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Eingespielte Sharks im Favoritenkreis

31 in 31: San Jose ist auch ohne namhafte Verstärkungen ein Titel-Kandidat

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Die NHL-Saison 2018/19 wirft langsam aber sicher ihre Schatten voraus. Vor dem Start der Trainingslager analysiert NHL.com/de ab dem 5. August die 31 Teams der Liga in 31 Tagen. Zu jeder Mannschaft gibt es in der Serie "31 in 31" zwei Berichte mit interessanten Fakten, Einschätzungen und Einblicken.

In dieser Folge: San Jose Sharks

Nach 100 Punkten in der regulären Saison (45-27-10) sowie einem Sweep in der ersten Playoff-Runde (4:0 gegen die Anaheim Ducks) waren die San Jose Sharks verheißungsvoll in die wichtigste Phase der Saison gestartet. Dann war aber im Conference-Halbfinale gegen den späteren Stanley-Cup-Finalisten Vegas Golden Knights Schluss (2:4). "Wir haben das Gefühl, ein gutes Hockeyteam zu sein", sagte San Joses General Manager Doug Wilson. "Letztes Jahr haben wir 100 Punkte gesammelt, auch wenn wir fast das komplette Jahr ohne Joe Thornton (Knie-OP nach Innenbandriss am 23. Januar 2018) und Evander Kane (kam via Trade am 26. Februar 2018) gespielt haben.

 

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Kaum personelle Veränderungen

Insofern sah der Sharks-GM keinen Grund, das Personalkarussell im der Offseason zu beschleunigen. Zwar bemühten sich die Nord-Kalifornier intensiv um John Tavares, doch der Star-Center entschied sich letztlich für einen Wechsel in die Heimat zu den Toronto Maple Leafs. Trotz des geplatzten Blockbuster-Deals verfielen die Fins in der Folge nicht in Aktionismus, sondern begrenzten die Personalrochaden auf ein Minimum. Paul Martin (Buyout), Mikkel Boedker (Trade, Ottawa Senators), Eric Fehr (Free Agent, Minnesota Wild) und Jannik Hansen (Free Agent, CSKA Moskau) waren die einzigen vier Abgänge, die für San Jose in der NHL zum Einsatz kamen.

Im Gegenzug nahmen die Sharks den finnischen Shootingstar und frisch gebackenen CHL-Sieger Antti Suomela (Free Agent, JYP Jyväskylä, Liiga, Finnland) unter Vertrag. Der 24-jährige Mittelstürmer kämpft um einen Platz in der vierten Reihe. Die in Tauschgeschäften akquirierten Kyle Wood (Arizona Coyotes) und Cody Donaghey (Ottawa Senators) sind ebenfalls neu, aber vorerst für die AHL-Filiale eingeplant.

Die eher verhaltene Einkaufspolitik in San Jose wurde bewusst so gewählt und lässt Spielraum für Aktivitäten in der Zukunft, wie Wilson erklärt: "Glaubt mir, wir werden nach allem Ausschau halten, was uns besser machen könnte. Egal ob jetzt, nächste Woche oder zu irgendeinem anderen Zeitpunkt vor der Trade-Deadline - wir haben die Möglichkeit und den Gehaltsspielraum, um reagieren zu können."

Viele Vertragsverlängerungen

Den freien Capspace nutzten die Sharks in der Sommerpause vor allem für Vertragsverlängerungen: Logan Couture (acht Jahre), Kane (sieben Jahre), Tomas Hertl (vier Jahre), Chris Tierney (zwei Jahre), Dylan DeMelo (zwei Jahre) und Joe Thornton (ein Jahr) banden sich teils langfristig ans Team und sorgen gerade in den Top-6-Sturmreihen für Planungssicherheit und Konstanz.

Video: SJS@VGK, Sp2: Couture profitiert von Hertl

Vor allem von Kane versprechen sich die Haie viel: "Er ist jung, seine beste Zeit kommt erst jetzt", ist Thornton überzeugt. "Er hat das Spiel jetzt verstanden und ist bereit, zu explodieren. Er bringt viel Biss mit, hat einen guten Torriecher und ist ein dynamischer Skater. Er macht unser Team besser und hat seit seiner Ankunft wichtige Tore für uns geschossen." In der Hauptrunde kam der 27-jährige Flügelstürmer in 17 Spielen auf 14 Scorerpunkte (neun Tore, fünf Assists). In den Playoffs markierte er in neun Partien fünf Punkte (vier Tore, ein Assist).

Starker Stamm - Wie fit ist Thornton?

Neben Kane verfügen die Sharks über eine Reihe von hochklassigen Führungsspielern. Im Tor steht mit Martin Jones ein starker Goalie (2,55 Gegentore/Spiel, 91,5 Prozent Fangquote), der in den Playoffs noch einmal zulegen konnte (2,26 Gegentore/Spiel, 92,8 Prozent. Dahinter hat San Jose mit Aaron Dell einen verlässlichen Backup (2,64 Gegentore/Spiel, 91,4 Prozent). In der Verteidigung ist Brent Burns der ultimative Superstar. Der 33-Jährige war der Top-Scorer (67 Punkte) und Top-Vorbereiter (55 Assists, Karriere-Bestwert!) bei den Fins, sollte künftig aber wieder öfter treffen (zwölf Tore in der regulären Saison). Seine Schusseffizienz fiel im Vergleich zur Vorsaison von 9,1 auf 3,6.

Video: SJS@ANA: Thornton erzielt ein Tor bei Überzahl

Im Sturm sind neben Thornton und Kane auch Couture und Kapitän Joe Pavelski die absoluten Zugpferde. Pavelski machte seinem Spitznamen "Captain America" in Anlehnung an den Helden aus den Marvel Comics, alle Ehre: Kein Stürmer fälschte 2017/18 mehr Pucks ab (22) und sorgte mit dieser Richtungsveränderung für mehr Tore (sechs, wie Vegas' Erik Haula) als der 34-jährige US-Amerikaner. Mr. Zuverlässig knackte in den letzten acht Jahren siebenmal die 60-Scorerpunkte-Marke und hatte in allen zwölf NHL-Saisons nie einen negativen Plus-Minus-Wert.

Neben Pavelski zählt auch Thornton zu den wichtigsten Anführern im Team Teal. Die große Frage vor dem Saisonstart ist jedoch, wie fit der 39-Jährige ist. Immerhin erlitt der wuchtige Center erst einen Kreuz- und Innenbandriss im linken Knie (Frühjahr 2017) sowie knapp ein Jahr später einen Innenbandriss im rechten Knie (Januar 2018). Beide Male musste der Bartträger operiert werden. "Nach meinem Comeback im letzten Jahr hat sich mein linkes Knie großartig angefühlt. Jetzt, nach der Rehabilitation meines rechten Knies, fühlt es sich stark an", versichert Thornton. "Ich erwarte, alle 82 Spiele absolvieren zu können. Die Zwangspause hat mir die Möglichkeit gegeben, meinen Körper auszuruhen. Es hat lange genug gedauert. Ich fühle mich jetzt großartig und hungrig."

Talente-Pool: Drei Perspektivspieler, drei Soforthilfen

Hunger verspüren auch die jungen Haie in der Bay Area. Zu den Top-Talenten in der Organisation der Sharks zählt mit Joshua Norris (19) ein hochveranlagter Nachwuchs-Mittelstürmer sowie mit Ryan Merkley (18) und Mario Ferraro (19) zwei Offensiv-Verteidiger. Das Trio soll mittelfristig in der NHL aufschlagen.

Als Soforthilfen stehen hingegen Dylan Gambrell (22) und Antti Suomela (24) bereit. Das Duo soll sich um die Fehr-Nachfolge als Center in der vierten Sturmreihe duellieren. Gambrell ist ein offensivstarker und schneller Mann, der bereits in der Vorsaison in der NHL debütierte (drei Spiele, kein Scorerpunkt). Suomela ließ es derweil in Finnland krachen. In der Liiga gelangen ihm 60 Scorerpunkte (21 Tore, 39 Assists) in 59 Hauptrunden-Spielen. Zudem gewann der Linksschütze mit JYP Jyväskylä die Champions Hockey League. "Antti ist ein sehr begabter Stürmer, der seine Entwicklung und Produktivität in seinen letzten drei Jahren in Finnland stets verbessern konnte. Uns gefällt seine Kombination aus Geschicklichkeit, Schnelligkeit und Defensivbewusstsein. Ich denke, dass sein Spielstil zu unserer Mannschaft passt", meint Wilson. Der NHL-Durchbruch wird auch Rudolfs Balcers zugetraut. Der 21-jährige Litauer machte beim AHL-Farmteam San Jose Barracuda auf sich aufmerksam (67 Spiele, 23 Tore, 25 Assists, 48 Scorerpunkte) und könnte Barclay Goodrow und Melker Karlsson Feuer machen.

Hockey-DNA: Viele Blocks, große Disziplin

Sollten die Talente den Sprung ins NHL-Team schaffen, sollte ihnen ein guter Teamgeist, eine eingespielte Truppe und eine kollektiv auf dem Eis vorgelebte Hockey-DNA die Assimilation erleichtern. Die Nord-Kalifornier pflegen einen aggressiven Stil, gehen bis an die Schmerzgrenze und bleiben dabei trotzdem diszipliniert.

Zum Thema Schmerz: Seit sieben Spielzeiten stehen die Sharks immer unter den Top-6 der Teams mit den meisten geblockten Schüssen. 2017/18 führten sie diese Statistik mit 1381 Blocks sogar an. 2016/17 landeten sie mit 1359 geblockten Schüssen auf Rang zwei (hinter den New York Islanders mit 1363). In der NHL verzeichneten in der Vorsaison insgesamt acht Stürmer mehr als 70 Blocks, darunter mit Couture (72), Hertl (71) und Pavelski (70) drei Top-6-Stürmer der Sharks.

Video: SJS@ANA, Sp2: Hertl trifft mit der Rüchand

Zum Thema Disziplin: San Jose handelte sich in der gesamten Saison 2017/18 nur 265 Strafen ein (3., hinter den Carolina Hurricanes und Columbus Blue Jackets) und saß nur 7:40 Minuten pro Partie auf der Strafbank (6.). Kommen die Sharks einmal in Unterzahl, ist auf das Penalty Killing Verlass: Insgesamt wurden nur 34 Unterzahl-Gegentore zugelassen (1.) und 84,8 Prozent der Strafen ohne Gegentreffer überstanden (2., knapp hinter den Los Angeles Kings mit 85 Prozent).

 

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Ausblick: Sharks ein Titel-Kandidat?

Die San Jose Sharks sind eingespielt, leben von ihrer Team-Chemie und sind sowohl in der Tiefe als auch in der Spitze gut aufgestellt. Was den Fins noch fehlt, ist ein schussgewaltiger Blueliner neben Burns, der für mehr Gefahr von der blauen Linie sorgt. Bleibt Team Teal vom Verletzungspech verschont, zählen die Nord-Kalifornier zum Favoritenkreis auf den Gewinn des Stanley Cups.

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