Zuvor hatte der heute 29-jährige Landshuter harte Jahre hinter sich bringen müssen, ehe er am 9. Januar 2016 im Alter von fast 24 Jahren sein NHL-Debüt feiern konnte. Er galt als ewiges Talent und erhielt nicht die Wertschätzung und Anerkennung, die ihm als hart arbeitender Spieler vielleicht zugestanden hätte. Doch Kühnhackl blieb eisern dran, während viele andere in seiner Situation frühzeitig die Flügel gestreckt hätten und in die Heimat zurückgekehrt wären.
Diese Eigenschaften braucht der Stürmer jetzt wieder, denn eine in den Stanley Cup Playoffs 2020 erlittene, langwierige Schulterverletzung mit anschließender Operation kam zur Unzeit, weil sein Vertrag bei den New York Islanders, zu denen er im Sommer 2018 aus Pittsburgh gewechselt war, am Saisonende auslief. Zwar durfte Kühnhackl im Januar mit einem Probevertrag bei den Islanders trainieren, doch dort war er lediglich unter den Fittichen von Landsmann Dennis Seidenberg, der die Rekonvaleszenten und Ergänzungsspieler der Islanders betreut.
Seit 4. Februar läuft der Spielbetrieb in der AHL und Kühnhackl schloss sich den Bridgeport Sound Tigers, dem Farmteam der Islanders an. Von dort will er seinen Weg zurück in die NHL schaffen, wie er im exklusiven Interview mit NHL.com/de am Freitag verriet. Doch bis jetzt läuft es noch nicht so rund, weder für ihn noch für die Mannschaft. Trotzdem war Kühnhackl bester Stimmung und äußerte sich nicht nur über dieses Thema sehr ausführlich.
Ist deine Verletzung vollständig auskuriert und wie fühlst du dich?
"So einhundertprozentig fühle ich mich noch nicht. War halt doch eine etwas größere Operation. Es hat leider länger gebraucht, als wir alle gedacht haben. Zum Glück hatte ich etwas mehr Zeit, es gut auszukurieren und bin jetzt einfach nur froh, dass ich wieder Eishockey spielen kann."
Wie zufrieden bis du mit deinen ersten acht Spielen mit einem Assist als Ausbeute?
"Natürlich erwartet man offensiv von sich mehr. Aber über die letzten Jahre habe ich eine andere Position in der Mannschaft entwickelt, wo ich mehr defensiv orientiert bin und der Mannschaft in anderen Situationen helfe, wie im Unterzahlspiel oder in der eigenen Zone kurz vor Schluss. Ich versuche das hier auch so gut wie möglich zu machen. Es ist natürlich schwierig, weil wir doch einige Spiele hintereinander verloren haben. Aber jetzt müssen wir schauen, dass wir das Ruder herumreißen und wieder in die andere Richtung kommen, das heißt ein paar Spiele hintereinander gewinnen."
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Ihr habt nur zwei Siege aus den ersten acht Spielen eingefahren. Was muss besser werden?
"Wir müssen schauen, dass wir einmal komplette 60 Minuten spielen. Ich glaube, wir haben in jeden Spiel das erste Drittel komplett dominiert und dann im zweiten Drittel auch noch gut gespielt, aber im dritten Drittel, ich weiß es nicht. Wie wenn wir mental nicht so stark wären. Da fallen wir immer ein bisschen auseinander und dann kriegen wir drei Tore und wenn man im letzten Drittel drei Tore kriegt, dann ist es natürlich schwierig, dass man das Spiel gewinnt. Vor allem die letzten paar Spiele haben wir offensiv nicht viel gemacht. Ich glaube, wir haben in diesen nur ein Tor bei fünf gegen fünf geschossen. Dann ist es schwierig Spiele zu gewinnen. Wir müssen wie gesagt 60 Minuten durchspielen, dann können wir auch mehr Siege feiern."
Wie fühlt sich das für dich an, jetzt einer der Senioren im Team zu sein?
(lacht) "Ich habe genau gewusst, dass diese Frage kommen wird. Ja, es ist natürlich was Neues. Am Anfang, wie ich die erste Woche da war, war mir das nicht so bewusst. Aber so über die Wochen lernt man sich besser kennen. Dann merkt man, dass man im älteren Teil dabei ist, was ich in den Jahren zuvor nicht so gewohnt war. Es ist aber auch schön, wenn man den jüngeren Spielern, den richtigen Weg weisen und denen so gut wie möglich helfen kann."
Warum hat es deiner Meinung nach mit einem Vertrag bei den Islanders nicht funktioniert?
"Es gab sehr viele und lange Gespräche. Aber wie gesagt mit meiner Schulter gab es viele Fragezeichen, ob ich überhaupt jemals wieder Eishockey spielen kann, weil es dieselbe Schulter war, an der ich schon einmal etwas hatte. Das war ein größerer Eingriff und es war nicht klar, ob das überhaupt halten würde. Ich bin einfach nur froh wieder zu spielen und hoffe, dass das mein Körper noch ein paar Jahre durchhalten wird und ich den Sport noch länger aktiv betreiben kann."
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Wie sieht dein weiterer Karriere-Plan aus?
"Ich konzentriere mich auf diese Saison. Mit dem ganzen Corona-Schmarrn, das muss jetzt endlich mal aufhören und zu Ende gehen, dass wieder Normalität in den Alltag zurückkehrt. Wir schauen jetzt einfach mal, dass wir diese Saison so gut wie möglich beenden. Ob es in der AHL Playoffs gibt, wissen wir ja auch noch nicht. Dann kommt die Weltmeisterschaft und nächstes Jahr Olympia. Ich will so gut wie möglich spielen und der Mannschaft helfen. Dann schaue ich einfach, wie es weitergeht."
Inwiefern hilft dir deine Erfahrung, denn du hattest vor deinem NHL-Debüt auch lange darum kämpfen müssen, an diesen Punkt zu kommen?
"Ich habe ja alles in meiner Laufbahn schon miterlebt. Von der East Coast bis in die AHL und dann NHL, Verletzungen, Trade. Da war schon alles dabei. Von daher weiß ich, wie man mit der Situation umgeht. Klar, wird das immer schwieriger, aber man muss positiv bleiben und an sich selber arbeiten. Das mache ich gerade. Ich hoffe natürlich, dass ich eines Tages wieder in der NHL spielen kann."