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Marco Sturm machte Nachnamen alle Ehre

Im Rahmen unser Rubrik zur Einhundertjahrfeier stellen wir den deutschen Rekordscorer vor

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Am 1. Januar 2017 eröffnete die National Hockey League mit dem Eröffnungsbully zum Scotiabank NHL Centennial Classic die Feierlichkeiten zur Jahrhundertsaison. Seit ihrer Gründung im Jahr 1917 sah die Liga zahlreiche Kultpersönlichkeiten.

Während der Saison 2017 wird euch NHL.com/de jeden Samstag mit zahlreichen Geschichten über die vergangenen 100 Jahre versorgen.

In dieser Rubrik werfen wir das Licht auf diejenigen, welche die deutsche, österreichische oder Schweizer Fahne in der Geschichte der Liga hoch gehalten haben. In dieser Ausgabe: Marco Sturm.

Als Marco Sturm 1997 vom EV Landshut nach USA zu den San Jose Sharks, die ihn im Jahr zuvor beim NHL Entry Draft 1996 in der ersten Runde an 21. Stelle gedraftet hatten, ging, konnte kaum einer ahnen, welche Karriere der Dingolfinger in der NHL hinlegen würde.

Dabei war schon in seinen beiden Jahren in der DEL für Landshut zu sehen, welches Potenzial in ihm steckte. 1995-96 markierte Sturm als 17-jähriger Stürmer in 47 Spielen zwölf Tore und 20 Assists und eine Saison darauf 16 Tore und 27 Assists in 46 Spielen.

Diese Erfolge setzte der heutige deutsche Bundestrainer auch in Nordamerika sofort um. In seinem ersten Jahr bei den Sharks verbuchte der Niederbayer in 74 Spielen 30 Punkte mit zehn Toren und 20 Assists und entwickelte sich zu einem soliden Leistungsträger.

Seine Werte pendelten sich Jahr für Jahr um diese Zahlen ein. Auffällig ist jedoch, dass er in seiner Karriere kaum eine verletzungsfreie Saison absolvieren konnte. Nur in einem Jahr 2002-03 gelang ihm das Kunststück alle Spiele in der regulären Saison zu bestreiten.

Gut möglich, dass Sturm in San Jose alt geworden wäre, hätten ihn die Manager nicht als Gegenleistung für einen spektakulären Deal auserkoren. Am 30.11.2005 handelten die Sharks und die Boston Bruins einen Trade aus, der Stürmer Joe Thornton nach San Jose brachte und im Gegenzug musste unter anderem Sturm seine Koffer packen.

Mit 273 Punkten in 553 Spielen in über achteinhalb Jahren verließ Sturm die Sharks als damals sechstbester Scorer der Franchisegeschichte.
 
Bezeichnenderweise war dieses Jahr auch seine erfolgreichste Saison mit 16 Punkten in 23 Spielen für die Sharks und anschließenden 43 Punkten in 51 Spielen für die Bruins. Kein deutscher Spieler erreichte in einer Spielzeit eine höhere Punktzahl, bis Jungstar Leon Draisaitl diese Marke erst am Donnerstag dieser Woche knackte.

Sturm ließ zwei Spielzeiten mit 27 Toren folgen, ehe er sich in der Saison 2008-09 erst eine Gehirnerschütterung zuzog und danach das erste Mal ernsthafter am Knie verletzte, was eine Meniskus- und Kreuzbandoperation erforderlich machte. Als Folge daraus kam er nur auf 19 Einsätze.

In der darauf folgenden Saison 2009-10 kehrte Sturm zurück und erzielte mit insgesamt 22 Toren die meisten aller Bruins Spieler, darunter den schon legendären Siegtreffer in der Verlängerung beim Winter Classic Spiel gegen die Philadelphia Flyers im Fenway Park.

Doch in der zweiten Runde der Playoffs gegen eben diesen Gegner verletzte sich Sturm in Spiel 1 bereits nach 21 Sekunden erneut am Knie. Zum zweiten Mal in drei Jahren erlitt er einen Kreuzbandriss, der operiert werden musste und ihn bis Dezember außer Gefecht setzte.

Pech für Sturm, dass die Bruins ihn am 11. Dezember 2010 zu den Los Angeles Kings transferierten, in der Saison, an deren Ende sie den Stanley Cup gewannen. Es begann für den Dingolfinger eine Odysee. Trotz fünf Toren und neun Punkten in 17 Spielen setzten ihn die Kings am 25. Februar 2011 auf die Waiverliste, von der ihn die Washington Capitals verpflichteten.

Sturm konnte die in ihn gesetzten Erwartungen kaum mehr erfüllen und musste sich nach einem neuen Team umsehen, weil sein Vertrag auslief. Die Vancouver Canucks, frischer Stanley Cup Finalist, gaben ihm einen Ein-Jahresvertrag, tradeten ihn aber bereits am 22. Oktober 2011 zu den Florida Panthers, was seine letzte NHL-Saison war.

Seine finale NHL-Bilanz waren 938 Spiele mit 242 Tore und 245 Assists für 487 Punkte in der regulären Saison, sowie 68 Partien mit neun Toren und 13 Vorlagen in den Playoffs. Im Bereich absolvierte Spiele, Tore und Punkte ist er der erfolgreichste Deutsche aller Zeiten in der NHL. Ob Draisaitl ihm auch hier Paroli bieten kann, wird erst die Zukunft zeigen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg zu gehen.  

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