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Das Finale um den Stanley Cup könnte langsam in die entscheidende Phase gehen. Die Colorado Avalanche sind mit zwei Siegen im Rücken zu den Tampa Bay Lightning gereist, gegen die sie am heutigen Montag (8 p.m. ET; NHL.tv, Sky Sport, MySports, Puls24; Di. 2 Uhr MESZ) das Spiel 3 der Best-of-7-Serie in der Amalie Arena bestreiten
Fünf Aspekte, die es zu beachten gilt:

Lightning müssen bittere Niederlage wegstecken
Die ersten zwei Auswärtsspiele einer Finalserie zu verlieren, ist die eine Sache. Mit 0:7 unterzugehen, wie es in Spiel 2 geschah, ist allerdings eine ganz andere Hausnummer. "Das ist völlig inakzeptabel, besonders zu dieser Jahreszeit", fand Lightning-Kapitän Steven Stamkos deutliche Worte. Flügelstürmer Nick Paul erwartet für das dritte Aufeinandertreffen eine Steigerung: "Jeder muss in den Spiegel schauen und möglichst alle Zweikämpfe im nächsten Spiel gewinnen."
Dabei kann die Mannschaft aus Tampa Bay auf ihre Heimstärke setzen. Die letzten sieben Spiele in der Amalie Arena wurden gewonnen. Sie könnten nun das dritte Team innerhalb der letzten zehn Jahre werden, das in den Playoffs acht Heimspiele in Folge für sich entscheidet. Dies gelang bis dato lediglich den Los Angeles Kings (2013) und den New York Rangers (2022).
Stamkos nimmt Vasilevskiy in Schutz
Andrei Vasilevskiy ist zweifelsohne einer der besten Torhüter der NHL. Der Goalie von Tampa Bay wurde erst im vergangenen Jahr mit der Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler der Playoffs ausgezeichnet. Umso bitterer dürfte es für ihn gewesen sein, in Spiel 2 sieben Gegentreffer zu kassieren. Nie zuvor hatte er so viele Tore in einem Playoff-Spiel zugelassen.

TBL@COL, Sp2: Vasilevskiy mit unglaublicher Rettung

"Wir haben ihn im Regen stehen gelassen", sagte Stamkos. "Er ist seit Jahren unser Rückgrat. Wir sind es ihm schuldig, im nächsten Spiel besser zu sein. Er hat unglaubliche Saves gemacht. Die Niederlage lag keineswegs an ihm."
Eine Statistik dürfte Tampa Bay Mut machen: Wenn Vasilevskiy in einem Playoff-Spiel fünf Gegentore oder mehr kassierte, konnte seine Mannschaft im Spiel darauf in vier von sechs Fällen gewinnen.
Sturm warnt vor der Erfahrenheit von Tampa Bay
Der Deutsche Nico Sturm spielt in der Finalserie eine gute Rolle. 7:30 Minuten stand er in Spiel 1 auf dem Eis, 10:50 Minuten in Spiel 2. Der Center der Avalanche warnte bereits nach dem ersten Sieg davor, Tampa Bay zu unterschätzen. "Es ist eine unglaublich erfahrene Mannschaft - nicht nur von den Spielern her, sondern auch von den Coaches. Das heißt, sie machen schnell ihre Anpassungen", sagte er im Videointerview mit NHL.com/de. Der Augsburger rechnet damit, dass die Trainer von Lightning aus den beiden Niederlagen die richtigen Schlüsse gezogen haben.
Sturm selbst überlässt nichts dem Zufall. Der 27-Jährige gilt als ein sehr trainingsfleißiger Spieler, der auch nach Abschluss der Trainingseinheit oftmals noch auf dem Eis zu finden ist. "Das ist das, was mich hierhergebracht hat, was mich in meiner Karriere stark gemacht hat. Das war sicherlich nicht das Talent, sondern meine Arbeitseinstellung. Und wenn man ein Spieler ist, der in der dritten oder in der vierten Reihe ist und in den Playoffs in so einem Kader vielleicht nicht jedes Spiel macht, dann will ich natürlich meine Form beibehalten. Dann kann ich nicht als Erster vom Eis gehen", erläuterte er.
Siegeslauf der Avalanche könnte historisch werden
Colorado scheint in der aktuellen Verfassung kaum zu stoppen. Die letzten sieben Playoff-Spiele wurden allesamt gewonnen. Gelingt heute ein weiterer Sieg, wären die Avalanche erst das zweite Team der NHL-Geschichte, das in den Playoffs in acht Spielen hintereinander siegte. Dies haben bislang lediglich die Kings im Jahr 2012 vollbracht, als sie schlussendlich den Stanley Cup gewannen.

Dass Colorado in den laufenden Playoffs nur zwei Spiele verloren hat, und zwar in der zweiten Runde gegen die St. Louis Blues, ist ebenfalls geschichtsreif.
Seitdem alle Playoff-Runden im Best-of-7-Modus ausgespielt werden (seit 1987) hat lediglich ein Team die Playoffs mit weniger als vier Niederlagen abgeschlossen. Dies waren 1988 die Edmonton Oilers, die damals mit dem legendären Wayne Gretzky nur zwei Partien verloren und ihre vierte von insgesamt fünf Meisterschaften gewannen.
Powerplay von Colorado ein wichtiger Faktor
Colorado verfügt über effektive Special Teams. In den bisherigen beiden Finalspielen gegen Tampa Bay wurden bereits drei Tore in Überzahl und ein Treffer in Unterzahl erzielt. In elf von 16 Spielen gelang den Special Teams mindestens ein Tor. Die Powerplay-Erfolgsquote von 32,7 Prozent ist die beste aller Playoff-Teams.
Seit der Saison 1977/78, als die Prozentsätze der Special Teams erstmals ermittelt wurden, hatte nur ein Team eine höhere Erfolgsquote in Überzahl vorzuweisen: Die New York Islanders kamen 1981 auf 37,8 Prozent und gewannen den Stanley Cup.