Bundestrainer Söderholm erwartet hochklassiges Eishockey
International Ice: NHL.com/de hat mit dem Coach über das Olympia-Turnier und seine Hospitanz bei den Panthers gesprochen

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In dieser Ausgabe: Bundestrainer Toni Söderholm über Olympia und seine Hospitanz bei den Panthers
Bundestrainer Toni Söderholm erwartet ein hochklassiges Eishockey-Turnier bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking. "Durch die Teilnahme von Spielern aus der NHL werden wir ein sehr gutes Niveau zu sehen bekommen. Hinzu kommt, dass das Turnier mitten in der NHL-Saison stattfindet. Von daher denke ich, dass die Qualität noch besser sein wird als beim World Cup of Hockey 2016, der zu einem Zeitpunkt stattfand, an dem noch nicht alle eingespielt waren. Zudem rechne ich damit, dass die NHL-Spieler besonders motiviert sein werden, da sie letztes Mal bei Olympia nicht dabei waren", sagte er im Gespräch mit NHL.com/de.
Former Finnish #IIHFWorlds silver medallist Toni Soderholm has been named Marco Sturm's successor as head coach of the German men's national team. Tobias Abstreiter will leader the U20, Christian Kunast the women's team. https://t.co/cAbAJhvm0J
— IIHF (@IIHFHockey) December 20, 2018
Photo: Benedikt Siegert pic.twitter.com/8X8F4CatyL
Das olympische Turnier ist nach Ansicht von Söderholm vom Spielplan her eine Weltmeisterschaft im Kleinformat. "Es gibt eine Vorrunde und danach geht es in jedem Spiel um alles. Das bedeutet für uns, dass wir immer unsere beste Leistung abrufen müssen, wenn wir aufs Eis gehen", erläuterte er. Die deutsche Nationalmannschaft trifft in der Gruppe A auf Kanada, die USA und Gastgeber China. Das Auftaktmatch am 10. Februar gegen den großen Goldfavoriten Kanada wird gleich eine harte Bewährungsprobe und zudem ein Gradmesser, wo das Team steht.
Zwölf Teams nehmen am Turnier in Peking teil. Die drei Erstplatzierten und der beste Gruppenzweite sind direkt fürs Viertelfinale qualifiziert. Die übrigen acht Mannschaften treten in Ausscheidungsspielen gegeneinander an. Die Sieger dieser vier Duelle ziehen ebenfalls in die Runde der letzten Acht ein.
In den vergangenen zwei Wochen unternahm Söderholm eine Tour durch Nordamerika, um sich mit den dort aktiven Nationalspielern zu treffen. Diese Reise ist für den Bundestrainer ein fester Bestandteil seines Jahresprogramms. Wegen Corona und den damit verbundenen Reisebeschränkungen lag sein letzter Trip über den Atlantik aber schon eine Weile zurück. Zuletzt konnte er im März 2020 vor Ort sein.
Marcel Noebels pulls off a Forsberg move to send #Germany (coached by Finns Toni Soderholm and Ville Peltonen) to semifinals. #IIHFWorlds #IIHFWorlds2021 https://t.co/u7QeFbQEpn
— Pekka Jalonen (@PekkaJalonen) June 3, 2021
Die Spielerbesuche sind laut Söderholm eine wichtige Gelegenheit zum Austausch. "Es geht darum, dass die Spieler aus erster Hand erfahren, wo die Nationalmannschaft im Großen und Ganzen steht und wie die Stimmung im Team ist. Wir haben diesmal natürlich ausführlich über die Planungen für Olympia und auch fürs WM-Turnier gesprochen. Es ist wichtig für die Spieler, dass sie dieses Forum haben. Sie sollen wissen, dass wir immer für sie da sind, wenn sie etwas brauchen."
Was seine Schützlinge bei den Spielen boten, bei denen er auf der Tribüne saß, erfüllte ihn mit Zufriedenheit. "Die Jungs haben starke Spiele abgeliefert. Sie sind gut unterwegs", betonte der Nationalcoach. Neben den NHL-Cracks Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers, Philipp Grubauer von den Seattle Kraken, Moritz Seider von den Detroit Red Wings, Tim Stützle von den Ottawa Senators und Nico Sturm von den Minnesota Wild gibt es auch in der AHL eine Reihe von Akteuren, die sich Hoffnungen machen dürfen, bei Olympia für Deutschland aufzulaufen. Es handelt sich um JJ Peterka von den Rochester Americans, Lukas Reichel von den Rockford IceHogs, Leon Gawanke von den Manitoba Moose und Marc Michaelis von den Toronto Marlies.
"Was die Zweikampfhärte, die Technik und die Schnelligkeit angeht, ist in Nordamerika alles einen Tick besser als in Europa. Außerdem sind die Spieler dort an die kleinere Eisfläche gewöhnt. Ich erhoffe mir, dass sie diese Qualitäten ins Team einbringen", so Söderholm. Allerdings sei es keineswegs ausgemacht, dass alle deutschen Spieler aus Nordamerika das Nationaltrikot bei Olympia überstreifen werden. "Es kommt darauf an, welche Rolle sie in ihrem Team spielen und auf welcher Position im Kader wir noch Bedarf haben", sagte der Bundestrainer.
Als entscheidenden Faktor auf internationaler Ebene bezeichnete er das Umschaltspiel. "Das ist in jüngster Vergangenheit immer wichtiger geworden. Bei Scheibengewinn oder -verlust muss man in der Lage sein schnell zu reagieren", führte Söderholm aus. Dieses Gütemerkmal zu besitzen, sei ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl seiner Spieler. Hinzu kämen die Fähigkeiten zu Problemlösungen mit und ohne Puck und der Wille, sich komplett in den Dienst der Mannschaft zu stellen.
Im September hospitierte der Bundestrainer auf Einladung von General Manager Bill Zito zwei Wochen bei den Florida Panthers. Dort bekam er ebenfalls einen Eindruck, worauf es derzeit im Spitzeneishockey ganz besonders ankommt. "Das Tempo ist enorm hoch. Wir müssen daher die Spieler bei uns so ausbilden, dass sie es mitgehen können. Da spielen aber nicht nur schlittschuhläuferische Fähigkeiten mit rein, sondern auch technische. Und wie schon gesagt: Tempo, Zweikampfhärte und Spielschnelligkeit sind wesentliche Gesichtspunkte, bei denen wir uns weiter steigern müssen", beschrieb er eine der zentralen Erkenntnisse aus seinem Florida-Aufenthalt.
Darüber hinaus freute es ihn, dass sein Rat bei den Panthers ebenso gefragt war. "Ich konnte meinen speziellen europäischen Blick einbringen. Es war für die Kollegen in den USA hoffentlich interessant, noch einmal eine andere Stimme zu hören, zum Beispiel beim Videostudium. Wir gehen an manche Situationen in Europa anders heran, als man das hier macht. Das Gleiche gilt für die Trainingsgestaltung. Von diesen Diskussionen profitieren beide Seiten", sagte Söderholm.
Sein aktueller Kontrakt als Bundestrainer läuft bis einschließlich der WM 2022. Und er scheint nicht abgeneigt, einen Anschlussvertrag zu unterzeichnen, will sich bei dieser Entscheidung jedoch Zeit lassen. "Wir führen offene Gespräche. Ich habe mir aber keine Deadline gesetzt. Es kommt ein wenig darauf an, welche Stellen sich öffnen und welche nicht. In dem Rennen muss ich irgendwo dabeibleiben", betonte Söderholm.

















