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Jagr ein Vorbild und Mentor

Die tschechische Eishockeylegende kann noch immer ein Lehrmeister für junge Eishockeyspieler sein

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Wo und mit wem auch immer Jaromir Jagr in seiner 29-jährigen Profikarriere auf dem Eis stand, er hat bei den Menschen, die mit ihm zu tun hatten, einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

All jene, die ihn näher kennenlernen wollten, oder besser gesagt durften, sich dabei auf ihn einließen, profitieren bis heute von den Stunden, die sie mit ihm als Lehrmeister verbracht haben, in denen sie ihn sich als Vorbild nahmen oder sie mit seinem Können in Erstaunen versetzen konnte.

Mit seinen 45 Jahren ist Jagr eigentlich nicht mehr prädestiniert dazu, dem Eishockeynachwuchs als Idol zu dienen, doch was ist bei diesem Ausnahmesportler schon normal. Noch immer träumen viele junge Eishockeyspieler von einer Karriere eines Jagr. In seiner Heimat Tschechien ist der Rechtsaußen schon seit Jahrzehnten eine lebende Legende. Was aus seinem Munde kommt, das zählt in der Tschechischen Republik - auch wenn das Gesagte manchmal viel Spielraum zur Interpretation lässt oder einen Widerspruch regelrecht herausfordert. 

Noch steht in den Sternen, ob der mehrfache Weltmeister, Stanley Cup Champion und Olympiasieger auch in der kommenden Saison seine Schlittschuhe für ein NHL-Team schnüren wird. Dass er aber für jede Mannschaft eine Verstärkung wäre, weil er auch deren Nachwuchspieler führen kann, steht außer Frage. Die Eishockeylegende mit der Nummer 68 auf dem Rücken kann auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen, aus dem jeder der Stars von übermorgen das Beste für die eigene Karriere herausgreifen kann.

Den Florida Panthers war das bewusst, als sie ihn vor 2 1/2 Jahren von den New Jersey Devils nach Sunrise geholt hatten. Nachdem sie sich Anfang Juli dieses Jahr dazu entschieden hatten, Jagr als Unrestricted Free Agent kein weiteres Vertragsangebot zu unterbreiten, sprach Panthers General Manager Dale Tallon auf einer Pressekonferenz im BB&T Center davon, dass es eine "Ehre war mit einer Legende in Berührung gekommen zu sein".

Wer weiß wo ein Jonathan Huberdeau oder ein Aleksander Barkov, die noch nicht einmal geboren waren als Jagr seine erste NHL-Partie bestritt, nun sportlich stehen würden, hätten sie nicht zwei Jahre lang zusammen mit dem Altmeister des Eishockeysports trainiert und zusammen in einer Reihe gestürmt?

"Niemand kann nachvollziehen, wie sehr er mir geholfen und wie er mich unterstützt hat", sagte Barkov gegenüber NHL.com International. "Bei all dem was er uns gezeigt hat und was wir von ihm gelernt haben, kann ihn niemand ersetzen", fügte der 22-jährige Finne hinzu. 

An der Seite von Jagr steigerte Barkov seine Punktausbeute von 36 Zählern in der Spielzeit 2014/15 auf 59 und 52 Punkte in den folgenden zwei Jahren. Der junge Center war ganz nah dabei, als sein Mentor weitere Meilensteine, wie dem 750. Tor oder dem 1900. Scorerpunkt knackte. "Ich war nur irgendein Teil von dem. Es ist eine solche großartige Leistung, da habe ich keinerlei Verdienst. Das hat er ganz alleine geschafft und ihm gehört die ganze Aufmerksamkeit."

Barkov hat mit eigenen Augen gesehen, dass solche Erfolge keine Selbstläufer sind: "Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie hart er daran gearbeitet hat, um diese ganzen Bestmarken aufzustellen. Es war einer der schönsten Momente in meiner Karriere mit ihm gemeinsam spielen zu dürfen."

Video: WSH@FLA: Jagr schießt das 750. seiner Karriere

Wenn sich seine Teamkameraden schon auf dem Heimweg befanden, legte Jagr, eine Gewichtsweste tragend, Zusatzschichten auf dem Eis ein. 

Auf seiner Facebookseite hat er einmal erklärt, warum er das macht: "Es ist 23:15. Die meisten Menschen schlafen bereits und ich beende gerade meine letzte Übung mit einer 13 kg schweren Weste. Ich sitze auf der Bank und gönne mir eine Ruhepause. Ich betrachte mich wie in einem Spiegel. Nach einer Weile frage ich mich, ob es das wirklich wert ist. Ich kann mir diese Frage nicht beantworten. Ich sinniere weiter 'Du bist alleine, hast keine Familie, du arbeitest wie ein Pferd und niemand wartet auf dich zuhause'. Das klingt nicht gerade toll. Doch dann taucht eine weitere Frage auf 'Warum machst du es dennoch?' Die Antwort darauf kenne ich ohne zu zögern. Weil ich es liebe."

Jagr wird sich auch in der kommenden Saison wieder aufs Eis begeben und dann wird Barkovs Wunsch in Erfüllung gehen: "Es wäre schön ihn zu sehen, sei es in der NHL, KHL oder in Tschechien. Ich kann mir Eishockey ohne ihn einfach nicht vorstellen."

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