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Marcel Goc nimmt zur NHL Stellung

Der ehemalige NHL-Stürmer schreibt in seiner exklusiven Kolumne über aktuelle NHL-Themen

von Marcel Goc @nhlde / exklusiv für NHL.com/de

Marcel Goc gehörte für den Zeitraum der Jahre 2005 bis 2015 zu den Aushängeschildern des deutschen Eishockeys in der NHL. Der heute 35-jährige Stürmer der Adler Mannheim wurde beim NHL Draft 2001 von den San Jose Sharks an insgesamt 20. Position in der ersten Runde gedraftet und absolvierte in der regulären NHL-Saison 636 Spiele mit erzielten 75 Toren und 113 Assists sowie 63 Spiele der Stanley Cup Playoffs mit fünf Toren und zehn Assists. Der langjährige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und Silbermedaillengewinner bei Olympia 2018 wird in einer regelmäßigen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.

Hier die neueste Ausgabe:

Heute möchte ich einmal einen Vergleich von meinen ehemaligen Teams von der Situation, als ich dort spielte zu jetzt ziehen. Ich war in meiner NHL-Karriere an fünf Standorten tätig, die teilweise Parallelen aufweisen, teilweise sehr unterschiedlich sind.

Beginnen möchte ich mit den San Jose Sharks, bei denen meine Laufbahn in der besten Liga der Welt begann. Wir waren schon in meiner Zeit von 2005 bis 2009 ein sehr starkes Team, mit dem immer zu rechnen war, und ein Titelanwärter, doch leider war in den Stanley Cup Playoffs stets frühzeitig Endstation. Dieses Image heftete uns an und begleitet die Sharks bis heute, obwohl sie es 2016 erstmals ins Stanley Cup Finale schafften und knapp am großen Triumph scheiterten.

Es ist weiterhin mit ihnen zu rechnen, auch wenn sie derzeit nicht so dominant sind, wie die Tampa Bay Lightning, aber ich traue ihnen einiges zu. Vor allem wäre es Joe Thornton zu gönnen, wenn er seine großartige Karriere mit dem Stanley Cup krönen könnte. Er hatte in den letzten zwei Jahren einiges an Verletzungspech und sich nicht unterkriegen lassen. Es wäre toll, wenn es gelingen würde und ich wünsche ihm das auf jeden Fall, aber es ist halt nicht so einfach.

Beeindruckend finde ich, wie der Schweizer Timo Meier für die Sharks auftritt und sich langsam zu einem Führungsspieler entwickelt. Es hat mit seinen Punkten die Mannschaft in den ersten Monaten sicher mitgetragen und mit seinen Toren häufig den Ausschlag gegeben. Er scheint auf einem guten Weg zu sein, auch wenn für ihn sicher auch wieder Zeiten kommen werden, in denen es nicht so gut laufen wird.

Video: DAL@SJS: Meier bringt die Sharks in Führung

Bei den Nashville Predators war ich von 2009 bis 2011 und schon damals war es ein cooler Standort, wo die Fans ihre Mannschaft bedingungslos unterstützt haben und jeder Gegner nicht so gerne anreiste. Das hat sich natürlich durch die Erfolge und den Einzug in das Stanley Cup Finale 2017 noch verstärkt. Ich war etwas verwundert, dass sie mit Ryan Suter und Shea Weber zwei ihrer Top-Verteidiger nacheinander abgegeben hatten, aber damals hatte sich ja schon angedeutet, dass die Talente Roman Josi und Ryan Ellis in der Defensive stark im Kommen sind. Mit Pekka Rinne haben sie meiner Meinung nach den stärksten Torhüter überhaupt. Das war schon zu meiner Zeit so. Was der gehalten hat, war einfach unglaublich. Sie scheinen eine gute Mischung im Team zu haben, auch wenn es derzeit vor allem auswärts nicht so gut läuft, doch sie werden in der Western Conference ein Wörtchen mitreden. Das steht für mich außer Frage.

In Nashville haben sie den Vorteil, dass sie wie in Tampa nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stehen, wie ein Eishockey-Team in Toronto oder Montreal. Klar, die Presse interessiert sich und berichtet auch, aber es herrscht nicht so ein Hype und man kann viel ruhiger arbeiten und trainieren. Das denke ich, macht sich schon bezahlbar.

In meinem ersten Jahr bei den Florida Panthers hatten wir es 2012 in die Playoffs geschafft, obwohl wir von Experten vor der Saison als Letzter eingeschätzt wurden, und sind gegen die New Jersey Devils, die später im Finale standen, ausgeschieden. Wir hatten eine Mannschaft mit Potenzial. Danach sind wir jedoch erneut an der Qualifikation gescheitert. Das zieht sich etwas durch die Geschichte der Franchise hindurch.

 

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Ich finde, dass Florida ein sehr schöner Standort ist und habe es sehr genossen, dort gewesen zu sein. Wenn man nach dem Training oder dem Spiel aus der kalten Halle kam und es war angenehm warm, das hatte schon was. Ich verstehe daher nicht ganz, warum sie es nicht schaffen, dauerhaft ein gutes Team auf die Beine zu stellen. Natürlich schaue ich ganz besonders auf die Mannschaften, bei denen ich gespielt habe und hoffe, dass es für die Panthers zukünftig besser läuft, denn wenn der Erfolg da ist, dann kommen auch wieder mehr Zuschauer.

Im Frühjahr 2014 kam ich zu den Pittsburgh Penguins und hatte leider nur die Möglichkeit, dort einmal in den Playoffs mit ihnen zu spielen. Wir hatten in der ersten Runde gegen die Columbus Blue Jackets eine harte Serie und mussten dann gegen die New York Rangers antreten, gegen die wir in der Serie schon mit 3:1 führten, ehe wir diese noch verloren. Es war sehr ärgerlich, weil ich damals dachte, dass es mit dem Stanley Cup etwas hätte werden können. Doch es zeigte wieder einmal, wie schwer es ist, es letztendlich zu schaffen.

Pittsburgh ist und bleibt auch noch eine absehbare Zeit ein Spitzenteam und jede Saison ist mit ihnen zu rechnen. Es war ja auch dieses Jahr sehr knapp, als die Washington Capitals sie in der zweiten Runde besiegten. Es ist nicht zu unterschätzen, wieviel Kraft es körperlich, aber auch mental kostet, wenn du zwei Jahre in Folge gewinnst und im Sommer nur wenig Regenerationszeit hast. Ich denke, das war mit eines der Probleme. Ich habe aber überhaupt keine Zweifel, dass sie sich für die Playoffs in diesem Jahr qualifizieren werden und dann wieder ein heißer Anwärter sind. 

In der darauffolgenden Saison wurde ich zu den St. Louis Blues transferiert, was meine letzte Station in der NHL war. Die Blues waren und sind für mich eine Mannschaft, ähnlich den Predators, die unter dem Radar fliegen. Sie sind auch heute noch ein sehr unangenehmer Gegner, weil sie eine funktionierende Einheit ohne großen Namen, aber sehr ausgeglichen und kämpferisch sehr stark sind. Trotzdem will es nicht mehr klappen, dass sie ganz nach vorne kommen. Schwer zu sagen, woran das liegt, nachdem sie ja eine Mannschaft waren, die über Jahrzehnte immer die Playoffs erreichten.

Für mich ein absoluter Ausnahmespieler in ihren Reihen ist Vladimir Tarasenko. Sein Handgelenkschuss kommt praktisch aus dem Nichts, sieht von außen betrachtet nicht hart aus, aber ist unglaublich scharf und präzise, so dass die Torhüter oft regungslos bleiben. Sie haben keine Abwehrchance. So etwas habe ich bei keinem anderen Spieler jemals gesehen. Mit dieser "Waffe" kann er immer den Unterschied ausmachen.

Ich wünsche allen Lesern ein guten Rutsch und alles Gute für das Jahr 2019.

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