5 der Serie zurück nach Nevada gehen wird.