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Alexandre Picard ist bei den Stanley Cup Finals 2022 als TV-Experte im Einsatz. In Deutschland (Düsseldorfer EG, ERC Ingolstadt), Österreich (Graz 99ers) und der Schweiz (HC Fribourg-Gotteron) kennt man den heute 36-Jährigen als großen und harten Verteidiger (1,89 Meter groß, 98 Kilogramm schwer). Mit NHL.com/de teilte der Franko-Kanadier seine Eindrücke.

Mikrofon statt Schläger: Picards "zweite Karriere"
Es ist selten, dass ein Journalist von einem Spieler angesprochen wird - normalerweise ist es andersherum. In diesem Fall aber erkannte Picard das Logo eines deutschen DEL-Klubs auf meiner Jacke und schon waren wir im Gespräch.
"Ich arbeite für TVA Sports, das ist frankokanadischer Sender, der normalerweise über die Montreal Canadiens berichtet und jetzt die Stanley Cup Finals begleitet. Ich bin dort für einen Kollegen eingesprungen und fungiere als Kommentator und Analyst", erklärt Picard, der in sieben Spielzeiten in der NHL insgesamt 253 Spiele (19-50-69) für die Philadelphia Flyers, Tampa Bay Lightning, Ottawa Senators, Carolina Hurricanes, Montreal Canadiens und Pittsburgh Penguins absolviert hat.
"Dieser Job macht mir sehr viel Spaß, es ist aber auch viel Arbeit. Ich würde sagen, es fühlt sich viel besser an als Schüsse zu blocken oder Checks einzustecken. Natürlich habe ich auch meine Zeit als Spieler genossen und meine Karriere so weit gebracht, wie ich konnte. Dass ich jetzt das machen kann ist eine zweite Karriere, die ich sehr schätze."

Hoffnung auf eine lange Serie
Insbesondere im Rahmen der Stanley Cup Finals. "Das ist etwas ganz anders", betont Picard. "Insbesondere die Colorado Avalanche sind so schnell. Das habe ich noch nie gesehen, dass ein Team so schnelle Skater hat - nicht nur einzelne Spieler, sondern die ganze Mannschaft. Dem entgegen steht die Erfahrung von Tampa Bay. Ehrlich gesagt schätze ich mich sehr glücklich, dass ich ein Teil davon sein und hier dabei sein kann. Für Hockey-Fans ist das das Größte!"
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Auch die Stimmung in Denver hat bei Picard Eindruck hinterlassen. "Ich war überrascht", sagt er. "Wenn wir über das Spiel berichten, dann haben wir Mikrofone und Kopfhörer, doch wir konnten uns gegenseitig kaum verstehen. Wenn wir miteinander gesprochen haben, mussten schreien. Ich weiß gar nicht, wie das im Fernsehen geklungen hat. Die Lautstärke in der Arena und die Fans waren das ganze Spiel über unglaublich."
Der Verteidiger trug damals selbst das Trikot mit dem Blitz auf der Brust. Als Journalist begleitet Picard die Serie dennoch neutral. "Ich drücke jetzt nicht den Lightning die Daumen, nur weil ich mal für sie gespielt habe", versichert er und wagt eine ungewöhnliche Prognose: "Es ist schwer zu sagen, wer gewinnen wird. Das Einzige, was ich hoffe, ist, dass es über sieben Spiele gehen wird, weil es einfach unglaublich gutes Eishockey ist. Ich finde, es sind zwei großartige Teams, die es beide verdient hätten, zu gewinnen."
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Gute Erinnerungen an Deutschland
Auf seine Zeit in Deutschland blickt Picard mit positiven Gefühlen und Erinnerungen zurück. 2014/15 spielte der Verteidiger ein Jahr für Ingolstadt, von 2017 bis 2019 zwei Jahre für die Düsseldorfer EG. Insgesamt absolvierte er 149 DEL-Spiele (4-38-42).
"Es war unglaublich. Ingolstadt war meine erste Station in Deutschland. In dieser Saison haben wir es bis ins Finale geschafft, aber gegen Mannheim verloren (2:4 d. Red.). Es war ein unglaubliches Team. Und dann habe ich meine Karriere nach zwei Jahren in Düsseldorf beendet. Es war eine großartige Stadt, ich habe ein paar unglaubliche Menschen kennenlernen dürfen, mit denen ich noch immer in Kontakt stehe. Das sind Jungs wie Marko Nowak, Nicki Mondt, Alex Barta oder dem Trainer Gunnar Genuzis. Da sind Freundschaften fürs Leben entstanden und ich verfolge die DEL nach wie vor, denn meine Freunde dort spielen", berichtet Picard.
Bei der DEG diente er sogar zwei Saisons als Assistenzkapitän. 2019 beendete er dann in Düsseldorf seine Spieler-Karriere.
"Es war großartig in Deutschland mit gutem Eishockey. Bei der DEG haben sie einen tollen Job gemacht. Ich habe es geliebt, im Dome zu spielen, denn die Fans waren klasse und laut, und auch in der Stadt hat es mir sehr gefallen. Ich war mit meiner Familie und meinen drei Kindern dort, die auf die internationale Schule gegangen sind und auch tolle Menschen außerhalb des Hockeys kennenlernen durften. Auch hier sind Freundschaften entstanden", grinst Picard. "Wir haben unsere Zeit in Deutschland also sehr genossen."