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Die Stanley Cup Playoffs beginnen am Samstag mit der ersten Partie der ersten Runde. Die Boston Bruins gastieren bei den Washington Capitals. Die beiden formstarken Teams dürften sich nach der ausgeglichen Saison-Bilanz gegeneinander einen harten Kampf um das Weiterkommen liefern. Besonders für Zdeno Chara dürfte das Duell mit seinem ehemaligen Team einen besonderen Reiz haben.

5 Dinge, auf die es am Samstag zu achten gilt:
Playoffs haben ihre eigenen Gesetze
56 Partien wurden in der verkürzten Spielzeit 2020/21 absolviert, um die Ausgangslage für die Stanley Cup Playoffs zu schaffen. Mit dem Beginn der Schlussrunde am Samstag sind all diese Ergebnisse Makulatur. In den Playoffs gelten ganz eigene Regeln und selbst das beste Team der Liga müsste nach vier Niederlagen die Segel streichen. Die Tampa Bay Lightning mussten diese Erfahrung 2019 machen. Als Gewinner der Presidents Trophy schieden sie in der ersten Runde gegen die Columbus Blue Jackets aus und konnten keine einzige Partie gewinnen.
Wenn die Bruins und die Capitals sich duellieren, dann dürfte es spannend werden. In der regulären Saison konnte jede der Mannschaften vier der acht Partien für sich entscheiden. Bei Washington fehlen mit Ilya Samsonov, Evgeny Kuznetsov, T.J. Oshie und Michal Kempny voraussichtlich vier Akteure. Vielleicht sorgen diese Ausfälle für die eigenen Gesetze in den Playoffs.

Wer hat die bessere Form
Formstark zeigten sich beide Kontrahenten in der finalen Phase der regulären Saison. Washington siegte in elf der letzten 16 Partien der Spielzeit (11-4-1). Die Bruins waren in den zurückliegenden 17 Begegnungen zwölf Mal erfolgreich (12-4-1). Es ist zu erwarten, dass sich die beiden Teams einen harten Kampf liefern werden, um zu ermitteln, wer die bessere Form in die Playoffs mitnehmen konnte.
"Es wird eine wirklich harte Serie", blickte Nic Dowd auf die erste Runde voraus. "Sie sind ein gutes Team. Sie spielen ihr System sehr gut, sind eine intelligente Mannschaft und haben hochklassige Spieler". Sie sind sehr ähnlich wie wir aufgebaut. Alle ihre Formationen können gutes Eishockey spielen und dann haben sie herausragende Spieler, die auch in der NHL zu den Besten gehören. Jedes Spiel wird ein absoluter Kampf und es wird ein physisches Spiel. Es wird schnell und die Special Teams werden eine große Rolle spielen."
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Special Teams als Zünglein an der Waage
Dowd hat bereits erkannt, dass das Duell zwischen Washington und Boston sicher eng sein wird. Wie häufig in den Playoffs werden Kleinigkeiten entscheiden. Für den Angreifer der Capitals könnten Über- und Unterzahl die entscheidenden Kriterien sein. Aus Sicht der Capitals wäre genau das wünschenswert, konnten sie sich in der regulären Saison doch gerade bei unausgeglichener Spielerzahl beweisen.
In Überzahl war Washington, dank Ovechkin, schon immer eine große Gefahr. Das bestätigten sie auch 2020/21. Mit einer Erfolgsquote von 24,8 Prozent waren sie das drittbeste Team der Saison. Gerade wenn die Spielerzahl noch geringer wurde, konnten die Capitals den Platz auf dem Eis hervorragend ausnutzen. 66,7 Prozent ihrer Fünf-Gegen-Drei-Powerplays waren erfolgreich, bei Vier-Gegen-Drei immerhin 50 Prozent.
Für die Bruins dürfte klar sein, dass sie in Unterzahl besonders aufpassen müssen, um Washington nicht den kleinen, aber entscheidenden Vorteil zu geben. Aber auch mit weniger Akteuren auf der Eisfläche wussten die Capitals zu überzeugen. Die Unterzahlquote von 84 Prozent ist die fünftbeste der Liga. Boston war hier mit 86 Prozent jedoch noch besser und belegte Rang zwei.

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Auslaufender Ovechkin-Vertrag als Motivation
"Ich mache mir darüber keine Sorgen", so kommentierte Alex Ovechkin seine Vertragssituation. Der Kontrakt des russischen Superstars läuft zum Saisonende aus und gibt noch keine Verlautbarung, dass sich Ovechkin und die Capitals über eine Verlängerung geeinigt hätten. Das Ganze ist nicht ungewöhnlich, sollte der Fokus sowohl bei Ovechkin als auch im Management aktuell auf den Playoffs liegen. Dennoch könnte die ungeklärte Situation eine Auswirkung auf das Aufeinandertreffen mit den Bruins haben.
Der Torjäger des Hauptstadtklubs sieht hier jedoch kein Hindernis. "Wir wollen gewinnen", sagte er. "Wir wollen gewinnen. Wir wollen einen weiteren Titel für die Stadt und für uns."
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Der Chara-Effekt
Noch in der vergangenen Saison stand Zdeno Chara für die Bruins auf dem Eis. 14 Spielzeiten war der Verteidiger für Boston aktiv und führte die Mannschaft, inklusive beim Gewinn des Stanley Cup 2011, als Kapitän an. Vor der aktuellen Saison wechselte er zu den Capitals und trifft nun auf seine ehemaligen Teamkameraden. Die Erfahrung von 195 Playoff-Spielen dürfte den Capitals gut zu Gesicht stehen.
Mit seiner Erfahrung in Boston könnte Chara seiner neuen Franchise helfen und Insider-Wissen für die Playoff-Duelle bereitstellen. Die Angst davor hält sich in Boston aber in Grenzen. "Das, was sie bei der Videoanalyse sehen könnten, ist das, was [Chara] ihnen erzählen könnte", gab sich Charlie McAvoy entspannt. "Wir haben in dieser Saison so oft gegen sie gespielt. Es macht immer Spaß gegen ihn anzutreten. Natürlich gibt es eine besondere Verbindung, aber jetzt heißt es Bruins gegen Capitals."