Ab dem 1. November nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.In dieser Ausgabe geht es um die Nashville Predators.
Mit Josi steht und fällt das Spiel der Predators
NHL.com/de 31 in 31: Der Kapitän und seine Mannschaft wollen endlich raus aus der Achterbahn

© John Russell/Getty Images
Raus aus der Achterbahn und rein in den Lift, der geradewegs nach oben führt. So oder zumindest so ähnlich dürften die Wünsche der Predators für die Saison 2020/21 lauten. Zumal nach einer vorangegangenen Spielzeit, die für die Belegschaft aus Nashville nach diversen Berg- und Talfahrten mit einem fürchterlichen Drehwurm endete. Nach Platz sechs in der Western Conference mussten die Predators in der Stanley Cup Qualifikation gegen die Arizona Coyotes nach vier Spielen die Segel streichen. Damit war die Postseason für Nashville zu Ende, bevor sie richtig begonnen hatte.
Das Management reagierte auf die abermalige Enttäuschung und nahm diverse Veränderungen im Team vor. Es gab jedoch keinen radikalen Schnitt, sondern eher behutsame Umbaumaßnahmen. Vordringlichstes Ziel war es, den Kader in der Tiefe wettbewerbsfähiger zu machen. Neu hinzugekommen sind Luke Kunin, Mark Borowiecki, Nick Cousins, Matt Benning und Brad Richardson. Ausgemustert wurden Nick Bonino, Mikael Granlund, Craig Smith, Kyle Turris, Dan Hamhuis, Austin Watson, Yannick Weber und Korbinian Holzer.
Die Schlüsselspieler
Die herausragende Persönlichkeit der Mannschaft ist Roman Josi. Ohne die glänzenden Darbietungen ihres Kapitäns hätten die Predators letzte Saison keine Chance auf die Teilnahme an der Postseason gehabt. Mit 65 Punkten (16 Tore, 46 Assists) war der Berner der Top-Scorer seiner Mannschaft. Alle drei Werte stellten persönliche NHL-Bestleistungen für Josi bezogen auf eine Spielzeit dar. Die Anzahl seiner Assists und seiner Scorerpunkte waren die meisten, die jemals ein Verteidiger in der Geschichte der Predators in einer Saison erzielt hat. 108 geblockte Schüsse und eine Plus-Minus-Bilanz von +22 in der Hauptrunde 2019/20 bedeuteten ebenso Platz eins im teaminternen Ranking.
Mit Josi steht und fällt das Spiel der Predators. An der blauen Linie ist er der unumstrittene Taktgeber seines Teams. Doch nicht nur in der Offensive weiß der Schweizer zu überzeugen, er leistet auch eine überragende Abwehrarbeit. Zusammen mit seinem Defensivpartner Ryan Ellis bildet er eines der besten Verteidiger-Paare in der NHL.
Im Tor hat Juuse Saros seinem finnischen Landsmann Pekka Rinne den Posten der Nummer eins streitig gemacht. Er absolvierte 40 Einsätze in der regulären Saison und kam auf einen Gegentorschnitt von 2,70 pro Match und eine Fangquote von 91,4 Prozent. Viermal feierte er einen Shutout. Rinne stand in 36 Partien auf dem Eis (GAA 3,17; Fangquote 89,9 Prozent; drei Shutouts). In der Stanley Cup Qualifikation spielte ausschließlich Saros.
Die Top-Reihe mit Linksaußen Filip Forsberg, Center Ryan Johansen und Rechtsaußen Viktor Arvidsson gehört nominell zu den besten Offensiv-Formationen der Liga. An guten Tagen nur schwer zu stoppen ist zudem Matt Duchene, der Mittelstürmer der zweiten Sturmreihe.
Sie könnten nachrücken
Ganz oben auf der Liste der Nachwuchsspieler mit Chancen auf einen Stammplatz in der neuen Saison stehen die Angreifer Eeli Tolvanen und Yakov Trenin. Beide kamen bereits zu NHL-Einsätzen für Nashville.
Der 21 Jahre alte Tolvanen brachte es zwischen 2017 und 2019 auf sieben Spiele und zwei Punkte (ein Tor, ein Assist). In der vergangenen Saison lief der Außenstürmer in 63 Spielen bei Milwaukee in der AHL auf. Dabei erzielte er 21 Tore.
Der 23-jährige Trenin debütierte letzte Saison in der NHL. Der Center machte 21 Spiele für die Predators und sammelte sechs Punkte (zwei Tore, vier Assists). Darüber hinaus bestritt er 32 Einsätze im AHL-Farmteam und verbuchte 35 Punkte (20 Tore, 15 Assists).
Mit überragenden Vorstellungen machte Philip Tomasino vorige Saison in der OHL auf sich aufmerksam. Für Niagara und Oshawa gelangen ihm 100 Punkte (40 Tore, 60 Assists). Möglicherweise hat sich der 19 Jahre alte Center dadurch auch eine Bewährungschance im NHL-Kader erspielt.
Stärken
In der Spitze waren die einzelnen Mannschaftsteile der Predators schon immer gut besetzt. Es fehlte jedoch zuletzt an der Tiefe. Durch die Neuzugänge Kunin, Cousins und Richardson im Angriff sowie Borowiecki und Benning in der Verteidigung ist dieses Manko jetzt beseitigt. Wenn die neuen Leute und die Nachwuchsspieler wie erhofft einschlagen, verfügt Nashville über vier vielversprechende Sturmreihen. Und in der Defensive liegt nicht mehr alle Last auf den Schultern von Josi, Ellis, Mattias Ekholm und Dante Fabbro.
Entwicklungspotenzial
Mit 212 Toren (Platz 17) und 214 Gegentreffern (Rang 16) waren die Predators nur Mittelmaß. Luft nach oben besteht daher auf beiden Seiten des Eises.
Als besonderes Problem in der zurückliegenden Saison kristallisierte sich die mangelnde Effektivität im Abschluss heraus. Im Schnitt 33,1 Torschüsse pro Match gaben die Predators auf das gegnerische Gehäuse ab. Das war der fünftbeste Wert in der Liga. Die entsprechende Belohnung für den Aufwand blieb jedoch aus.
Deutlich steigern müssen sich die Special Teams. Im Powerplay landete Nashville mit einer Erfolgsquote von 17,3 Prozent nur an 25. Stelle in der Liga. Noch schlechter sah es im Penalty Killing aus. 76,1 Prozent unbeschadet überstandene Unterzahlsituationen bedeuteten den 29. und damit drittletzten Platz im NHL-Klassement.
Playoff-Chancen
Die Predators verfügen nach wie vor über einen starken Kern, der in der Offseason sinnvoll ergänzt worden ist. Wenn es der Mannschaft um Kapitän Josi gelingt, mehr Konstanz an den Tag zu legen als letzte Saison und die Stürmer ihre Punkteausbeute signifikant steigern, gehört sie ohne Zweifel zu den Anwärtern auf einen der ersten drei Plätze in der Central Division, die den direkten Einzug in die Stanley Cup Playoffs bedeuten. Ein heißer Kandidat auf den Titelgewinn sind die Predators deswegen aber nicht.
















