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Intensive und wegweisende Tage liegen vor Ron Francis, dem General Manager der Seattle Kraken, und seinem Stab. Mit dem jungen Center Luke Henman steht erst ein Spieler für die bevorstehende Saison 2021/22 unter Vertrag. Es gilt daher beim Expansion Draft 2021 am 21. Juli einen Kader aufzustellen, aus dem Trainer Dave Hakstol ein konkurrenzfähiges Team formen kann. Dabei verfügt Seattle über ähnliche Voraussetzungen, wie Vegas sie vor vier Jahren vorfand.

Zwischen dem 18. und dem 21. Juli dürfen die Kraken Gespräche mit den nicht geschützten Spielern der anderen NHL-Vertretungen führen. Sieben Stürmer, drei Verteidiger und einen Torhüter oder acht Skater und einen Torwart dürfen die Konkurrenten vor dem Zugriff des neuen Klubs bewahren. Mindestens 20 Spieler müssen die Kraken auswählen. Der Weg der Vegas Golden Knights von vor vier Jahren könnte für sie als Blaupause dienen.
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Die Golden Knights gelten als das erfolgreichste Expansion-Team aller Zeiten in der NHL. Mit sechs Siegen aus ihren ersten sieben Begegnungen stellte die Mannschaft gleich zu Beginn einen Rekord auf und machte deutlich, wie gut sie mithalten kann. Vegas gelang im weiteren Verlauf der Saison ein noch viel überraschenderer Coup: Die Golden Knights wurden Western Conference Champion und zogen ins Stanley Cup Finale ein. Erst dort stoppten die Washington Capitals den Siegeszug des Neulings.
Seit ihrem fulminanten Einstieg in die NHL zählen das Team aus Nevada zu den Titelfavoriten. Die Saisons 2017/18 und 2019/20 beendeten die Golden Knights jeweils als Erster der Pacific Division, in der abgelaufenen Saison hatte Vegas mit 73,2 Prozent, gleichauf mit den Colorado Avalanche, die höchste Erfolgsquote (40 Siege in der regulären Spielzeit, zwei Siege in der Verlängerung, 14 Niederlagen) nach 56 Spielen vorzuweisen.
Beim Expansion Draft 2017 hatte Vegas es geschafft, den richtigen Spielermix zu finden. Vor allen Dingen die erste Sturmreihe der Golden Knights überzeugte. Jonathan Marchessault (75 Scorerpunkte), Reilly Smith (60) und William Karlsson (78) lehrten den Gegnern das Fürchten.

VGK@COL, Sp5: Marchessault nutzt Pass zum Ausgleich

Für die Kraken wird es in den nächsten Tagen darum gehen, die ambitioniertesten aus den nicht geschützten Spielern zu identifizieren. Andersherum müssen sich die anderen Teams gut überlegen, welche Akteure sie unbedingt behalten wollen. 2017 standen zum Beispiel die Pittsburgh Penguins vor einer schweren Entscheidung in Sachen Torhüterposition. Entweder Routinier Marc-Andre Fleury oder den aufstrebenden Matt Murray behalten, lautete die Frage. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt. Fleury wurde von Vegas ausgewählt und glänzte dort mit starken Leistungen. Murray hingegen konnte zuletzt in Pittsburgh nicht mehr überzeugen und wurde 2020 zu den Ottawa Senators getradet.
Etablierte Persönlichkeiten mit der richtigen kämpferischen Mentalität im Kader zu haben, ist nicht nur wichtig für jüngere Spieler, damit diese jemanden haben, zu dem sie aufschauen können. Gerade für ein Team, das sich neu in der Liga etablieren muss, ist es von Vorteil, die Fanbase mit einem Star aufzubauen. Für Vegas war Fleury lange vor dem ersten Spiel der gefeierte Mann und das Gesicht der Fan-Kampagne. Die Golden Knights haben von Beginn an den Hype um ihn ausgenutzt, wie es die Los Angeles Kings vor über 33 Jahren mit dem Transfer von Wayne Gretzky getan haben.

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Der längerfristige Erfolg ist nur machbar, wenn beim Expansion Draft auch an zukünftige Entwicklungen gedacht wird. Vegas ist dabei extrem geschickt vorgegangen und hat es geschafft, die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen. Die Golden Knights hatten sich für die erste Runde des NHL Entry Drafts 2017 insgesamt drei Wahlrechte gesichert. Selbst die Entscheidung, die Rechte von Nick Suzuki, einem ihrer Erstrunden-Picks von 2017, im September 2018 an die Montreal Canadiens abzugeben, brachte Vorteile für Vegas. Denn dadurch war es möglich, sich im Gegenzug die Dienste von Max Pacioretty zu sichern.
Führungsqualität im Kader zu haben, ist bei der Teambildung ein wichtiges Kriterium. Vegas setzte dabei zunächst voll auf Deryk Engelland. Er wurde nach der ersten Saison bei den Golden Knights mit dem Mark Messier Leadership Award ausgezeichnet. Seit seinem Abgang haben Max Pacioretty, Kapitän Mark Stone, James Neal und David Perron eine Führungsrolle inne.
Natürlich muss auch das Spielsystem zum neugebildeten Mannschaftskern passen. Auf die Spielidee von Gerard Gallant, dem ersten Trainer der Golden Knights, traf dies zu. Er setzte auf hohes Tempo, gepaart mit aggressivem Forechecking. Vorab eine Spielphilosophie im Kopf zu haben, wird für den anstehenden Expansion Draft von entscheidender Bedeutung sein.