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NHL.com/de blickt in seiner Serie "International Ice" jeden Samstag auf das Geschehen außerhalb Nordamerikas und berichtet über Themen oder Spieler aus den europäischen Ligen.

In dieser Ausgabe: Bundestrainer Toni Söderholm und seine Überlegungen zur Kaderplanung für die IIHF Weltmeisterschaft 2021 in Lettland.
Die Planungen von Bundestrainer Toni Söderholm für die IIHF Weltmeisterschaft 2021 nehmen Fahrt auf. Bei dem Turnier, das vom 21. Mai bis 6. Juni in der lettischen Hauptstadt Riga stattfindet, warten knifflige Aufgaben auf die deutsche Nationalmannschaft. In Gruppe B trifft sie auf Kanada, Finnland, die USA, Lettland, Italien, Norwegen und Kasachstan. Um den vierten Platz und damit die angepeilte Qualifikation fürs Viertelfinale zu erreichen, muss Deutschland entweder ein Top-Team oder den Gastgeber in der Tabelle hinter sich lassen. Dafür braucht es ein starkes Aufgebot, an dem der Coach bereits tüftelt und in dem die deutschen NHL-Spieler eine wichtige Rolle einnehmen.
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Zunächst einmal ist Söderholm froh, dass endgültig Klarheit über den WM-Ausrichter herrscht. Der Eishockey-Weltverband IIHF hatte entschieden, dass alle Spiele in Lettland ausgetragen werden und Weißrussland nicht als Co-Gastgeber auftritt. "Das ist sehr wichtig, denn jetzt kann man seine Gedanken darauf ausrichten, was uns in Riga erwartet. Wir wissen, wo gespielt wird und kennen die groben Bedingungen", sagte der Bundestrainer in einem dieser Tage vom Deutschen Eishockey-Bund veröffentlichten Interview. "Wir warten noch auf den zeitlichen Plan, wie alles abläuft. Aber wir können zumindest jetzt mit anderen Nationen sprechen und Vorbereitungsspiele planen. Wir können verschiedene Szenarien zusammenstellen und je nachdem, wann wir wissen, wann wir in Riga sein müssen und ob wir da Vorbereitungsspiele absolvieren, richten wir die Pläne danach aus."
Söderholm weiß, dass die WM in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie unter anderen Rahmenbedingungen über die Bühne gehen wird als in der Vergangenheit. Deshalb sei es von enormer Bedeutung, so früh wie möglich konkrete Informationen über den Ablauf zu bekommen. Zum Beispiel, ob das Turnier in einer Bubble abgehalten werden soll. "Wenn ja, dann ist es auch für die Spieler etwas Besonderes. Bei einer WM sind sie daran nicht gewöhnt. Ein erfahrener Spieler geht an einem freien Tag zum Kaffeetrinken in die Stadt und fühlt ein bisschen WM-Atmosphäre", so der Bundestrainer. Das werde diesmal sicherlich anders sein.
Unwägbarkeiten gibt es darüber hinaus hinsichtlich der Termingestaltung für die WM-Vorbereitung. Der Start beruht wesentlich darauf, wann die Ligen in Europa und anderswo die Saison abgeschlossen sein werden. Söderholm hofft, dass er in der letzten April-Woche, spätestens jedoch Anfang Mai loslegen kann, selbst wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Spieler zur Verfügung stehen.

Bei der Zusammenstellung des WM-Kaders geht der Bundestrainer nach klaren Kriterien vor. "Spielschnelligkeit ist ein großes Thema, Entscheidungen unter Druck, Entscheidungen in engen Räumen, Zweikampfstärke", betonte Söderholm. Außerdem sei es von zentraler Bedeutung, welche Rolle ein Spieler bei seinem Verein einnehme. "Wenn jemand kein Powerplay oder Boxplay spielt, muss man sich wirklich überlegen, ob es mit einer kurzen Vorbereitung möglich ist, den Spieler auch für die Special Teams bei einer WM einzuschätzen", erläuterte der verantwortliche Mann an der Bande der deutschen Auswahl.
Gerade in Anbetracht der starken Kontrahenten in der Gruppe wäre es von Vorteil, wenn Deutschland bei der WM den ein oder anderen Spieler aus der NHL im Team hätte. Das hängt jedoch davon ab, wer es mit seiner Mannschaft in die Stanley Cup Playoffs schafft und wer nicht. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob und wie lange Akteure, die aus Nordamerika zur Nationalmannschaft stoßen, in Quarantäne müssen.
Nach gut einem Drittel der regulären Saison 2020/21 lässt sich schwer abschätzen, welcher deutsche NHL-Spieler mit seinem Klub die Endrunde verpasst und daher möglicherweise noch in die WM-Vorbereitung einsteigen könnte. Stand Ende Februar kämen Torhüter Thomas Greiss (Detroit Red Wings) sowie die Angreifer Tim Stutzle (Ottawa Senators), Tobias Rieder (Buffalo Sabres), Lean Bergmann (San Jose Sharks) und Marc Michaelis (Vancouver Canucks) in Frage. Mit Verteidiger Leon Gawanke (Manitoba Moose) und den Stürmern Dominik Bokk (Chicago Wolves) und Tom Kühnhackl (Bridgeport Sound Tigers) laufen derzeit drei weitere Nationalspieler regelmäßig in der AHL auf. Ein heißer Kandidat für einen Platz im deutschen WM-Kader ist zudem Moritz Seider, der von den Red Wings an Schwedens Titelanwärter Rögle BK ausgeliehen wurde.

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Komplizierter ist die Ausgangslage bei den Offensivkräften Leon Draisaitl, Dominik Kahun (beide Edmonton Oilers) und Nico Sturm (Minnesota Wild) sowie Schlussmann Philipp Grubauer (Colorado Avalanche). Sie liegen im Moment aussichtsreich im Rennen um einen Playoff-Platz. Sollte sich daran etwas grundlegend ändern oder sie in der Endrunde mit ihrer Mannschaft früh ausscheiden, wären sie natürlich eine willkommene Verstärkung fürs WM-Team.
Unabhängig davon will Söderholm für alle Eventualitäten gerüstet sein. "Ich habe schon so einige Ideen für den Kader. Es gibt eine Planung mit den NHL-Spielern und eine ganz ohne sie", sagte der Bundestrainer.