Am Donnerstag standen die Viertelfinalspiele der IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft 2023 auf dem Programm. Dabei trafen die Teams aus Deutschland und der Schweiz direkt aufeinander. Das mit Spannung erwartete Duell ging am Ende mit 3:1 an die DEB-Auswahl. Im zweiten Aufeinandertreffen des Nachmittags besiegten die USA die Vertretung Tschechiens mit 3:0. Sie treffen somit im am Samstag (27. Mai 2023) anstehenden WM-Halbfinale auf die deutsche Mannschaft. In den Abendspielen bezwang Kanada den Titelverteidiger aus Finnland mit 4:1 und Co-Gastgeber Lettland siegte überraschend mit 3:1 gegen Schweden.
Deutschland schlägt die Schweiz und zieht ins WM-Halbfinale ein
Nach einem 3:1 gegen die Eidgenossen darf die DEB-Auswahl von einer Medaille träumen; nächster Gegner ist die Vertretung der USA

© (Photo by Andrea Branca/Eurasia Sport Images/Getty Images)
Schweiz - Deutschland 1:3 (0:1/1:2/0:0)
Das Kräftemessen zwischen der Auswahl der Schweiz und der Vertretung Deutschlands in Riga war, wie es im Vorfeld zu erwarten war, nichts für schwache Nerven. Nach einem harten Kampf über die vollen 60 Minuten setzte sich Deutschland glücklich, aber nicht unverdient durch. Es war der zweite Erfolg innerhalb von drei Jahren für die Truppe des DEB in einem WM-Viertelfinale gegen die Eidgenossen. Jonas Müller steuerte beim Sieg seiner Farben zwei Assists bei und Torhüter Mathias Niederberger hielt 29 von 30 Schüssen.
Am Ende musste die vielleicht aussichtsreichste Schweizer Eishockeymannschaft, die jemals an einer IIHF Weltmeisterschaft teilgenommen hat, das bittere Aus akzeptieren. Nachdem sie ihre ersten sechs Spiele in der regulären Spielzeit gewonnen hatten, schlossen die Schweizer die Gruppenphase mit einer Niederlage nach Verlängerung gegen Lettland ab, bevor sie im Viertelfinale aus dem Turnier ausschieden. Coach Patrick Fischer betonte, er sei enorm enttäuscht. "Enttäuscht von mir selbst, dass wir es wieder nicht geschafft haben, die Mannschaft bereitzumachen", sagte der 47-Jährige.
Vor zwei Jahren gingen die Deutschen ebenfalls als Gruppenvierter in das Spiel gegen den Gruppensieger Schweiz. Damals wurde das Spiel im Penaltyschießen entschieden, dieses Mal gelang es Deutschland, das Spiel sogar in der regulären Spielzeit zu gewinnen, und zwar dank zweier Tore im Abstand von 36 Sekunden gegen Ende des zweiten Drittels.
Deutschland begann stark und erzielte das einzige Tor des ersten Drittels in der 7. Minute, als Maximilian Kastners Weitschuss aus dem Gewühl heraus durch die Schoner von Goalie Robert Mayer rutschte und über die Torlinie trudelte. Im weiteren Verlauf setzten die Schweizer zunehmend auf schnelle Gegenzüge, blieben dabei jedoch erfolglos.
Erst in der ersten Minute des zweiten Drittels gelang ihnen der zu diesem Zeitpunkt verdiente Ausgleich, als sie die Deutschen in der Defensive stark unter Druck setzten. Jonas Siegenthaler verwertete einen Pass von Kevin Fiala und schoss durch das Gedränge hindurch auf Niederberger, der den Einschlag nicht verhindern konnte.
Die Schweiz musste in der Folgezeit einige Strafen akzeptieren, die das Team bei seinen Bemühungen um die Führung immer wieder in Schwierigkeiten brachten. Erst als NHL-Verteidiger Moritz Seider auf Seiten der Deutschen eine große Strafe und eine Spieldauerdisziplinarstrafe erhielt, schien sich das Blatt zu wenden. Doch die DEB-Auswahl kompensierte den Ausfall und konnte gegen Ende des Mitteldrittels selbst in Führung gehen.
Zunächst erzielte JJ Peterka das 2:1 (38.), als er einen Pass von Dominik Kahun im hohen Slot aufnahm und Mayer erfolgreich überwand. Dann, als die Schweizer einmal wieder im Powerplay waren, erzielten die Deutschen sogar ein Tor in Unterzahl. Wojciech Stachowiak setzte Nico Sturm gekonnt in Szene, der dem Schweizer Goalie mit seinem platzierten Schuss keine Abwehrchance ließ und den Zwischenstand auf 3:1 (39.) stellte. Nino Niederreiter ärgerte dieser Gegentreffer sehr: "Den Shorthander dürfen wir nie kriegen. Das war blöd von uns", sagte er.
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In den finalen 20 Minuten der Begegnung erhöhten die Schweizer noch einmal den Druck. In der Mitte des Drittels hatten sie die große Chance, den Rückstand zu verkürzen, als Corvi Janis Moser mit einem Rückpass bediente. Doch Moser konnte nicht abschließen. Moritz Müller traf mit einem Schuss vom in der Schlussphase noch einmal den Pfosten für die DEB-Auswahl.
Mehr passierte dann nicht mehr. Die Schweizer nahmen zwar 2:44 Minuten vor Schluss eine Auszeit und zogen ihren Torhüter zu Gunsten eines weiteren Angreifers vom Eis, so dass sie nach einer verhängten Strafzeit in den letzten 49,7 Sekunden sogar zu einer 6-auf-4-Überzahl kamen, aber ohne Erfolg. Die Mannschaft von Bundestrainer Harold Kreis brachte den Vorsprung jedoch erfolgreich über die Zeit.
Der Coach zeigte sich nach dem Spiel zufrieden: "Die Mannschaft hatte heute ihr fünftes Ausscheidungsspiel. Die Spieler gehen mit dieser Situation souverän um und lassen sich nicht dadurch verunsichern oder irritieren. Das 1:0 hat sicher geholfen dieses Gefühl zu bekommen, dass wir im Spiel gegen eine starke Schweizer Mannschaft angekommen sind. Das haben wir dann über 60 Minuten so fortgesetzt, und dass alles Unabhängig von der Entwicklung des Spiels. Das war eine der Vorgaben, dass egal wie das Spiel läuft, wir in unserer Struktur bleiben. Das haben die Jungs wirklich phantastisch gemacht."
Auch NHL-Profi Sturm war glücklich. "Ich bin einfach stolz darauf, was die Mannschaft heute geleistet hat. Das war überragend", befand er nach der Schlusssirene. "Wir haben eine unglaubliche Energieleistung auf das Eis gebracht und uns nicht aus der Ruhe bringen lassen, auch in Phasen, in denen die Schweiz mehr vom Spiel hatte. Da sind wir trotzdem kompakt geblieben, haben die Schüsse gut geblockt und deswegen hat es heute geklappt."
\[Komplette Berichterstattung von NHL.com/de von der IIHF Weltmeisterschaft 2023 aus Riga, und Tampere\]
Die weiteren Spiele am Donnerstag:
USA - Tschechien 3:0 (1:0/1:0/1:0)
Es war letztendlich eine klare Angelegenheit, und für die US-Fans auch schön anzuschauen. Durch Tore von Matt Coronato, Nick Perbix und Cutter Gauthier besiegten die USA im ersten Viertelfinale das Team aus Tschechien mit 3:0. Das Torschussverhältnis sprach dabei eine eindeutige Sprache. Hier waren die Amerikaner mit 34:15 klar die dominierende Mannschaft auf dem Eis in Tampere. Die Amerikaner, die in den vergangenen zehn Jahren vier Bronzemedaillen (2013, 2015, 2018, 2021) gewonnen haben, sind durch diesen Erfolg nur noch zwei Siege von ihrer ersten Eishockey-WM-Goldmedaille seit 1960 entfernt. Auf dem Weg dahin müssen sie aber am Samstag in der Vorschlussrunde noch Deutschland aus dem Weg räumen.
Kanada - Finnland 4:1 (1:0/1:0/2:1)
Mit einem 4:1-Sieg gegen Finnland hat Kanada den Versuch einer Titelverteidigung des Gastgebers im Viertelfinale vorzeitig beendet. Die Kanadier ziehen damit erneut in die Runde der letzten Vier ein. Vor dem lautstarken Heimpublikum in Tampere dominierten die Finnen zwar über weite Strecken des Spiels. Doch die Kanadier waren bei Kontern schnell und gefährlich und verteidigten, wenn es nötig war, sehr gut. Samuel Montembeault von den Montreal Canadiens machte ein starkes Spiel zwischen den Pfosten, während Tore von Jack Quinn, Samuel Blais und Michael Carcone die Kanadier auf die Siegerstraße brachten.

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Schweden - Lettland 1:3 (0:1/1:0/0:2)
Miks Indrasis sorgte mit einem perfekten Schuss in der 46. Minute für die 2:1-Führung des Außenseiters und legte damit die Grundlage für einen überraschenden 3:1-Sieg Lettlands gegen Schweden in der Arena Riga. Janis Jaks sorgte in einem Powerplay noch für den Treffer zum Endstand (54.). Das einzige Mal, dass Lettland die Schweden zuvor in 17 WM-Begegnungen besiegt hatte, war in der Vorrunde 2009. Lettland reist nun zum Finalwochenende nach Tampere und wird dort erstmals in seiner Geschichte um eine Medaille bei einer Eishockey-WM spielen.

















