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Die internationalen Flugverbindungen hatten etwas dagegen, dass die deutsche Eishockeynationalmannschaft schon am Sonntag komplett trainieren konnte. So gab es für die bereits anwesenden Schützlinge von Bundestrainer Harold Kreis bei den Olympischen Spielen Milano Cortina 2026 eine optionale Einheit. Zum Trainerteam der Mannheimer Eishockeylegende gehört in Italien auch Alexander Sulzer. Der Co-Trainer hat spezielle Aufgaben.

Im Alltag der Deutschen Eishockeyliga (DEL) ist Sulzer der hauptverantwortliche Übungsleiter bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven. Bei den Olympischen Spielen ist der ehemalige NHL-Verteidiger, wie schon bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften, zuständig für die Defensive und das Unterzahlspiel, wie er im Gespräch mit NHL.com/de erzählt. Komplettiert wird das Trainerteam mit Serge Aubin, Cheftrainer der Eisbären Berlin, und Jamie Kompon, Co-Trainer bei den Florida Panthers.

Bei der optionalen Einheit am Sonntag konnte Sulzer seine Vorstellungen aber noch nicht an die komplette Mannschaft weitergeben. Auf dem Eis waren lediglich Leon Draisaitl, Korbinian Geibel, Moritz Müller, Dominik Kahun und Frederik Tiffels sowie die beiden Keeper Maximilian Franzreb und Mathias Niederberger. Unter anderem Torwart Philipp Grubauer gehörte zu dem Teil des Teams, die zu spät gelandet waren, um noch die Schlittschuhe zu schnüren. „Der Rest der Truppe ist noch nicht da. Wir waren also als komplette Gruppe noch nicht zusammen. In den vergangenen Tagen hatten wir eine super Stimmung“, berichtet Sulzer. Wer allerdings aufs Eis gegangen sei am Sonntag, der habe richtig mitgezogen. „Die Jungs freuen sich darauf, dass es endlich losgeht.“

EDM@NSH: Draisaitl sammelt drei Scorerpunkte, Mcdavid baut Punkteserie auf 20 Spiele aus

Wie alle Teams, so kommt auch die deutsche Mannschaft in den Genuss, ihre NHL-Stars mit an Bord zu haben. „Es ist super, dass sie dabei sind. Das sind die besten Spieler der Welt. Es wird ein fantastisches Turnier“, meint Sulzer erfreut.

Unter all den Superstars sticht selbstverständlich Draisaitl heraus. „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Jeder weiß das. Wir freuen uns, dass er zum Team gehört. Die Energie, die Geschwindigkeit und die Fähigkeiten, die er aufs Eis bringt, helfen uns enorm weiter“, lobte Sulzer den Ausnahmekönner der Edmonton Oilers. Allein die Tatsache, dass Draisaitl dieses freiwillige Training wahrnehme, sage alles über dessen Einstellung aus. Hinzu kam, dass der gebürtige Kölner aber auch seinen Jetlag aus dem Körper laufen wollte.

Während der Zeit in Italien wird sich Sulzer aber ob seiner Rolle weniger mit Draisaitl und den Stürmern, als vielmehr mit den Abwehrspielern beschäftigen. Auch hier hat die deutsche Mannschaft mit Moritz Seider einen prominenten NHL-Spieler in ihren Reihen. „Er war schon ziemlich erwachsen, als er noch jünger war. Wie er sich gibt, wie er Dinge anpackt, seine Meinung, seine Einstellung zu Eishockey und zum Leben“, zählte Sulzer die Vorzüge des Verteidigers der Detroit Red Wings auf. Seider habe einfach eine großartige Persönlichkeit und sei ein großartiger Athlet. „Er hat sich enorm weiterentwickelt. Er kann einfach alles, und das hilft uns.“ Seider spiele sehr körperbetont und könne auch Schüsse blocken. „Er kann ein bisschen was von allem, ist auch im Powerplay einsetzbar. Ich erwarte einen physischen Spielstil bei dem Turnier. Die besten Spieler sind hier, und er ist einer von ihnen“, sagte Sulzer.

TOR@DET: Seider gleicht mit Distanzschuss aus

Auch wenn der Kader des Teams des Deutschen Eishockeybunds (DEB) noch nicht komplett ist, so sind diese Einheiten aus Sicht von Sulzer doch bedeutsam für die Spieler: „Es ist gut für die Jungs, zusammenzufinden, Zeit miteinander zu verbringen und dann auch die Spielstruktur zu lernen und zusammenzuwachsen.“ Im Unterschied zu den normalen Ligaspielen sei die Eisfläche bei dem Turnier in Italien kleiner. „Das bedeutet weniger Zeit und weniger Raum.“ Die deutsche Mannschaft wolle schnell und aggressiv zu Werke gehen, dem Gegner das eigene Spiel aufzwingen. „Das wird sich nicht so von dem unterscheiden, was man in der NHL sieht.“ Deutschland trifft in der Vorrunde auf Dänemark, Lettland und die USA.

Ein konkretes Ziel gibt es im deutschen Lager nicht. Aber Sulzer formuliert es mal so: „Wir wollen den größtmöglichen Erfolg erreichen. Wir wollen so weit kommen wie möglich und so viele Spiele wie möglich gewinnen.“

Sulzer, mittlerweile 41 Jahre alt, hat selbst eine NHL-Vergangenheit. 131 Partien hat er in der besten Eishockeyliga der Welt absolviert und dabei sieben Tore geschossen und 15 vorbereitet. Er trug die Trikots der Nashville Predators, Florida Panthers, Vancouver Canucks und Buffalo Sabres. Zu seiner letzten Station, Buffalo, hat er noch die eine oder andere Verbindung, wie er berichtete. Er verfolge die Ergebnisse der Sabres immer noch, auch wenn er die genaue Tabellenposition jetzt nicht nennen könne.

„Buffalo ist eine großartige Stadt. Ich hatte dort eine sehr schöne Zeit mit meiner Familie. Ich hoffe, sie gewinnen weiter.“ Von Zeit zu Zeit spreche er mit Christian Ehrhoff, der in der NHL ebenfalls unter anderem für die Sabres aktiv war. Und: Sulzers ehemaliger Nachbar in Buffalo schicke ihm immer mal wieder eine Textnachricht. So bleibe man in Verbindung. „Buffalo ist eine großartige Sportstadt. Die Fans dort verdienen erfolgreiche Mannschaften, nicht nur im Eishockey. Sie sind sehr leidenschaftlich.“

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