IslandersBench

Ab dem 1. November nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.
In dieser Ausgabe geht es um die New York Islanders.

Mit 80 Punkten aus 68 Spielen und einer Punktgewinnquote von 58,8 Prozent lagen die New York Islanders am Tag der Saisonunterbrechung 2019/20 geringfügig unter ihrem im Vorjahr vorgelegtem Wert von 62,8 Prozent.
Dennoch waren sie in der Postseason 2020 eine der großen, positiven Überraschungen. Erst im Eastern Conference Finale war für die seit 2018 von Trainer Barry Trotz betreute Mannschaft Schluss. Mit 2:4-Siegen unterlagen die Islanders dem späteren Stanley Cup Champion Tampa Bay Lightning.
Den Islanders dürfte es nicht leicht fallen, an die erfolgreiche Saison 2019/20 anzuknüpfen. Das Franchise aus Long Island will das anspruchsvolle Unterfangen trotzdem angehen.
Bilanz 2019/20:35-23-10, 7. Platz in Eastern Conference
Postseason 2020:Eastern Conference Finale; 2:4 gegen Tampa Bay lightning
Trainer: Barry Trotz, 3. Saison
Zugänge:G Ilya Sorokin
Abgänge: G Thomas Greiss, D Devon Toews, RW Tom Kühnhackl, LW Matt Martin, C Derick Brassard

varlamov sorokin

Die ersten Wochen der Offseason verliefen bei den Islanders vergleichsweise ruhig. Es gab kaum namhafte Personalwechsel beim Team aus Long Island. Aus deutscher Sicht war der Abgang von DEB-Nationaltorhüter Thomas Greiss, der sich nach Vertragsende im Oktober als Unrestricted Free Agent den Detroit Red Wings anschloss, noch die prominenteste Personalie.
Beim Eastern Conference Finalisten 2020 gibt es noch einen weiteren Grund, der die Personalplanungen erschwert. Da der Salary Cap mit 81,5 Millionen US-Dollar für die kommende Saison unverändert bleibt, verfügt die Organisation über nur sehr wenig finanziellen Spielraum.
Dieser führte schon dazu, dass mit Devon Toews ein Top-Verteidiger am 12. Oktober in einem Trade mit den Colorado Avalanche im Tausch gegen Draft-Picks abgegeben werden musste.
Der Abgang eines dermaßen etablierten Defensivspezialisten mit zuletzt durchschnittlich 20:30 Minuten Eiszeit war sicherlich nicht das, was Trainer und General Manager der Islanders sich im Vorfeld dieser Offseason gewünscht hätten. Doch Coach Trotz und GM Lou Lamoriello hatten aufgrund des engen Finanzrahmens nahezu keine Wahl. Noah Dobson, ein Erstrundenpick aus dem NHL Draft 2018 soll ihn zukünftig teamintern ersetzen.

DOBSON HEADER

"Wir hätten diese Transaktion sicherlich nicht gemacht, wenn Devons Vertrag nicht im kommenden Sommer ausgelaufen wäre. Aber wir sind sicher, dass Noah die Fähigkeiten hat seine Rolle einzunehmen. Er ist bereit für den nächsten Schritt", gab sich Lamoriello zuversichtlich den Abgang im Idealfall nahtlos kompensieren zu können.
Auch im Tor der New Yorker wird nach dem Abgang von Greiss ein neues Gesicht stehen. Ilya Sorokin soll den Platz des erfahrenen Greiss hinter Semyon Varlamov einnehmen, der sich im Zweikampf mit dem Deutschen um die Rolle als Nummer eins in der Postseason klar durchgesetzt hatte. Nach fünf starken Spielzeiten in der russischen KHL, in denen er sich als ein überdurchschnittlich guter Keeper bewährte, wird Sorokin der Schritt in die NHL von vielen Seiten zugetraut.
Auch eine Verpflichtung von Veteran Cory Schneider, der bei den New Jersey Devils am 8. Oktober aus seinem laufenden Vertrag herausgekauft wurde, war lange Zeit in der Diskussion.
Schneider, den der GM noch aus seinen Zeiten in New Jersey gut kennt, da dieser ihn im Jahre 2013 von den Vancouver Canucks zu den Devils lotste, steht bei Lamoriello hoch im Kurs. "Ich hatte einige Gespräche mit Corey in den vergangenen Tagen. Es ist gut möglich, dass er sich in den kommenden Wochen uns noch anschließt."

Die grundsätzliche Problematik bei den Islanders ist seit Wochen, dass das Team nur knapp unterhalb der Cap-Grenze lag, jedoch die Verträge unter anderem von Matt Martin, Tom Kühnhackl und Derick Brassard nach dem Saisonfinale ausliefen. Zudem erhielten Center Mathew Barzal und Verteidiger Ryan Pulock den Status eines Restricted Free Agents.

PHI@NYI, Sp6: Barzal stark aus dem Handgelenk

Viele Spieler verlangten nach dem überraschend großen sportlichen Erfolg eine entsprechende Honorierung ihrer zukünftigen Dienste, so dass das verfügbare Budget der Organisation rasch zum entscheidenden Knackpunkt geriet.
Rund vier Millionen US-Dollar stehen den Islanders in diesen Tagen dem Vernehmen nach lediglich noch zur Verfügung um den Kontrakt mit dem verbliebenen hochkarätigen RFA Barzal zu verlängern.
Nicht viel Platz zum Manövrieren, um renommierte Spieler weiterhin an den Klub zu binden und einen Goalie wie Schneider womöglich zusätzlich zu verpflichten.
Andererseits kursieren deshalb seit Wochen immer wieder Gerüchte um den Klub. Spieler wie Johnny Boychuk und Andrew Ladd könnten womöglich noch abgegeben werden, um weitere finanzielle Mittel verfügbar zu machen. Auch die Namen Josh Bailey, Jordan Eberle oder gar Casey Cizikas sind in diesem Zusammenhang schon gefallen. Aber noch sind es ja ein paar Wochen bis zum Start der Vorbereitung auf die kommende Spielzeit.
Der Kader der Islanders ist derzeit noch unvollständig und schwer im Detail zu erkennen. Wahrlich keine idealen Voraussetzungen um mit dem hohen Anspruch eines Conference-Finalisten aussichtsreich die Mission Saison 2020/21 anzugehen.
Auf Long Island brauchen die Fans derzeit außergewöhnlich viel Geduld und Vertrauen in die bewährten Fähigkeiten des erfahrenen General Managers. Dass Lamoriello und Trotz dieses rechtfertigen können, haben sie bereits mehrmals gezeigt.