Die Detroit Red Wings mit ihrem deutschen Verteidiger Moritz Seider und dem Österreicher Marco Kasper im Sturm haben sich nach den beiden Niederlagen gegen die Pittsburgh Penguins wieder gefangen. Die Mannschaft von Trainer Todd McLellan gewann am Montagabend im Canadian Tire Centre mit 5:3 bei den Ottawa Senators. Deren deutscher Stürmer Tim Stützle setzte trotz der Niederlage seine eigene Serie fort.

Die neueste Auflage des Duells der beiden ehemaligen Spieler der Mannheimer Adler, Seider und Stützle, kann man irgendwann als Paradebeispiel heranziehen für „Was wäre, wenn …“. Doch das hat bekanntlich im Sport noch nie eine Rolle gespielt. Entscheidend ist am Ende das Ergebnis. Es half den Senators nicht, dass Detroits Trainer ihnen nach der Partie eine gute Leistung bescheinigte. Das Bemühen der Gastgeber ist sogar statistisch verbrieft: Mit 38:20 Torschüssen waren die Senators die klar aktivere Mannschaft. Torhüter John Gibson (35 Saves) musste für seinen 14. Sieg in dieser Saison schon sehr viele Pucks halten.

Challenge: 1:0 zählt nicht

Was wäre aber, wenn die Senators diese Überlegenheit vor allem im ersten Drittel (17:8 Schüsse) genutzt hätten? Für kurze Zeit wähnten sich die Gastgeber auch auf dem richtigen Weg, als David Perron den Puck zum vermeintlichen 1:0 in die Maschen setzte. Doch der Treffer fand wegen einer vorherigen Abseitsstellung von Thomas Chabot keine Anerkennung. „Die Senators haben uns früh unter Druck gesetzt. Aber das nicht gegebene Tor hat uns Leben eingehaucht“, meinte McLellan.

Und wie. Die Red Wings, mit nun 54 Punkten an der Spitze der Atlantic Division und der Eastern Conference, gingen nach Toren von Andrew Copp (8.), Dylan Larkin (14.) und James van Riemsdyk (20.) mit einer 3:0-Führung in die erste Pause. Ein Ergebnis, das aus Sicht von Senators-Coach Travis Green verkehrt herum war: „Es hat sich angefühlt, als hätten wir nach dem ersten Drittel 3:0 vorne und nicht 0:3 hinten liegen müssen. Aber wir haben uns zurück ins Spiel gekämpft und eine gute Leistung abgeliefert.“ Wenn sein Team dieses Spiel zehnmal spiele, gewinne es womöglich acht- oder neunmal. Doch diesmal war dieses eine Mal, bei dem der Gegner die Oberhand behielt.

Knackpunkt Effizienz

Der Knackpunkt war an diesem Abend neben der Effizienz der Gäste die mangelnde Durchschlagskraft der Gastgeber in der Offensive. „Wir hätten ein paar Tore mehr schießen können“, befand Green. Fünf bis sieben hätten am Ende bei den Senators schon auf der Anzeigetafel zu sehen sein dürfen. Vor allem im Powerplay hatte Ottawa, mit einer Erfolgsquote von 24,6 Prozent immerhin das fünftbeste Team der Liga, seine Möglichkeiten. Doch mehr als der Treffer von Dylan Cozens zum zwischenzeitlichen 2:3 (35.) wollte nicht herausspringen bei den sechs Gelegenheiten in nummerischer Überlegenheit. „Wir hätten bei allen Powerplay-Gelegenheiten treffen können“, haderte Green. Claude Giroux hatte in der 28. Minute bereits die Aufholjagd der Gastgeber eingeläutet.

„Ich fand, wir haben gut gespielt. Die Red Wings haben ihre Chancen genutzt. Wir waren oft genug in Überzahl, hatten da auch genügend Chancen“, meinte Stützle. Die Senators hätten ein gutes erstes Drittel abgeliefert und sich gut zurückgekämpft. Aber das Manko sei die Chancenverwertung gewesen. Da nehme er sich selbst auch nicht aus. Da half es ihm nur wenig, dass er mit zwei Vorlagen seine persönliche Serie von 13 Partien in Serie mit mindestens einem Scorerpunkt fortsetzte. Acht Tore und 13 Vorlagen hat er in dieser Zeit verbucht. Es ist die viertlängste Serie in der Historie der Senators. Den Teamrekord hält Dany Heatley mit 22 Spielen in der Saison 2005/06. „Tim ist ein guter Spieler. Wir sind glücklich, dass wir ihn haben“, sagte Green. Mehr wollte er auf einzelne Spieler allerdings nicht eingehen.

DET@OTT: Cozens mit einem Tor in Überzahl

Die Aufholjagd der Senators fand in Person von Lucas Raymond ein jähes Ende. Der Schwede erhöhte noch vor der zweiten Pause auf 4:2 für Detroit (36.). Brady Tkachuk brachte Ottawa im Schlussabschnitt noch mal heran (47.). Michael Rasmussen sorgte in Unterzahl schließlich für den Endstand (53.).

Detroits gute Antwort

Bei den Red Wings wusste man, den Sieg richtig einzuschätzen: „Wir haben einige wichtige Unterzahlsituationen überstanden und insgesamt gut dagegengehalten“, befand Rasmussen. „Wir haben uns an unseren Matchplan gehalten. Wenn wir das machen, sind wir erfolgreich.“ Ein Duell gegen ein Team aus der eigenen Division oder Conference sei immer hart. Nach den beiden Niederlagen gegen Pittsburgh zum Start ins Eishockeyjahr 2026 habe man eine gute Antwort gegeben.

DET@OTT: Rasmussen trifft im dritten Drittel in Unterzahl zum 5:3

„Wir haben nicht den besten Start hingelegt. Nach der Challenge haben wir einfach und direkt gespielt“, sagte van Riemsdyk. Zusätzlich hätten die Veränderungen im Kader das Team aufgerüttelt, ergänzte der Routinier, der mittlerweile über 1100 Spiele in der NHL bestritten hat.

Die Senators trafen sogar noch ein weiteres Mal. Doch auch diesmal fand das Tor nach dem Schuss von Shane Pinto nur 23 Sekunden nach dem 3:5 keine Anerkennung. Hier entschieden die Schiedsrichter auf Torwartbehinderung durch Ridly Greig. Was wohl passiert wäre, wenn der Treffer gezählt hätte?

So aber traten die Red Wings als Sieger die Heimreise an. „Ich weiß nicht, ob wir jetzt ein Statement gesetzt haben. Wir wollten uns von dem Pittsburgh-Debakel erholen. Ich weiß nicht, ob wir unser bestes Spiel abgeliefert haben. Aber wir haben einen Weg gefunden zu gewinnen, fahren mit Punkten nach Hause. Das nehmen wir gerne“, sagte McLellan. Aber der Coach der Red Wings hatte auch noch Verbesserungspotenzial in allen Bereichen erkannt. Am Donnerstag dürfen McLellans Schützlinge zu Hause gegen die Vancouver Canucks zeigen, wie und wo sie sich verbessert haben. Für Ottawa stehen als nächstes zwei Auswärtsspiele bei den Utah Mammoth und Colorado Avalanche auf dem Programm.

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