Reichel87

Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga mit Blick auf die Saison 2023/24 unter die Lupe. Die zweiteilige Bestandsaufnahme besteht aus einer Analyse der wichtigsten personellen Veränderungen, der Schlüsselspieler, der Stärken und Schwächen, der Playoff-Chancen und einem gesonderten Spielerporträt.

In dieser Ausgabe: Lukas Reichel von den Chicago Blackhawks

Es ist bereits drei Jahre her, dass die Chicago Blackhawks den deutschen Stürmer Lukas Reichel gedraftet haben. Ausgerechnet der Klub, von dem Reichel schon als Kind ein Fan war, wählte ihn beim NHL Draft 2020 in der 1. Runde an 17. Stelle aus. Seitdem lief der 21-jährige Nürnberger 34-mal für die Blackhawks in der NHL auf. Die Saison 2023/24 soll das Breakout-Jahr für ihn werden - vielleicht sogar an der Seite von Ausnahme-Talent Connor Bedard?

Die steile Entwicklung eines talentierten Scorers

Reichel hat seit dem Draft im Jahr 2020 noch einmal deutliche Fortschritte gemacht. In der Saison 2020/21 verhalf er den Eisbären Berlin in 38 DEL-Spielen (10-17-27) und neun Playoff-Partien (2-3-5) zur Deutschen Meisterschaft und ließ starke Auftritte bei der Weltmeisterschaft mit Deutschland folgen (neun WM-Spiele, 2-4-6). In der Folgesaison 2021/22 wechselte der 1,83 Meter große Linksschütze in die Organisation der Blackhawks. Zunächst begann Reichel beim Farmteam Rockford IceHogs in der AHL, wo er auch die meiste Zeit verbringen sollte (56 AHL-Spiele, 21-36-57) und teaminterner Top-Scorer wurde. Seine Torgefahr wies er zudem in den Calder Cup Playoffs nach (fünf Spiele, 2-0-2). Er durfte darüber hinaus in drei Phasen NHL-Luft schnuppern und kam auf insgesamt elf Einsätze (0-1-1) für Chicago.

CHI@SEA: Reichel trifft im zweiten Drittel

Auch die abgelaufene Saison 2022/23 begann und endete in der AHL in Rockford. Reichel aber tat alles dafür, gesehen zu werden: Am Ende standen 55 Spiele für die IceHogs zu Buche, in denen er 51 Punkte sammelte (20-31-51) und damit als jeweils vierbester Torjäger und Scorer seines Teams abschloss. Hinzu kamen fünf Playoff-Partien (1-0-1). Dazwischen erhielt der flinke Offensivgeist wieder drei Beförderungen in die NHL. Er durfte insgesamt 23 Spiele für die Blackhawks bestreiten und schoss sieben Tore (7-8-15) für eine kriselnde Mannschaft, die als drittschlechtester Klub der gesamten Liga abschnitt.

In einer Reihe mit Bedard?

Der Deutsche hat Erwartungen für die neue Saison geweckt. Reichel wies nicht nur seinen Torriecher nach, er fiel auch als mobiler, schneller und spielstarker Kreativspieler auf, der mit seiner Laufstärke emsig in beide Richtungen arbeitet. Von seinem Profil und seiner Entwicklung her dürften die Blackhawks mit ihm als Top-6-Stürmer planen.

Zu diesem Kreis dürften neben Reichel (21) noch Connor Bedard (18), Taylor Hall (31), Tyler Johnston (33), Andreas Athanasiou (29) und entweder Ryan Donato (27) oder Taylor Raddysh (25) zählen.

Somit könnten sich drei mögliche Reihen-Kombinationen ergeben: Reichel in einer zweiten Sturmformation, die in einer Tempo-Variante mit Athanasiou und Donato besetzt wird, oder mit Athanasiou und Raddysh als physische Variante daherkommt. Oder aber Reichel besetzt eine Außenposition in der ersten Reihe und agiert dort zusammen mit Bedard und Hall. Letztere wäre eine hochinteressante Kombination, denn auch diese Linie hätte enormes Tempo und mit Hall einen echten Torjäger, der von den beiden lauffreudigen und explosiven Bedard und Reichel entsprechend gefüttert werden könnte - wenngleich diese selbst enormen Scoring-Touch mitbringen.

NJD@CHI: Reichel fälscht den Puck zur Führung rein

Für eine solche Zusammenstellung dürften außerdem die Hände sprechen: Bedard ist Rechtsschütze, ist also besonders stark im linken Bullykreis. Entsprechend wäre ein weiterer Linksschütze neben Hall wichtig, der ebenfalls Bullys spielen kann. Genau dieser Spielertyp ist Reichel, der in der Vergangenheit bereits als Center agiert hat und weiß, wie man Anspiele gewinnt. Alternative Johnston würde Chicagos Top-Reihe zwar mehr Erfahrung und ebenfalls Bully-Qualitäten einimpfen, wäre aber ein weiterer Rechtsschütze, der wohl in der zweiten Reihe eher gebraucht wird.

Reichel und Bedard in einer Reihe? Das würde passen! Bedard räumte zuletzt in der WHL alle Auszeichnungen ab, sammelte als Kapitän der Regina Pats in 57 Spielen sage und schreibe 143 Scorerpunkte (71-72-143; Playoffs: sieben Partien, 10-10-20) und wird nicht ohne Grund als das nächste Ausnahme-Talent nach Connor McDavid (Edmonton Oilers) und Sidney Crosby (Pittsburgh Penguins) bezeichnet. Der 1,78 Meter große Kanadier ist explosiv, beweglich, technisch stark, hat das Auge für seine Mitspieler, kann aber auch selbst mit Einzelaktionen Tore erzielen und Spiele entscheiden. Reichel als ebenfalls schneller Spielmachertyp und Scorer wäre eine optimale Ergänzung.

Ein weiterer Traum könnte in Erfüllung gehen

Nun liegt es an Reichel selbst, in den Training Camps auf sich aufmerksam zu machen und sich für eine solche Reihen-Kombination zu empfehlen. Wie General Manager Kyle Davidson und Trainer Luke Richardson im Oktober planen, bleibt abzuwarten. Fest aber steht schon jetzt: Chicago in eine bessere Zukunft zu führen, dabei die Karriere eines neuen Superstars wie Bedard von Anfang an aktiv mitzugestalten, während er selbst seinen NHL-Durchbruch feiert - für Blackhawks-Fan Reichel könnte ein weiterer Traum in Erfüllung gehen…