Shattenkirk sorgt für einen Lightning-Sieg in Spiel 4

Im Stanley Cup Finale 2020 standen sich die Dallas Stars und die Tampa Bay Lightning am Freitag zum vierten Mal gegenüber. Die enge und hart umkämpfte Partie konnte erst in der Verlängerung entschieden werden. Kevin Shattenkirk traf für die Lightning zum 5:4-Overtime-Sieg und stellte die Serie damit auf 3:1.
Die Stars überraschten Tampa Bay mit einer neu formierten Top-Reihe. Rick Bowness stellte Joe Pavelski in der ersten Formation zu Jamie Benn und Alexander Radulov. Zwar gelang Dallas in den ersten fünf Minuten kein Schuss, doch konnten sie sich regelmäßig ins Angriffsdrittel vorarbeiten. Die besseren Möglichkeiten hatten in der Anfangsphase jedoch die Lightning.

Mit ihrem ersten Torschuss trafen die Stars. John Klingberg drang ins Angriffsdrittel ein und schoss direkt. Den von Victor Hedman geblockten Schuss fand Klingberg schnell wieder und schloss direkt erneut ab. Andrei Vasilevskiy, der sich auf den ersten Schuss konzentriert hatte, konnte nicht schnell genug in die Abwehrposition zurückkommen, so dass die Stars erstmals seit Spiel 1 in Führung gingen (8.).

TBL@DAL, Sp4: Klingberg trifft im zweiten Anlauf

Nur wenig später rettet Anton Khudobin gegen Nikita Kucherov und hielt die Führung fest. Die Lightning reagierten mit wütenden Angriffen auf den Führungstreffer der Stars. Doch Dallas wusste sich stellenweise vom Druck zu befreien und Zeit in der Angriffszone zu generieren. Besonders die starke Leistung am Bullypunkt gab den Stars im ersten Drittel die Möglichkeit sich im Drittel der Lightning einzurichten. Die Dallas-Center gewannen 13 von 22 Anspielen in den ersten 20 Minuten.
Jamie Oleksiak musste bei noch etwas mehr als sechs Minuten auf der Uhr wegen Hakens gegen Kucherov auf die Strafbank. Das in den Stanley Cup Finals bislang herausragende 37,5-Prozent-Powerplay blieb blass und konnte nur einen Schuss auf Khudobin generieren.
Die Umstellung der Stars machte sich 1:32 vor Ende des Drittels bezahlt. Radulov spielte einen fantastischen Aufbaupass aus dem eigenen Drittel auf Benn. Der Angreifer lief mit Center Pavelski einen Zwei-Auf-Eins-Konter und fand seinen Mittelstürmer mit einem Zuspiel genau auf die Kelle. Der Veteran in Dallas-Diensten ließ sich nicht zweimal bitten und stellte mit dem dritten Schuss der Stars auf 2:0 (19.). Coach Cooper hatte nach dem zweiten Treffer der Stars nicht das Gefühl, dass der Rückstand gerechtfertigt war. "So mit 0:2 zurückzuliegen, das hat sich nicht so angefühlt, als ob wir das verdient gehabt hatten."
Die Lightning wollten nicht torlos in die Pause gehen und so war es an Brayden Point die Führung auf einen Treffer zu verringern. Ondrej Palat spielte die Scheibe von der Mittellinie aus genau in den Lauf des mit hoher Geschwindigkeit einlaufenden Point, der mit einem schönen Rückhand-Move einnetzte und den 2:1-Pausenstand herstellte (20.). "Das war ein verdammt wichtiges Tor", blickte Alex Killorn nach der Partie auf den Anschlusstreffer zurück. "Wer weiß, was passiert wäre, wenn er das Tor nicht gemacht hätte. Er erzielt diese Tore schon die gesamten Playoffs über."

TBL@DAL, Sp4: Point mit der Rückhand

Zu Beginn des zweiten Drittels durften sich die Lightning erneut in Überzahl versuchen. Erneut musste Oleksiak in die Kühlbox. Dieses Mal generierte Tampa Bay mehr Offensive und kam über Point zum Ausgleich (23.). Der Top-Scorer schlug einen durch den Torraum fliegenden Puck aus der Luft, für seinen zweiten Treffer, ins Netz. "Points Überzahl-Tor kam nach einem Spielzug, der eigentlich schief gegangen war", analysierte Killorn diese Powerplay-Situation. "Mir hat gefallen, wie wir unsere Powerplay-Treffer erzielt haben."
Eine Schrecksekunde gab es für Dallas, als Roope Hintz nach einem Zweikampf mit Tyler Johnson hart in die Bande knallte. Der 23-jährige Angreifer ging anschließend in die Kabine und sollte im weiteren Verlauf nicht mehr aufs Eis zurückkehren. Ohne Hintz verteidigten die Stars eine Zwei-Auf-Eins-Situation und stellten fast im Gegenzug eine erneute Führung her. Tyler Seguin spielte unter Bedrängnis von neben dem Tor in den Slot. Corey Perry fand die Scheibe und stellte auf 3:2 für die Stars (29.).
Die erste Überzahl-Situation des Abends für Dallas, Erik Cernak saß wegen Hakens eine zweiminütige Strafe ab, verlief ohne große Gefahr für das Gehäuse von Vasilevskiy. Eine weitere Gelegenheit im Powerplay bot sich den Lightning etwas mehr als drei Minuten vor Ende des Drittels, als Andrew Cogliano bestraft wurde. Yanni Gourde demonstrierte erneut, warum Undiszipliniertheiten gegen die Lightning keine gute Idee sind und glich zum 3:3 aus (39.).

TBL@DAL, Sp4: Perry vollendet das Zuspiel von Seguin

Trotz des Ausgleichs kurz vor Ende des Mitteldrittels waren die Stars besser in der Partie und kamen zu mehr Abschlüssen. 17 waren es nach 40 Minuten, nur drei davon standen schon vor der ersten Pause in den Notizbüchern der Trainer. Tampa Bay hatte hier mit 23 Torschüssen noch immer einen deutlichen Vorsprung, der sich aber nicht auf der Anzeigetafel zeigte.
Im Schlussdrittel kamen die Lightning besser aus der Kabine und konnten Dallas unter Druck setzen. Khudobin musste in höchster Not retten, um den ersten Stars-Rückstand zu verhindern. Das Team aus Texas tat sich schwer aus dem kontrolliert aus dem eigenen Drittel zu kommen und so Angriffsaktionen zu generieren. Einer der ersten gelungenen Aufbauversuche sorgte beinahe für die erneute Führung der Stars. Ein Schuss von Joel Kiviranta rutschte Vasilevskiy durch und wurde, nach etwas 47 gespielten Minuten, von den Lightning-Verteidigern vor der Linie geklärt.
Den Treffer erzielten dann aber doch die überlegenen Lightning. Nach einem gewonnenen Offensiv-Bully setzte sich Alex Killorn hinter dem Tor von Khudobin durch, zog weiter bis zum rechten Bullypunkt und überwand den Dallas-Schlussmann zum 4:3 (47.). "Ich habe nicht so viel getroffen, wie ich es gerne würde", gab der Torschütze nach dem Match offen zu. "Wenn deine Mitspieler jeden Abend treffen, dann machst du dir darüber aber nicht wirklich Gedanken."

TBL@DAL, Sp4: Point mit der Rückhand

Nach dem Rückstand reagierten die Stars mit mehr Offensive. Viel Zeit in der Angriffszone und Abschlüsse generierten gute Gelegenheiten. Die beste Chance bekam das Team von Rick Bowness durch eine Strafe gegen Patrick Maroon. Die Überzahl-Gelegenheit konnte Dallas jedoch nicht in ein Tor umwandeln. Der Ausgleich fiel nachdem die Lightning wieder komplett waren. Pavelski traf zum zweiten Mal an diesem Abend (52.). Ein Schuss aus spitzem Winkel wurde erst von Vasilevskiy pariert, fand dann aber doch seinen Weg über die Linie. Pavelskis 60. Karriere-Playoff-Tor war der Schlusspunkt der regulären Spielzeit, so dass Spiel 4 der Stanley Cup Finals in der Verlängerung entschieden werden musste.
Die Overtime begann mit einer guten Chance für Alexander Radulov, dessen Alleingang nur durch ein Foul von Mikhail Sergachev verhindert werden konnte. Die Stars hatten somit, aufgrund der Straften gegen Point und Perry aus der regulären Spielzeit, etwa eine Minute eine Vier-Gegen-Drei-Überzahl-Situation. Ein Tor wollte aber weder mit vier noch anschließend mit fünf Akteuren auf dem Eis gelingen.
Benn musste wegen Beinstellens für zwei Minuten auf die Strafbank. Das bereits zweimal erfolgreiche Powerplay der Lightning durfte sich erstmals in der Verlängerung zeigen. Erneut traf Tampa Bay bei numerischer Überlegenheit. Shattenkirk entschied die Partie nach 6:34 gespielten Minuten (67.) mit einem platzierten Schuss vom rechten Bullypunkt. "Das ruft jede Art von Emotion hervor, die du dir vorstellen kannst", ließ Shattenkirk in sein Gefühlsleben blicken. "Mehr als alles andere macht es dich glücklich, dass du deinem Team helfen konntest ein Spiel zu gewinnen."

TBL@DAL, Sp4: Shattenkirk trifft in Überzahl zum Sieg

Geschlagen geben wollen sich die Stars vor Spiel 5 am Samstag an gleicher Stelle (8 p.m. ET; So. 2 Uhr MESZ; NHL.tv, Sport1+, DAZN, Teleclub Sport) längst noch nicht. Bei ihnen formte sich nach Spielende rasch eine Art von Trotz. "Wir werden zurückschlagen, dessen bin ich mir nach dieser guten Leistung ganz sicher", prognostizierte Coach Rock Bowness entschlossen. Ob dies am Ende gelingen wird, das bleibt vorerst noch abzuwarten.