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Moritz Seider (25) und Tim Stützle (24) verbindet mehr als nur eine langjährige Freundschaft. Obwohl der eine für die Detroit Red Wings verteidigt, der andere für die Ottawa Senators stürmt und somit beide Rivalen in der Atlantic Division sind, treiben sie sich im Sommer gegenseitig zu Höchstleistungen an. Im Rahmen der European Player Media Tour sprachen beide über ihre einzigartige „Bromance“.

Gemeinsames Schwitzen im Sommertraining

„Ich hatte das Glück, mit Mo trainieren zu können. Das hat viel mehr Spaß gemacht, als alleine“, blickt Stützle auf seine Sommervorbereitung zurück.

„Es war großartig“, bestätigt auch Seider. „Ich denke, ohne Tim wäre ich nicht in der Lage, in der ich mich gerade befinde, einfach weil wir zwei Charaktere sind, die nicht Zweiter werden können. Es muss aber immer einen Zweiten geben. Das hilft uns dabei, auf ein höheres Level zu kommen, in jedem Aspekt, auf und neben dem Eis. Wir haben also eine gesunde Rivalität und haben einen Weg gefunden, auch mal einen zweiten Platz zu akzeptieren. Aber das motiviert uns, in anderen Bereichen dann noch härter zu arbeiten, um den anderen dort zu schlagen. Das ist unser Ding.“

Also bestritten die beiden immer wieder kleine Wettkämpfe, um sich gegenseitig zu motivieren und anzutreiben.

14-Spiele-Punkteserie: Tim Stützle stellt seine persönliche Bestmarke ein!

„Beim Toreschießen gegen einen Verteidiger würde ich aber niemals angeben“, lacht Stützle. „Mo und ich treiben uns gegenseitig an. Jeder will der Beste sein. Aber wir sind auch richtig enge Freunde. Ich würde ihn als einen meiner besten Freunde bezeichnen. Ich wünsche ihm immer nur das Beste. Aber wenn wir im Kraftraum oder auf dem Eis gegeneinander antreten, möchte jeder gewinnen.“

Der eine oder andere provokante Spruch dürfte sicher trotzdem gefallen sein - auch wenn Seider das mit einem breiten Grinsen abstreitet: „Nein, damit haben wir schon vor langer Zeit aufgehört. Das liegt auch daran, dass so etwas oft recht schnell zurückkommt. Es gibt so viele Dinge, in denen wir uns messen können, da ist es leichter, die Klappe zu halten und den Sieg zu akzeptieren.“

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Vom Spielertyp her könnten die beiden Deutschen kaum unterschiedlicher sein. Seider ist Verteidiger, Rechtsschütze und mit 1,88 Metern und 95 Kilogramm eine Abrissbirne auf zwei Kufen. Seine Checks, insbesondere seine Reverse-Hits, die er unabhängig vom Namen seiner Gegenspieler austeilt, sind ligaweit berüchtigt. Nicht wenige sprechen von „seidern“, wenn der Mann aus Zell (Mosel) hart auf den Körper spielt. Mit 410 NHL-Spielen in Serie jagt Seider außerdem den Ironman-Rekord.

„Ich klopfe auf Holz, dass es für ihn so weitergeht“, sagt Stützle über Seider und klopft tatsächlich mit dem Fingergelenk auf den Untergrund. „Ich sehe an jedem Tag im Sommer, wie hart er arbeitet. Wir sind sehr eng, haben dieselben Trainer. Mo ist ein harter Spieler und hat trotz Verletzungen gespielt, die viele nicht mitbekommen haben. Keiner kann so Hockey spielen wie er es tut, ohne dabei kleinere Verletzungen zu erleiden. Er verpasst nie ein Spiel, was fantastisch ist.“

Stützle ist Stürmer, Linksschütze und steht mit 1,84 Metern und 87 Kilogramm eher für Schnelligkeit, Explosivität, Spielfreude und Torgefahr. In der abgelaufenen Saison war er bester Torjäger (34 Tore), Vorbereiter (49 Assists) und Scorer (83 Punkte) seiner Mannschaft.

„Ich denke, er ist immer noch ein unterschätzter Spieler, der offensiv und defensiv gut spielt und ein echter Kämpfer ist“, sagt Seider über Stützle.

PHI@DET: Seider mit einem Tor und vier Assists

Doch die beiden haben auch viele Parallelen: Beide wurden bei den Jungadlern Mannheim ausgebildet und feierten ihr Profi-Debüt bei den Adlern Mannheim in der DEL. Beide wurden in der 1. Runde gedraftet, Seider im NHL Draft 2019 an 6. Stelle, Stützle ein Jahr später, im Draft 2020, an dritter Stelle. Beide legten eine steile NHL-Karriere aufs Eis. Beide gelten als potenzielle Nachfolger für das Kapitänsamt in ihren Klubs: Seider könnte in Detroit auf Dylan Larkin folgen, Stützle in Ottawa auf Brady Tkachuk.

Seider freut sich auf Stützles „Homecoming“

Wenn die Senators kurz vor Weihnachten (18. und 20. Dezember 2026) im Rahmen der NHL Global Series Germany nach Deutschland kommen, um zwei Spiele der regulären Saison im PSD Bank Dome in Düsseldorf gegen die Chicago Blackhawks absolvieren, freut sich Seider aus der Ferne für seinen Freund mit.

„Es ist nahe zu seinem Heimatort (Viersen). Für ihn wird es also etwas ganz Besonderes werden. Ich hoffe, er kann es voll genießen, denn er ist ein Spieler, der sich selbst immer viel Druck macht, insbesondere bei solch großen Events. Viele Fans werden für ihn jubeln. Ich hoffe, dass das auch von den Zuschauern in Nordamerika gesehen wird“, so Seider, der selbst noch in den Genuss eines Hauptrundenspiels in der Heimat kommen möchte: „Natürlich willst du, dass dein eigenes Team nach Hause kommt und du etwas von unseren Traditionen zeigen kannst. Vor uns liegen spannende Zeiten. Natürlich möchte ich auch selbst mal ein paar Spiele in Deutschland spielen.“

Im nächsten Sommer - so viel sollte feststehen - dürfte Stützle bei den schweißtreibenden Einheiten viel zu erzählen haben.

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