Skip to main content

Capitals haben durch Abgänge an Substanz eingebüßt

Serie 31 in 31 von NHL.com/de: Washington muss entstandene Lücken durch junge Talente schließen

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Der Startschuss zur NHL-Saison 2017-18 steht zwar noch nicht unmittelbar vor der Türe, doch die Nachwuchs-Camps sind geschafft und die Trainingscamps in Sichtweite. Wir denken, dass es das Beste ist, die Sommerhitze im August mit Analysen Eurer Lieblingsteams zu bekämpfen.

Jeden Tag wird Euch NHL.com/de im Rahmen der 31 in 31 Serie mit fundierten Einschätzungen der Mannschaften versorgen.

Wo wird die Reise für den Liganeuling Vegas Golden Knights hingehen? Können die Pittsburgh Penguins ihre dritte Meisterschaft in Folge feiern? Welche Teams könnten uns alle überraschen?

Alle diese Fragen werden in den täglichen Artikeln beantwortet.

Heute analysieren wir die Washington Capitals:

Bilanz 2016/17: 55-19-8, 1. Platz in der Metropolitan Division

Playoffs 2017: 3:4 Niederlage in der 2. Runde gegen Pittsburgh Penguins

Trainer: Barry Trotz, seit Mai 2014

Neuzugänge: Devante Smith-Pelly, Taylor Graovac

Abgänge: Justin Williams, Marcus Johansson, Karl Alzner, Kevin Shattenkirk, Nate Schmidt, Daniel Winnik

Wo sie herkommen:

Die Washington Capitals laufen seit Jahren ihren Ansprüchen hinterher, zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Stanley Cup gewinnen zu wollen. Nach der Saison 2015/16 dominierten sie auch in der Saison 2016/17 die Metropolitan Division und gewannen am Ende wieder die Presidents' Trophy für das punktbeste Team der regulären Saison für die beste Ausgangsposition in die Playoffs. Trotzdem scheiterten sie erneut in der zweiten Runde am späteren Titelgewinner Pittsburgh Penguins. In der Folge suchten etliche Stammkräfte der Mannschaft das Weite und verließen die Hauptstadt.

Was sie änderten:

Auf den ersten Blick wiegen die Abgänge von einigen Leistungsträgern schwerwiegend, so dass es ein Anzeichen dafür sein könnte, die Dominanz der Capitals könnte ein Ende finden und das gewünschte Ziel zu erreichen in weite Ferne rückt.

"Die Leute können ihre eigenen Rückschlüsse ziehen", sagte Washington General Manager Brian MacLellan zu den Einschätzungen. "Ich denke wir werden als Organisation gestärkt aus der Situation hervorgehen und wir werden als Mannschaft besser sein, als das viele Leute jetzt denken und werden das hoffentlich auch beweisen."

Die Capitals verfügen mit ihrem verbliebenen Kern der Stürmer Alex Ovechkin, Nicklas Backstrom, Evgeny Kuznetsov und T.J. Oshie, die Verteidiger Matt Niskanen, Dmitry Orlov und John Carlson, sowie Torhüter Braden Holtby über genügend Potenzial in der NHL weiterhin eine gute Rolle zu spielen. Den Status als einer der Topfavoriten sollten sie aber eingebüßt haben.

Video: WSH@PIT, Sp6: Oshie vollendet Tic-Tac-Toe PP Tor

Durch die Vertragsverlängerungen mit den restricted Free Agents Kuznetsov (acht Jahre, $62,4 Millionen), Orlov (sechs Jahre, $30,6 Millionen), Andre Burakovsky (zwei Jahre, $6 Millionen) und Backup-Torhüter Philipp Grubauer (ein Jahr, $1,5 Millionen) hat Washington deutliche Gehaltssteigerungen locker gemacht, die am anderen Ende bei der Gehaltsobergrenze (Salary Cap) eingespart werden mussten, so dass die unrestricted Free Agents bis auf eine Ausnahme nicht gehalten werden konnten.

Diese heißt Oshie, der zusammen mit Ovechkin in 2016/17 mit 33 Treffern die interne Torschützenliste anführte. Sein auslaufender Vertrag wurde für acht Jahre und insgesamt $46 Millionen verlängert.

"Es war unser interner Fahrplan, dass wir einen der UFAs halten können und wir entschieden uns, es mit Oshie zu probieren, was erfolgreich war und wir verlängerten zusätzlich unsere RFAs", betonte MacLellan. "Wir haben also das erreicht, was wir uns vorgenommen hatten."

Der Verlust von Nate Schmidt im Expansion Draft an die Vegas Golden Knights war nicht überraschend, wiegt aber schwer, denn er hätte sicher zu den besten vier Verteidigern der Capitals in der kommenden Saison gezählt.
Der Abgang von Marcus Johansson in einem Trade mit den New Jersey Devils gegen zwei Draft Züge war indes weniger erwartet worden. Er setzte mit 24 Tore und 58 Punkte immerhin Karriere-Bestmarken, doch seine gut $4,5 Millionen Anrechnung auf die Gehaltsobergrenze wiegte zu schwer.

Video: WSH@PIT, Sp6: Burakovsky nutzt schnellen Gegenzug

"Johansson abzugeben war unsere letzte Option, um Freiräume für den Salary Cap zu schaffen", erzählte MacLellan. "Wir hatten gehofft, den einen oder anderen Vertrag günstiger abzuschließen, dann hätten wir andere Möglichkeiten gehabt, doch das war nicht der Fall, so dass wir Marcus abgeben mussten."

Durch die Änderungen wird der Kader der Capitals anders aussehen. Zwei ihrer sechs besten Stürmer und drei ihrer besten sieben Verteidiger sind weg und müssen adäquat ersetzt werden. Kandidaten dafür sind im Sturm der 22-jährige Burakovsky und Rookie Jakub Vrana, sowie die Verteidiger Madison Bowey (22), Christian Djoos (23), Tyler Lewington (22), Jonas Siegenthaler (20) und Lucas Johansen (19). Zwei der fünf Defensivleute könnten den Sprung in den Kader zum Saisonauftakt am 5. Oktober schaffen.

Indes hat sich Ovechkin bei seinem ersten Auftritt im Training der Capitals am Dienstag in einer körperlich besseren Verfassung gezeigt, als zuletzt. Der 32-jährige Russe scheint im Sommer ernst gemacht zu haben, um fitter in die neue Saison zu gehen. Seine 33 Tore waren sein schlechtester Wert in den letzten sieben Jahren.

Video: WSH@NYI: Grubauer stoppt Nelson vor dem Tor

Wie sie abschneiden könnten:

Washington wird auch in der Saison 2017/18 eine gute Rolle spielen. Der Kader hat aber deutlich an Qualität und Erfahrung eingebüßt. Inwieweit die jungen Talente diese Lücken füllen können wird sich zeigen müssen. Der Titelhattrick bei der Presidents' Trophy dürfte den Capitals unter diesen Voraussetzungen kaum gelingen. Doch das ist auch nicht das Ziel, sondern in den Playoffs besser und erfolgreicher aufzutreten.

Mehr anzeigen