kempe stick raised

Der Samstagabend sollte für die Los Angeles Kings ein ganz besonderer werden. Das war schon seit Monaten fest eingeplant. Und er wurde es dann auch. Allerdings auf eine etwas andere Art als ursprünglich angedacht.

In der Crypto.com Arena von Los Angeles freuten sich alle auf die Zeremonie vor dem Spiel, in der die Trikotnummer '23' von Kings-Legende Dustin Brown feierlich unter das Hallendach gezogen wurde. Brown, der zwischen 2003 und 2022 das Trikot der Organisation trug, und mit Los Angeles in den Jahren 2012 und 2014 den Stanley Cup gewann, brachte es in 1.296 Hauptrundenspielen auf 325 Tore und 387 Treffer. Hinzu kamen 92 Einsätze in den Stanley Cup Playoffs, in denen Brown 19 Tore und 30 Vorlagen gelangen. Die Kalifornier nahmen diese stolze Ausbeute zum Anlass, seine Karriereleistung zu würdigen, indem sie seine Trikotnummer künftig nicht mehr vergeben werden.
Die besondere Atmosphäre rund um das Spiel nutzte das Team dann, um die Pittsburgh Penguins mit einem klaren 6:0 fast aus der Halle zu fegen. Insbesondere Adrian Kempe schien das Ganze zu beflügeln. Dem 26-jährigen Außenstürmer gelangen gegen Sidney Crosby und seine Mitstreiter gleich vier Tore. Drei davon fielen im Mitteldrittel (22., 26. und 35. (pp) Minute), so dass sich der Erstrundenpick aus dem NHL Draft 2014 (Position 29) über einen 'Natural Hattrick' freuen durfte, bevor er im Schlussabschnitt auch noch den Treffer zum Endstand (56., pp) folgen ließ. Es waren seine Saisontore 23 bis 26. Kempe ist nach David Backes (6. Januar 2015), Ilja Kovalchuk (11. November 2005), Dany Heatley (29. Oktober 2005), Patrik Elias (30. März 2003), Wendel Clark (9. November 1996) und Peter Bondra (5. Februar 1994) erst der siebte Spieler der letzten 30 Jahre, der in einem NHL-Spiel vier Tore in Folge erzielen konnte.

LAK 6, PIT 0

"Es war einfach eine dieser Nächte, in denen der Puck immer wieder zu einem kommt", zeigte sich Kempe nach der Begegnung nahezu etwas sprachlos über die eigene Leistung. "Ich glaube, ich hatte auch Chancen für fünf oder sechs Treffer. Es war einfach eine dieser Nächte." Passend zu einem Abend, an dem eigentlich Brown im Mittelpunkt stehen sollte, ist Kempe der erste Kings-Spieler, der vier Tore in einem Spiel erzielt hat, seit Brown am 5. April 2018 vier Tore gegen die Minnesota Wild gelangen.
Im Eröffnungsdrittel hatten Jaret Anderson-Dolan (3.) und Alex Iafallo (18.) die Hausherren schon früh auf die Siegerstraße gebracht. Auch der Schweizer Kevin Fiala zeigte sich gegen Pittsburgh stark auf dem Eis. In gut 15 Minuten Eiszeit lieferte er zwei Torvorlagen (er assistierte bei den Treffern zum 2:0 und 6:0) und schraubte seine Saisonausbeute nach 53 Einsätzen auf 18 Tore und 35 Assists zu 53 Punkten. Zudem glänzte Veteran Anze Kopitar, dem drei Assists für die Kings (29-18-7) gelangen, die ihr erstes Spiel seit dem 31. Januar bestritten. Torhüter Pheonix Copley schaffte mit 25 Paraden seinen ersten Shutout seit dem 22. Dezember 2018, als er noch für die Washington Capitals im Tor stand.
"Ich denke, wenn man nach der Dustin-Brown-Zeremonie nicht schon einen Funken Spielfreude hatte, dann verlieh spätestens das Spiel allen noch ein bisschen mehr Schwung", lautete das Fazit von Los Angeles-Trainer Todd McLellan. "Die Jungs haben gut gespielt. Sie wirkten ausgeruht, waren frisch und haben einige der Dinge getan, die wir in Pittsburgh (1:6-Niederlage am 20. Oktober) damals nicht auf das Eis gebracht haben."
"Es war ein besonderer Abend für Brown und auch für uns, deshalb sind wir froh, dass wir den Sieg für ihn geholt haben", versuchte Kempe einen Teil der Aufmerksamkeit, die ihm nach Spielende zuteilwurde, bescheiden an den ursprünglich angedachten Helden des Tages zurückzugeben.

PIT@LAK: Kempe trifft viermal

"Natürlich sind die Erwartungen an mich nach dem letzten Jahr (35 Tore) gestiegen. Und das nicht nur an mich, sondern auch an das gesamte Team", erklärte Kempe. "Wir müssen das in den letzten 28 Spielen so beibehalten, und dann fangen hoffentlich die schönen Dinge des Eishockeyjahres erst so richtig an."
Die Ausgangslage bei den Kings ist günstig. Mit 65 Punkten liegt das Team in der Pacific Division auf Rang drei. Ein Ruhekissen ist der Tabellenstand für die Kalifornier allerdings nicht. Den Divisionsersten Vegas Golden Knights (66 Punkte in 53 Spielen) und den Fünften, die Calgary Flames (60 Punkte in 53 Spielen) trennen lediglich sechs Zähler. Vieles ist in den kommenden Wochen noch möglich. Fest steht nach dem Triumpf gegen Pittsburgh, in der gezeigten Form muss den Kings vor dem Saisonendspurt nicht bange sein. Und mit diesem Kempe im Angriff erst recht nicht.
Bis zur nächsten Herausforderung ist es nicht lange hin. Am Montag (10:30 p.m. ET; NHL.tv; Di. 4:30 Uhr MEZ) kommen die Buffalo Sabres (26-21-4) nach Los Angeles. Dann gilt es für die Kings, sich ohne Banner-Zeremonie im Vorfeld, neu zu beweisen.