Die Ottawa Senators haben auch am Samstag überzeugt und plötzlich ist das lange Zeit unrealistisch wirkende Ziel wieder greifbar: die Teilnahme an den Stanley Cup Playoffs. Mit einem überzeugenden 5:2-Erfolg gegen die Toronto Maple Leafs untermauerten die Senators im heimischen Canadian Tire Centre ihre derzeitige Form und setzten ein weiteres Ausrufezeichen im engen Rennen der Eastern Conference.

Vier Siege aus den letzten fünf Spielen, dazu eine Bilanz von 13-3-2 aus den vergangenen 18 Partien – Ottawa ist aktuell eines der heißesten Teams der Liga. Noch bemerkenswerter wird dieser Lauf beim Blick zurück: Am 24. Januar lagen die Senators neun Punkte hinter einem Wildcard-Platz und mussten gleich sieben Teams überholen. Heute sind es bei 81 Zählern aus 69 Hauptrundenspielen nur noch drei Zähler Rückstand auf die Detroit Red Wings (84) bei einem Spiel weniger.

Im Zentrum dieser Aufholjagd steht ein Spieler, der längst zum Gesicht des Franchise geworden ist: Tim Stützle.

Stützle als Taktgeber der Aufholjagd

Wenn Ottawa derzeit spielt, ist Stützle meist mittendrin statt nur dabei. Auch gegen Toronto setzte der deutsche Nationalspieler früh ein Zeichen und erzielte das wichtige 1:0 (15., PP) im Powerplay. Es war ein Treffer, der sinnbildlich für sein Selbstverständnis steht: mutig, entschlossen und mit dem klaren Willen, Verantwortung zu übernehmen.

„Das war natürlich ein sehr wichtiger Sieg für uns“, sagte Stützle nach der Partie. „Niemand hat den Gegner auf die leichte Schulter genommen. Wir waren von Anfang an voll dabei. Die ersten zehn Minuten waren noch nicht optimal, aber dann sind wir immer besser reingekommen.“

Es ist diese Mischung aus Selbstreflexion und Führungsanspruch, die Stützle in dieser Phase auszeichnet. Der 24-Jährige wirkt gereift, übernimmt Verantwortung in entscheidenden Momenten und gibt seiner Mannschaft Struktur. Gerade in einer Phase, in der jeder Punkt zählt, ist seine Entwicklung ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Senators.

Sein Einfluss geht dabei weit über Tore und Assists hinaus. Stützle (32 Tore, 40 Assists zu 72 Punkten aus 69 Spielen in 2025/26) treibt das Tempo, initiiert Offensivaktionen und sorgt mit seiner Dynamik immer wieder für Unordnung in gegnerischen Defensivreihen. Gegen Toronto war er nicht nur Torschütze, sondern auch emotionaler Antreiber, ein Spieler, an dem sich das Team aufrichtet.

TOR@OTT: Stützle bricht das Eis im ersten Drittel

Ein Team im Flow und voller Selbstvertrauen

Doch so sehr Stützle herausragt, so sehr lebt der aktuelle Erfolg von der Geschlossenheit des Teams. Gleich fünf verschiedene Torschützen trugen sich gegen die Maple Leafs ein, ein Beleg für die offensive Breite im Kader.

Neben Stützle trafen auch Claude Giroux, Warren Foegele, Michael Amadio und Ridly Greig. Besonders Giroux verkörpert dabei die Erfahrung und Ruhe, die Ottawa in dieser entscheidenden Saisonphase benötigt.

„Wir haben großes Vertrauen in unsere Spielweise und in die Spieler, die wir in dieser Mannschaft haben“, erklärte Giroux. „Wenn man dieses Vertrauen hat, muss man nicht der Held sein. Man muss keine übertriebenen Aktionen machen. Man muss einfach auf sein Spiel vertrauen.“

Dieses Vertrauen ist auf dem Eis spürbar. Ottawa spielt strukturiert, geduldig und mit klaren Abläufen. Auch kleinere Rückschläge, wie aberkannte Tore im zweiten Drittel, bringen die Mannschaft nicht mehr aus dem Konzept.

Trainer Travis Green lobte genau diese Konstanz: „Es war ein großartiges Spiel. Wir haben einfach durchgehalten, sind unserem Spiel treu geblieben und haben nichts geändert.“

Es ist genau diese Stabilität, die Ottawa zu Beginn der Saison noch gefehlt hatte und die nun rechtzeitig zurückgekehrt ist.

Der „Battle of Ontario“ als Signal

Der Sieg gegen Toronto hatte dabei nicht nur tabellarische Bedeutung, sondern auch eine emotionale Komponente. Das traditionsreiche Duell, bekannt als „Battle of Ontario“, brachte einmal mehr die Intensität auf das Eis, die man von dieser Rivalität erwartet.

Für die Senators war es bereits der dritte Heimsieg in Folge gegen den Erzrivalen – ein Kunststück, das zuletzt zwischen 2015 und 2016 gelang. In einer Phase, in der jedes Spiel Playoff-Charakter hat, sendet ein solcher Erfolg ein klares Signal an die Konkurrenz.

Stützle selbst ordnete die Bedeutung des Spiels entsprechend ein: „Es ist eine große Rivalität. Sie sind eine gute Mannschaft, sie haben große, gute Spieler... Aber wie ich schon sagte, wir dürfen niemanden unterschätzen, und genau das haben wir heute Abend auch nicht getan.“

Gerade dieser Respekt vor dem Gegner, gepaart mit der eigenen Entschlossenheit, macht Ottawa aktuell so gefährlich. Die Senators wissen, dass sie sich keinen Ausrutscher erlauben dürfen und treten entsprechend fokussiert auf.

Playoff-Traum wird zur realen Chance

Mit jedem Sieg wächst nicht nur die Punkteausbeute, sondern auch der Glaube an die eigene Stärke. Was vor wenigen Wochen noch wie eine ferne Hoffnung wirkte, ist inzwischen zu einer realistischen Perspektive geworden.

Die Ausgangslage bleibt dennoch anspruchsvoll. Die Konkurrenz im Osten ist dicht, jeder Punktverlust kann entscheidend sein. Doch Ottawa hat sich in eine Position gebracht, in der sie ihr Schicksal zumindest teilweise selbst in der Hand haben.

Entscheidend wird sein, ob die Senators ihr aktuelles Niveau halten können und ob Spieler wie Stützle ihre Form konservieren. Der Deutsche hat sich in dieser Phase als Schlüsselspieler etabliert, der Spiele nicht nur beeinflussen, sondern entscheiden kann.

Sein früher Treffer gegen Toronto war dabei mehr als nur ein Tor. Er war ein Symbol für den Aufschwung eines Teams, das zur richtigen Zeit in Form kommt.

Oder, um es mit den Worten von Giroux zu sagen: Ottawa vertraut seinem Spiel. Und genau dieses Vertrauen könnte am Ende den Unterschied machen auf dem Weg zurück in die Stanley Cup Playoffs.

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